Zusammengesetzter Formschinken ist legal, wenn er gekennzeichnet ist. Aber ist er auch gesundheitlich unbedenklich?
Neben dem Lebensmittelgesetzbuch gibt es das Lebensmittelbuch, eine Sammlung von Expertenempfehlungen. Darin steht, dass die Hersteller bestimmte Fleischstücke zu einem größeren Stück zusammensetzen dürfen. Wenn aber die Fleischstücke eine bestimmte Größe unterschreiten, verstößt dies gegen die Leitsätze. Genau das ist bei den «Klebeschinken»-Fällen passiert, meint das Bundesverbraucherministerium.
Damit die Verbraucher Schinken und Klebeschinken nicht verwechseln, sieht das Deutsche Lebensmittelbuch das Wort Formfleisch-Schinken vor. Die Praxis, Schinken aus Teilen zusammenzufügen, war bisher meist nur bei gekochtem Schinken bekannt.
Nein. Beim sogenannten Klebeschinken droht weder Gefahr für die Gesundheit noch geht es etwa um Gammelfleisch. Dennoch hat sich Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) eingeschaltet. Sie fordert, alle Lebensmittel in Deutschland so zu kennzeichnen, dass eine Irreführung der Verbraucher ausgeschlossen ist. Das ist im Lebensmittelgesetzbuch geregelt.
Die Verbraucherorganisation Foodwatch verleiht in diesem Jahr wieder den «Goldenen Windbeutel» für die «dreisteste Werbelüge». Unter den Kandidaten ist ein Schoko-Milch-Drink, der als gesund beworben wird. Eine kleine Flasche davon enthält laut Foodwatch umgerechnet acht Stück Würfelzucker. Der Hersteller habe erklärt, dass ungesüßte Produkte von den Verbrauchern geschmacklich abgelehnt würden. Oder eine Bio-Erfrischung mit natürlichen Zutaten. Sie enthält nach Angaben der Verbraucherschützer Zitronensäure, Ascorbinsäure, Zucker, Gerstenmalz und «natürliches Aroma». Der Hersteller habe erklärt, er halte sich streng an die EU-Bio-Verordnung.
«Viele Produktbezeichnungen sind irreführend, Marketing wird als Information getarnt», sagt Foodwatch-Vizegeschäftsführer Matthias Wolfschmidt. «Lebensmittelhersteller müssen nicht einmal gegen Gesetze verstoßen, sie können die Verbraucher ganz legal täuschen.»
Aigner fordert mehr Klarheit und Wahrheit. Die Experten der Lebensmittelbuch-Kommission - darunter Wissenschaftler und Verbraucherschützer - haben im Februar zugesagt, sie wollten die Leitsätze klarer fassen. Bisher musste Kalbsleberwurst zum Beispiel keine Kalbsleber enthalten. Zumindest das soll sich nun ändern.
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