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Geleebananen Packung
© Verbraucherzentrale Hamburg/ www.vzhh.de 

Chemie statt Früchte: Täuschung mit Aromastoffen

Viele Produkte werben mit Namen und Abbildungen echter Geschmackszutaten - enthalten aber nur künstliche Aromen.

Vanilleeis ohne Vanille, bunte Frucht-Süßigkeiten ohne eine Spur von echten Früchten, Tees voller Aromastoffe – bei kaum noch einem industriell hergestellten Lebensmittel kommt der Geschmack tatsächlich aus natürlichen Originalaromen.

Stattdessen ersetzen andere, oftmals künstlich hergestellte Substanzen die teureren Naturprodukte. Dabei kommen neben den Chemikalien auch organische Abfallprodukte anderer Herstellungsprozesse zum Einsatz.

Warentest fand in Vanilleeis keine echten Vanilleschoten

Ein besonders krasses Beispiel ist die Untersuchung von 22 Sorten Vanilleeis durch die Stiftung Warentest. In nur zwei Marken kam der Vanillegeschmack aus echten Vanilleschoten. Zehn weitere Eishersteller aromatisieren zwar mit Vanille, allerdings in so winzigen Mengen, dass es auf den Geschmack keinen Einfluss mehr hatte.

Stattdessen kaschierten Fett, Zucker, Sahne und andere Aromastoffe die fehlende Vanille. Bei anderen Sorten wurde nur mit künstlichen Stoffen aromatisiert. Aromastoff Vanille kann aus Reis oder chemisch aus Sulfitablauge, die bei der Zellstoff- und Papierherstellung anfällt, hergestellt werden.

Irreführende Bezeichnungen

Vanillejoghurt © Verbraucherzentrale Hamburg/ www.vzhh.de 

Wer glaubt, dass die kleinen schwarzen Punkte in vielen Sorten die geschmacksgebenden, gemahlenen Vanilleschoten seien, irrt leider. Zwar handelt sich dabei meist tatsächlich um gemahlene Vanilleschoten. Das heißt aber nicht, dass viel Vanille im Eis steckt. Denn die Schoten werden vorher zur Aromagewinnung extrahiert, sind dann ausgelaugt und geschmacklos.

Verbraucher blicken aufgrund verschleiernder Bezeichnungen oder irreführender Illustrationen kaum noch durch. Steht beispielsweise auf der Verpackung "mit Vanillegeschmack", wurde synthetisches Aroma verwendet. Wo dagegen nur Eiscreme "Vanille" drauf steht, darf nur auch Aroma aus der Vanilleschote drin sein. Trotzdem werben fast alle mit der Abbildung von Vanilleblüten auf der Packung.


Künstliche Aromen für alle Geschmacksrichtungen

Der Vanilleeis-Test hat das Thema Aromastoffe in Lebensmitteln schlagartig in die Medien gebracht. Tatsächlich werden seit Jahren in sehr vielen Lebensmitteln künstliche Aromastoffe eingesetzt. Davon sind in der EU rund 2700 erlaubt. Es gibt keine Geschmacksrichtung, die es nicht gibt. Mit einem Gramm Aroma kann ein Kilogramm eines Lebensmittels mit Kunstgeschmack versehen werden.

Geleebananen Zutaten © Verbraucherzentrale Hamburg/ www.vzhh.de 

Die Hersteller sparen an den Rezepturen, indem sie auf Bananen, Pistazien oder Fleisch verzichten und stattdessen Aroma- und Farbstoffe einsetzen. Den Nachteil haben die Verbraucher: Wertvolle Inhaltstoffe werden durch billige Chemikalien und minderwertige Geschmacksträger ersetzt. Kaum ein Verbraucher weiß, was er wirklich isst. Denn das versteckt sich im Kleingedruckten auf der Zutatenliste. Und auch dort lauert Verschleierung.

Naturidentische Aromastoffe
Sogenannte naturidentische Aromastoffe haben mit der Natur wenig zu tun. Vielmehr handelt es sich um chemische Verbindungen aus dem Labor, die identisch mit einem in der Natur vorkommenden Stoff sind.

Natürliches Aroma
Heißt es auf der Zutatenliste "natürliches Aroma", handelt es sich ebenfalls um eine Verbindung aus dem Labor, zum Beispiel aus einem Pflanzenextrakt oder Destillat pflanzlicher Stoffe. So kann Erdbeergeschmack aus irgendeinem in der Natur vorkommenden Stoff gewonnen worden sein, zum Beispiel aus dem Holzstoff Lignin.

Denn den Begriff "natürlich" hat der Gesetzgeber sehr anbieterfreundlich und viel zu weit gefasst: "Natürliche Aromen" müssen demnach nicht zwangsläufig aus dem Namen gebenden Rohstoff stammen. Voraussetzung ist nur, dass die Grundstoffe im weitesten Sinne aus der Natur stammen - es kann auch Baumrinde sein.

Gentechnisch veränderte Hilfsstoffe

Bei der Herstellung von Aromen kommen außerdem chemische Lösungs- und Extraktionsmittel zum Einsatz, die in geringen Mengen häufig noch im Endprodukt nachweisbar sind. Zudem sind heute viele der Hefen, Pilze oder Bakterien, die die Herstellung zahlreicher Aromen oder deren Hilfs- und Zusatzstoffe erst möglich machen, gentechnisch verändert.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat dazu eine Liste mit Produkten ins Internet gestellt. Sie zeigt: In Fertiglebensmitteln steckt häufig kein einziges Gramm der abgebildeten Früchte, Nüsse oder Fleischsorten.

Quelle: Antje Kraschinski/BerlinOnline/dpa
(Bilder: Grüne Woche Berlin; dpa)