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Schinken Herstellung
Moderne Schinkenherstellung © dpa

Markenhersteller täuschen Verbraucher mit Klebeschinken

Was im Supermarktregal als Nuss- oder Lachschinken angeboten wird, ist oftmals nur minderwertiges Formfleisch.

Nach dem Skandal um minderwertiges Formfleisch, das als Kochschinken verkauft wurde, haben Untersuchungen nun ergeben, dass auch vorgeblich hochwertiger Rohschinken oftmals lediglich aus zusammengesetzten Resten besteht. Lebensmittelkontrolleure sprachen bei dem Mogelschinken von Klebeschinken, weil dabei Fleischstücke mit einem Enzym zusammengepappt werden.

Nuss- und Lachschinken oft nur Klebeschinken

So berichtete das ARD-Magazin Plusminus am 13. April 2010, dass 6 von 13 abgepackten Sorten Rohschinken aus dem Sortiment von Supermärkten und Discountern nicht aus einem natürlich gewachsenen Stück Fleisch bestanden, sondern aus verschiedenen Einzelteilen.

Festgestellt wurde diese Täuschung vor allem bei vermeintlichen Nuss- oder Lachsschinken. Normalerweise ist das Fleisch dafür gewachsenes Muskelfleisch vom Schwein: Lachsschinken aus dem ganzen Rückenmuskel, genannt Schweinelachs; Nussschinken aus dem Nuss genannten Teil der Schweinekeule.

Irreführung der Verbraucher

Anders ist es bei den untersuchten Produkten. Nach ersten Begutachtungen der Rohschinken durch den Experten für Lebensmittelsicherheit, Goetz Hildebrandt, stellte dieser fest: "Es ist hier ganz eindeutig zu sehen, dass es mindestens zwei Teile, wenn nicht gar drei Teile sind, die benutzt worden sind, um diese Scheibe zusammenzusetzen. Das würde sich dann um Formschinken handeln."

Das zeigte sich bereits nach einem einfachen Durchleuchten der Schinkenscheiben. In dem Fernsehbeitrag sagte Hildebrandt: "Klarer Verdacht auf Formfleischverarbeitung. Diese Verarbeitung ist nicht deklariert worden. Das heißt also, es besteht eine Irreführung des Verbrauchers."

Problem schon seit November 2009 bekannt

Ähnliches hatte das Landeslabor Berlin-Brandenburg bereits im November 2009 bei Routinekontrollen von sogenanntem Nussschinken festgestellt und die Täuschung der Verbraucher kritisiert. Bei der Produktion werde der Schinken "gestreckt", hieß es damals vom Landeslabor. Kleinere Fleischstücke würden zusammengefügt und dann als großer Schinken verkauft, eine neue Bezeichnung erhalte das Endprodukt aber nicht.

Namhafte Hersteller verkaufen Klebeschinken

Betroffen waren dem ARD-Bericht nach auch Produkte so namhafter Hersteller wie Gutfried, Wiltmann und Berschneider. Möglich wird dieses Verfahren durch das Enzym Transglutaminase, das wie ein Klebstoff Teile von rohem Fleisch zu einem neuen, ganzen Teil zusammenfügt. Anders als in der Schweiz müssen in Deutschland Produkte bislang nicht gekennzeichnet werden, bei denen Transglutaminase als Klebemittel verwendet wird. Als gesundheitsschädlich gilt das Fleisch zwar bislang nicht. Hersteller müssen aber mit Sanktionen wegen Verbrauchertäuschung rechnen.

Quelle: kra/BerlinOnline
(Bilder: Grüne Woche Berlin; dpa)