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Rauchen
Eine schockierende Diagnose wie COPD hilft zwar, mit dem Rauchen aufzuhören, kommt aber manchmal auch zu spät. © dpa

Raucherlunge wird von Ärzten oft nicht erkannt

Die unheilbare Raucherkrankheit COPD bleibt bei 20 Prozent der Erkrankten unbemerkt- mit schrecklichen Folgen.

Rund 20 Prozent derjenigen, die an der Chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD erkrankt sind, wissen nichts davon, weil sie trotz Beschwerden keine entsprechende Diagnose vom Hausarzt bekommen. Das berichten Forscher im "Canadian Medical Association Journal".

Viele wissen nichts von ihrer Erkrankung

COPD ist eine aus dem Englischen übernommene Abkürzung für chronic obstructive pulmonary disease und bezeichnet eine chronisch obstruktive Bronchitis (COB), bei der sich die Atemwege immer mehr verengen.

"Die Dunkelziffer derer, die mit einer nicht erkannten COPD leben, ist besonders in ihrer Frühphase sehr hoch. Dabei entscheidet der Zeitpunkt der Erkennung über das weitere Leben", bestätigt Michael Pfeifer von der Gesellschaft der deutschen Lungenfachärzte.

Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse stieg bundesweit die Zahl der Krankenhauspatienten mit der Krankheit COPD von 2000 bis 2008 um rund 37 Prozent. Etwa 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland ist davon betroffen.

COPD-Risikogruppe: Raucher ab 40 Jahre

Die kanadischen Forscher untersuchten die wichtigste Risikogruppe für COPD, nämlich Menschen ab 40 Jahren mit mindestens 20 Jahren Raucherkarriere. Ein Fünftel der 1000 Untersuchten litt an COPD und mehr als drei Viertel an zumindest einer Form von Atembeschwerden wie etwa Raucherhusten.

Es zeigte sich, dass zwei von drei Patienten keine Ahnung von ihrer Erkrankung hatten und jeder Fünfte bei Hausarzt-Besuchen keine entsprechende Diagnose bekommen hatte. "Menschen aus der Risikogruppe sollten vom Arzt genau untersucht und möglichst früh behandelt werden", fordert Studienautor Roger Goldstein.

COPD hat schleichenden Verlauf

Der Grund liegt für Pfeifer im schleichenden Verlauf von COPD. "Sie beginnt langsam mit eingeschränkter Leistung, auf die sich Betroffene einstellen. Statt einkaufen zu gehen, fahren sie eben mit dem Auto. Und der Husten und Auswurf als weiteres Frühzeichen ist bei Rauchern sehr weit verbreitet und wird übersehen", so der Experte.

Früherkennung sei wichtig, da sie die Erfolgschancen der Intervention erhöht. Intervention heißt heute nur Nikotinverzicht, da es keine wirksamen Medikamente gibt. Vorteile bringt der Rauchstopp jedoch allemal. "Er verhindert das Ausbrechen der Krankheit oder die schnelle Verschlechterung. Das steigert die Lebensqualität und Lebenserwartung deutlich."

Lungenfacharzt kann besser auf COPD testen

Schuld für das zu späte Erkennen der Krankheit gibt Pfeifer vor allem den Betroffenen selbst. "Viele Raucher meiden wegen ihres schlechten Gewissens den Arzt. Gratis- Lungenfunktionstests nutzen eher Nichtraucher, um ihre intakte Lunge zu bestätigen." Wegen fehlenden Wissens über COPD würden zudem Symptome oft falsch interpretiert.

Doch auch die Hausärzte stünden in Verantwortung. "Oft machen sie keinen qualitativ guten Lungenfunktionstest oder interpretieren Veränderungen der Frühphase als normal." Laut Pfeifer sollte der Hausarzt die Diagnose stellen und dann zum Lungenfacharzt überweisen, der sie bestätigen oder verfeinern kann.

Lungenemphysem gehört zu COPD

Zur Krankheit COPD, die genau genommen eine ganze Gruppe ähnlich schlimmer Atemleiden beschreibt, gehört auch das Lungenemphysem. Radiologen der University of Iowa berichten in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences", dass Computertomografie das Emphysem bereits vor den ersten organischen Schädigungen durch veränderten Blutfluss in der Lunge feststellen kann. "Die Entdeckung könnte helfen, die Ursachen der Krankheit und ihre Unterschiede zu anderen Lungenleiden besser zu verstehen und die Wirksamkeit neuer Therapien zu bestätigen", so Studienautor Eric Hoffman.

Lungenfunktionsmessung alle zwei Jahre wiederholen

Pfeifer sieht den CT-Nachweis nur für wissenschaftliche Zwecke brauchbar. "Die Strahlenbelastung und die hohen Kosten schließen den klinischen Einsatz aus." Sinnvoll für die Früherkennung sei hingegen die wiederholte Lungenfunktionsmessung bei Risikogruppen, und zwar regelmäßig im Abstand von ein bis zwei Jahren. "Ein beschleunigter Abfall der Funktionswerte bietet die besten Voraussetzungen einer frühen Diagnose. Genutzt wird diese Möglichkeit jedoch bisher kaum", so der Lungenspezialist.

Quelle: BerlinOnline/dpa/pte
(Bilder: Grüne Woche Berlin; dpa)