Die schrecklichen Ereignisse bei der Loveparade in Duisburg zeigen, wie weit Menschen gehen können, wenn sie um ihr Überleben kämpfen.
Tausende von Menschen, dicht gedrängt in einem Tunnel. Von beiden Seiten drängen weitere Menschen dazu, es gibt kein Vor und kein Zurück mehr. Seitlich ausweichen geht nicht, erste Panikreaktionen werden laut, Schreie, Atemnot.
Ausgelöst von einzelnen Menschen, die in der Menge plötzlich Angstgefühle haben oder Panikattacken erleben, breitet sich einen Massenpanik aus.
Wer in dem aggressiven Gedränge zu Boden fällt, kommt womöglich nicht mehr hoch und wird von den anderen tot getrampelt. So geschehen am 24. Juli 2010 in Duisburg, wo Hunderttausende vom und zum Veranstaltungsort einer Loveparade drängten.
"Bei einer Massenpanik reagiert der Organismus reagiert völlig unkontrolliert", sagt der Psychologe Steffen Fliegel. Bei Massenpaniken schaltet sich die soziale Kompetenz des Menschen ab - "aus Angst ist das eigene Überleben wichtiger, als die Rücksicht auf andere."
Die schnellen Fluchtbewegungen der panischen Menschen lösen dann in der Enge und der Menge ein Herdenverhalten aus. «Es entsteht eine lawinenartige Kettenreaktion», sagte Fliegel.
In solch einer Massenbewegung sei die «Ratio», also das verantwortliche Denken, außer Kraft gesetzt. «Es gibt kein Überlegen mehr, was in dem Moment sinnvoll oder besser wäre», sagte der Experte von der Gesellschaft für klinische Psychologie und Beratung in Münster.
Mit Blick auf das Verarbeiten des Erlebten riet Fliegel: «Da hilft nur: Reden, Reden, Reden und das eigene soziale Netz nutzen.» Der Psychologe empfahl Betroffenen, die traumatischen Erlebnisse in dem engen Tunnel des Loveparade-Geländes möglichst nicht zu verdrängen, sondern sich den schlimmen Erinnerungen zu stellen. «Sonst geraten sie womöglich in einen Teufelskreis, vermeiden künftig andere enge Situationen wie voll besetzte Züge oder Kaufhäuser.»
Hielten Alpträume oder Panikzustände länger als zwei, drei Monate an, sollte therapeutische Hilfe erwogen werden.
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