Deutscher Wetterdienst und Bundesbehörden messen rund um die Uhr radioaktive Partikel in der Luft. Auch Flugzeuge sind nun im Einsatz.
Wind und Regen werden die in Japan freigesetzten radioaktiven Partikel in der Luft so weit verdünnen, dass in Europa kaum etwas messbar sein wird. Das sagen die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD).
Zwei Flugzeuge des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt seien in 5000 bis 10.000 Metern über Deutschland und Nordeuropa zur Messung möglicher Belastungen unterwegs gewesen, sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche in Offenbach. Ergebnisse gebe es noch nicht.
48 Messstationen und 1800 Sonden
Falls wirklich Radioaktivität von Fukushima nach Deutschland gelangen sollte, wird sie nicht lange unbemerkt bleiben: Mit einem doppelten Netz wird in Deutschland permanent die Strahlenbelastung überwacht:
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) misst mit bundesweit 1800 Sonden die Strahlen-Dosis und veröffentlicht die Daten.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat seit 1955 den «gesetzlichen Auftrag, die Radioaktivität in der Atmosphäre zu überwachen und die Ausbreitung radioaktiver Spurenstoffe in der Atmosphäre vorherzusagen». Er betreibt 48 Messstationen, in denen die Strahlen-Aktivität gemessen wird.
Die beiden Systeme laufen zusammen im IMIS, dem «Integrierten Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Umweltradioaktivität», das nach der Tschernobyl-Katastrophe eingerichtet wurde.
Auf einer Internetseite können Bundesbürger unter http://odlinfo.bfs.de die «Ortsdosisleistung» ihrer Region abrufen. Auf einer Landkarte werden die Messpunkte farblich unterlegt - von gelb wie unbedenklich bis pink wie alarmierend. Ein Mausklick - und man sieht eine Langzeitreihe des angeklickten Ortes.
«Durch die verschiedenen Messsysteme kann das BfS im Falle eines nuklearen Notfalls in Deutschland bis zu 72 Stunden vorher sagen, wie sich eine radioaktive Wolke ausbreitet und welche Strahlenbelastung für Menschen und Umwelt in Deutschland daraus resultieren», heißt es beim BfS in Salzgitter. Welche Gebiete sind betroffen? Welche Strahlen sind vorhanden? Und vor allem: Wie hoch ist die Belastung für die Menschen?
Die Geräte des DWD laufen rund um die Uhr, die meisten stehen an personell besetzten Wetterstationen und können sowohl automatisch als auch von Hand betrieben werden. Die Daten werden im Normalbetrieb zwar nur einmal am Tag in die DWD-Zentrale nach Offenbach gefunkt, aber kontinuierlich erfasst. «Wenn ein überhöhter Wert festgestellt wird, merken wir das innerhalb einer Stunde», erklärt Thomas Steinkopff, Leiter des 20 Mann starken Referats Radioaktivitätsüberwachung beim DWD. Dann schalten die Messstationen auf Alarmbetrieb und erfassen die Daten stündlich.
Wie funktioniert das? An den Messstellen wird Luft durch einen Filter gesaugt. Die hängengebliebenen Teilchen werden mittels der sogenannten Gammaspektrometrie vermessen. Damit ist eine Unterscheidung der einzelnen Gammastrahler möglich - ähnlich wie bei Radiosendern durch die typischen Wellenlängen.
Gibt es Auffälligkeiten, werden die Luftfilter und Niederschlagsproben nach Offenbach gebracht. Dort kann das radiochemische Labor des DWD die Proben auch auf Alphastrahler wie Plutonium und Betastrahler wie Strontium untersuchen. Wenn nötig, kann der DWD die Radioaktivität auch aus der Luft messen: Dann würde ein Flugzeug gechartert und mit Messtechnik ausgestattet, ähnlich wie das nach dem Vulkanausbruch auf Island der Fall war.
Die beiden Messsysteme des DWD und des BfS erfüllen unterschiedliche Funktionen:
Das BfS-Netz misst direkt die Dosis, also die Energie, mit der eine Strahlung auf den Körper wirkt. Sie wird in Sievert gemessen.
Das DWD-Netz misst die Aktivität - das ist noch empfindlicher und man kann damit verschiedene Arten der Strahlung unterscheiden. Sie wird in Becquerel angegeben. Dazu kommen noch Messstationen zu Wasser und eine besonders empfindliche Station in Freiburg, die zu einem internationalen Verbund gehört.
Werden die Messstationen anschlagen in den nächsten Wochen? «Wenn in Japan tatsächlich Radioaktivität freigesetzt wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir das hier feststellen können, auch wenn die Werte verschwindend gering sein werden», sagt Steinkopff. Als 1998 in Spanien eine medizinische Cäsiumquelle versehentlich in einem Stahlwerk in den Hochofen gelangte und verbrannt wurde, wurde auf der Zugspitze diese minimale Aktivität dennoch gemessen.
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