Die Jahresbilanz der amtlichen Lebensmittelkontrolleure fällt schlecht aus: Schmutz, Mogelpackungen und Schimmel sind weit verbreitet.
Bei Besuchen in rund 500.000 Betrieben der Lebensmittel- Branche haben Kontrolleure bundesweit rund 130.000 Verstöße registriert, vor allem im Bereich Hygiene. Das zeigt der jüngste Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz zur Lebensmittelsicherheit.
Hygienemängel bei Hähnchen-Dönern, Schimmelpilz- Gifte im Reis und Mogelpackungen im Supermarkt - die Mängelliste für das Jahr 2008 ist lang. «Wir können uns nicht zurücklehnen», bilanziert Helmut Tschiersky- Schönburg, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).
Allein bei einem Fünftel der überprüften Betriebe, die Geflügelfleisch-Döner herstellen, ließ die Hygiene zu wünschen übrig. Beim Verkauf stellten die Kontrolleure sogar bei einem Drittel der getesteten Imbissbuden Hygienemängel fest.
2008 haben sich die Kontrolleure auch den Umgang mit dem Gewürz Vanille unter die Lupe genommen. Es ist bei Eis-Herstellern sehr beliebt - aber teuer. Das verleitete viele Produzenten zu einem Etikettenschwindel. Die Verpackung warb mit echter Vanille, im Eis aber fanden sich nur künstliche Aromastoffe oder naturidentisches Vanillin. Von 290 Vanilleeisproben waren 110 (38 Prozent) Mogelpackungen.
Ein weiterer Untersuchungsschwerpunkt waren Gifte aus Schimmelpilzen. Hier waren vor allem Reis, Schokolade und Lakritze mit teilweise hohen Werten belastet. Das Amt forderte bessere Eigenkontrollen der Unternehmen. Die Käse-Imitate, die in diesem Jahr Schlagzeilen machten, sind noch nicht Teil des Berichts.
Im Jahr 2008 gab es rund eine Viertelmillion weniger Kontrollen als noch 2002. Der Rückgang erkläre sich durch aufwendigere Prüfungen, sagte BVL-Abteilungsleiter Gerd Fricke. Er betonte auch, dass die Verantwortung für die Lebensmittelsicherheit bei den Betrieben liege - und nicht beim Staat.
Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherschutz- Organisation foodwatch, nannte den Lebensmittelbericht «die jährliche Bankrotterklärung des staatlichen Verbraucherschutzes». An den hohen Beanstandungsquoten habe sich nichts geändert. Statt mehr Kontrollen und härteren Strafen forderte Bode die öffentliche Nennung von Betrieben, bei denen Mängel festgestellt werden. Gegen Imitat-Betrug und Schmuddel-Restaurants helfe nur Abschreckung durch Transparenz.
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