Bärlauch ist ein echtes Trendgewürz und findet sich zunehmend als kräftiger Geschmacksgeber in Salaten, Suppen, Soßen, Käse oder Gemüsen.
Die altbekannte Heilpflanze wächst in unseren Breitengraden sehr gut in freier Natur. Aber wer sich mal eben eine Portion frischen Bärlauch aus dem Wald holen will, sollte sehr vorsichtig sein und die Pflanze genau kennen. Denn wegen der hohen Verwechslungsgefahr mit der giftigen Blume namens Herbstzeitlose besteht akute Vergiftungsgefahr.
"Rund 30 Anrufe bekommen wir im Jahr von Menschen, die glauben, sich vergiftet zu haben. Bei einem Drittel handelt es sich dann wirklich um eine Vergiftung», sagt die Leiterin des Giftnotrufs München, Gabrijela Gerber. Ein Fall pro Jahr im Zuständigkeitsbereich des Münchner Giftnotrufs ende sogar tödlich.
Ein 70-jähriger Bärlauchsammler aus dem Landkreis Freising war am 19. April 2009 an den Folgen einer Vergiftung mit Blättern der Herbstzeitlose gestorben. Er hatte die giftige Pflanze mit dem Bärlauch verwechselt und in großen Mengen verzehrt.
«Vor zehn Jahren gab es noch kaum Fälle einer Vergiftung durch die Herbstzeitlose. Jetzt nimmt die Anzahl zu», sagte Gerber. Sie führte dies auf den neuen Trend zum Bärlauchverzehr zurück. «Der ist ja jetzt erst bekannt geworden, früher wurde der gar nicht so viel gegessen.» Bei Verdacht auf eine Vergiftung solle sofort der Notruf kontaktiert werden, mahnte sie.
Daran erkennt man eine Vergiftung
Der Verlauf der Vergiftung mit Blättern der Herbstzeitlosen ist immer gleich. «Beim Verzehr merkt man es nicht immer, manche sagen, dass es bitter schmeckt. Dann, nach eins bis sechs Stunden, kommt es zu einem komischen Gefühl im Mund», sagte Gerber. Vor allem im Hals mache sich ein Kratzen und Brennen bemerkbar. «Weitere Symptome sind Erbrechen und Durchfall.» Deshalb sei auch ein Kreislaufzusammenbruch häufig die Todesursache, oder es komme zu Organversagen.
«Es handelt sich um des Zellgift Colchizin, und das greift alle Zellen an. Auch Leber, Nieren, Lunge, Herz und Gehirn», erklärt Gerber. Dies könne eins bis zwei Tage dauern. Behandelt werden könnten nur die Symptome. «Denn es gibt kein Gegengift, das ist ja das Problem.»
Trotzdem können die Blätter des Bärlauch und der Herbstzeitlosen unterschieden werden: «Bärlauchblätter haben einen Stängel. Die Herbstzeitlose wächst direkt aus der Erde. Aber die Leute achten nicht darauf», so Gerber.
Der Bärlauch ist eine Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanze, die seit einigen Jahren eine echte Renaissance erlebt. Funde in jungsteinzeitlichen Siedlungen lassen vermuten, dass die Menschen sie bereits vor 5000 Jahren in der Küche verwendeten.
Die Bärlauch-Pflanze ist verwandt mit Schnittlauch, Zwiebel und Knoblauch. Die Pflanze hat grundständige, langgestielte Blätter mit ei-lanzettförmigen Blattspreiten, die jeweils zwei bis fünf Zentimeter breit sind. Die Blätter erscheinen ab Februar/März, der Wachstumszyklus endet Ende Mai und die Pflanze zieht wieder in die Erde ein.
Nur roh verwenden
Bärlauch ist essbar, genutzt werden aber hauptsächlich die frischen Blätter als Gewürz oder Gemüse. Da Bärlauch im Frühjahr das erste wachsende Kraut im Garten ist, wird er zu dieser Zeit gern anstatt von Schnittlauch verwendet. Sein Geruch ähnelt dem des Knoblauchs, ist aber weniger stark ausgeprägt.
Weil sich beim Erhitzen des Bärlauch die schwefelhaltigen Stoffe verändern, welche für Geschmack und Heilwirkung maßgeblich sind, sowie der hohe Vitamin C-Gehalt verloren geht, wird Bärlauch am besten roh verwendet. Klein geschnitten als Gewürz oder Gemüse veredelt sein charakteristischer Geschmack Salate, Suppen, Käse und andere Speisen.
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