Welche Auswirkungen hat das Freisetzen von Radioaktivität für die menschliche Gesundheit? Was bedeuten die verschiedenen Messwerte für Radioaktivität und ab wann sind sie gefährlich?
Gelangen radioaktive Substanzen in die Umwelt- wie aktuell in Japan- werden sie mit dem Wind verteilt. Je weiter sie fortgetragen werden, umso geringer ist ihre Konzentration. Zusätzlich nimmt nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) die Konzentration der radioaktiven Stoffe auch dadurch ab, dass einige Radionuklide mit der Zeit zerfallen. Dies trifft zum Beispiel auf radioaktives Jod zu. Zudem kann Regen Partikel aus einer radioaktiven Wolke auswaschen - etwa über den Weiten des Pazifiks. «Dies führt nach derzeitiger Einschätzung dazu, dass in Europa allenfalls geringfügige Auswirkungen erwartet werden», so das BfS.
Experten unterscheiden zwischen akuten Strahlenschäden und Spätfolgen. Bei einem schweren Atomunfall ist die Belastung in nächster Nähe des Reaktors so groß, dass es zur akuten Strahlenkrankheit kommen kann: Bei sehr hohen Dosen tritt der Tod sofort oder binnen Tagen ein. Wer hohen Strahlendosen ausgesetzt ist, kann - auch viele Jahre später - leichter an Krebs erkranken.
Aber auch bereits niedrig dosierte Strahlen können das Erbgut verändern und damit langfristig Krebs auslösen. Besonders Leukämie, Schilddrüsen-, Lungen- und Brustkrebs sind mögliche Spätfolgen.
Nach Angaben des Bundesumweltministeriums und des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) beträgt die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland mehr als 2 Millisievert pro Jahr. Radioaktive Stoffe in Böden und Gesteinen - etwa Radon - strahlen natürlicherweise. Die Werte sind bundesweit sehr unterschiedlich.
Die Maßeinheit Sievert (Sv) gibt die biologische Wirkung der radioaktiven Strahlung auf Menschen, Tiere oder Pflanzen an. Sie setzt die Masse des betroffenen Objekts in Bezug zur aufgenommenen Strahlungsenergie. Ein Millisievert sind 0,001 Sievert. Sievert hat die früher übliche Einheit Rem als Maßeinheit abgelöst.
Für zusätzlich zu der natürlichen Strahlung aufgenommene künstliche Strahlenbelastung senkte der Gesetzgeber im Jahr 2001 den Grenzwert für die Jahresdosis von 1,5 auf 1 Millisievert. Für Menschen, die beruflich etwa in einem Atomkraftwerk Strahlung ausgesetzt sind, sank der Wert damals von 50 auf 20 Millisievert. In Deutschland überwachen die Behörden rund 350.000 Menschen, die beruflich bedingt Strahlung ausgesetzt sind. Neben der gesamten Jahresdosis gibt es auch Grenzwerte für einzelne Körperteile. Wird ein Grenzwert überschritten, können Auflagen erteilt, Arbeiten verboten, Bußgelder verhängt und Genehmigungen entzogen werden.
Als Folgen eines Strahlenunfalls nennt das BfS für einen Dosisbereich von 1 bis 6 Sievert unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Haarausfall als Symptome. Bei 5 bis 20 Sievert können etwa Schock und Blutungen auftreten - nur im unteren Dosisbereich ist laut BfS ein Überleben möglich. Bei mehr als 20 Sievert tritt der Tod demnach innerhalb von zwei Tagen ein.
In der Einheit Gray (gy) wird angegeben, wie intensiv die Bestrahlung ist. Dabei gibt die Einheit Gray das Maß der vom Gewebe absorbierten Strahlungsdosis an. Ab der kritischen Dosis von 1 Gy reagiert der Körper relativ schnell etwa mit Übelkeit, Fieber und Durchfall. Das Knochenmark wird angegriffen, es kann zu Blutungen und Infektionen kommen. Eine Belastung von mehr als 5 Gy greift außerdem den Verdauungstrakt an, bei optimaler Behandlung kann der Betroffene sich aber unter Umständen erholen. Bei einer Ganzkörperbestrahlung mit mehr als 6 Gy sind die Überlebenschancen selbst bei optimaler Behandlung gering. Fast keine Überlebenschancen gibt es bei mehr als 15 Gy.
In Becquerel (Bq) wird angegeben, wie aktiv eine radioaktive Substanz ist. Dabei geht es um die Anzahl der Atomkerne, die sich in einer Sekunde umwandeln und dadurch einen Strahlungsimpuls abgeben.
Das Beste ist die Evakuierung der betroffenen Region. Auch die Einnahme von Jodtabletten zum Schutz der Schilddrüse hilft. «Einfacher Atemschutz ist dagegen kaum in der Lage, das Einatmen flüchtiger radioaktiver Stoffe zu verhindern», betonte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Lebensmittel aus belasteten Regionen können auch langfristig kontaminiert sein und sollten nicht gegessen werden.
Deutsche Apotheker warnen ausdrücklich vor einer Einnahme von Jod-Tabletten «auf eigene Faust». Die Präparate sollten nur nach behördlicher Aufforderung genommen werden, so die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Die Tabletten verhindern, dass sich radioaktives Jod aus der Luft oder aus Nahrungsmitteln in der Schilddrüse anreichert. Eine Einnahme bringe hierzulande nur etwas, «wenn es eine radioaktive Wolke direkt über Deutschland geben sollte», sagte Sprecherin Ursula Sellerberg. «Bei Erwachsenen über 45 Jahren kann zu viel Jod sonst das Risiko für Schilddrüsenerkrankungen steigern.»
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Radioaktivität: Risiken und Gefahren