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Vorkasse beim Arzt
Bei Vorkasse kann ein Arztbesuch eine teure Angelegenheit werden. © dpa

Vorkasse beim Arzt: Was Gesundheitsminister Rösler plant

Das Prinzip Vorkasse soll auf gesetzlich Versicherte ausgeweitet werden. Kritiker warnen vor Kostenfallen für Patienten.

Wer eine Arztbehandlung braucht, muss die Rechnung dafür zuerst selbst zahlen und sich dann an seine gesetzliche Krankenkasse wenden, um sich Kosten erstatten zu lassen. Dieses Prinzip der Vorkasse, das heute für Privatpatienten gilt, soll nach Wünschen von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zukünftig auch für gesetzlich Versicherte gelten.

Großreform der Ärztehonorare zuerst

«Man muss den Einstieg auf freiwilliger Basis machen», so Rösler. Langfristiges Ziel sei es, neue Angebote auf freiwilliger Basis für die Versicherten zu schaffen. Dazu will der Minister im kommenden Jahr zunächst eine Großreform der Ärztehonorare in Angriff nehmen. Erst dann könne seriös ein Rechnungssystem zur Abrechnung mit den Patienten eingeführt werden, sagte er.

Ärzte begrüßen Vorkasse

Rückenwind für sein Vorhaben erhielt Rösler von den Ärzten. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, nannte dies einen tiefgreifenden, aber unerlässlichen Schritt zur besseren Kontrolle der Ausgaben. Durch Kostenerstattung oder eine prozentuale Eigenbeteiligung der Patienten könne das Problem der unbegrenzten Nachfrage nach ambulanten Leistungen angegangen werden. «Nur dann wird es gelingen, von der hohen Zahl an Arztbesuchen im Jahr herunterzukommen», betonte Köhler.

Krankenkassen sind gegen Vorkasse

Die Krankenkassen lehnen die Pläne ab. «Wenn kranke Menschen zum Arzt gehen, dann sollen sie sich nicht erst fragen müssen, ob ihr Geld reicht, um in Vorkasse gehen zu können», sagte der Sprecher ihres Verbands, Florian Lanz. «Vorkasse heißt, dass den Ärzten der direkte Griff in die Portemonnaies ihrer Patienten ermöglicht wird».

Barmer-Chef warnt vor Kostenfalle

Der Chef des Verwaltungsratschefs der Barmer GEK, Holger Langkutsch warnte: «Die Gefahr droht, dass die Patienten auf erheblichen Mehrkosten sitzen bleiben.» Dies kann nach Ansicht der Kritiker passieren, wenn ein Arzt mehr verlangt, als er für Kassenpatienten sonst bekommt - denn nur bis zu dieser Höhe sollen die Kosten von den Krankenkassen erstattet werden.

Die reine Lehre der FDP in Sachen Gesundheit

Zu seinen Fernziel in der Gesundheitspolitik sagte Rösler der «Financial Times Deutschland»: «Die reine Lehre der FDP sieht so aus, dass wir die heutige Versicherungspflicht abschaffen und jeden Menschen verpflichten, sich zu einem Basisschutz bei egal welchem Versicherungsunternehmen zu versichern.»

Quelle: kra/dpa
(Bilder: Grüne Woche Berlin; dpa)