Obwohl Verbraucher die Lebensmittel-Ampel auf Produkten begrüßen würden, will die EU sie nicht einführen. Dagegen formiert sich nun der Protest.
Fast alle Eltern wissen, dass Limonaden und andere Erfrischungsgetränke sehr viel Zucker enthalten und der Genuss dieser Getränke maßgeblich zu Übergewicht beiträgt. Trotzdem achten über 30 Prozent der Eltern beim Einkaufen nicht auf den Zuckergehalt der Getränke, die ihre Kinder zu sich nehmen.
Das ergab eine Umfrage des AOK-Bundesverbandes und des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Dabei wurden 500 Eltern zum Verzehr von Limonaden ihrer Kinder befragt. 95 Prozent der Eltern wissen demnach um den hohen Zuckergehalt, aber nur knapp ein Viertel schätzte den Zuckergehalt von Cola und Co. richtig ein.
Um den Zuckergehalt eines Getränkes besser zu erkennen, wünschen sich demnach über 90 Prozent der Eltern eine verständliche Kennzeichnung der Getränkepackungen mit Ampelfarben. So können sie mit nur einem Blick den Zuckergehalt eines Getränks erkennen und zuckerärmere Alternativen wählen.
Aufgrund dieser Umfrageergebnisse erneuern der BVKJ und der AOK-Bundesverband ihre Forderung nach einer verpflichtenden Lebensmittelkennzeichnung mit Ampelfarben. "Aus unserer Sicht ist die Ampel eine Warnung und kein Verbot bestimmter Lebensmittel, die Eltern dabei hilft, die richtigen Nahrungsmittel für ihre Kinder auszuwählen.", sagt der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Wolfram Hartmann.
"Denn vor allem in den bildungsfernen Schichten und bei Familien mit Migrationshintergrund wissen Eltern nur selten, was in ihrem Essen wirklich drin steckt an Fett, Salz oder Zucker."
Hilfe gegen Übergewicht
Ähnlich sieht das Jürgen Graalmann, stellvertretender Vorsitzender des AOK-Bundesverbandes: "Bei der Prävention von Übergewicht ist eine verbraucherfreundliche und für alle Menschen leicht verständliche Lebensmittelkennzeichnung wie die Ampel unverzichtbar", so Graalmann und ergänzt: "Ernährungsbedingte Krankheiten verursachen allein in Deutschland Kosten von rund 70 Milliarden Euro jährlich."
Anlaß für das erneute Ampel-Engagement ist eine morgige Sitzung des Europäischen Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit. So soll am 16. März 2010 über einen Entwurf der EU-Kommission über die "Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel" beraten werden. In der aktuellen Fassung würde der Entwurf eine Ampelregelung vollständig ausschließen – auch für Regelungen auf einzelstaatlicher Ebene.
Nach Auffassung von BVKJ und AOK-Bundesverband sollte es den EU-Mitgliedsstaaten aber möglich sein, die Nährwertkennzeichnung einzelstaatlich zu regeln. Denn bundes- und europaweit erhält die Lebensmittel- Kennzeichnung mit Ampelfarben großen Zuspruch aus der Bevölkerung. In einer deutschlandweiten Umfrage aus dem Juli 2009 forderten 69 Prozent der Befragten die Bundesregierung auf, sich für Nährwertangaben mit Ampelfarben einzusetzen.
Laut Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner wird sich die Nährstoffkennzeichnung auf Lebensmitteln demnächst ohnehin ändern. Die Ministerin sagte einer Sonntagszeitung, bisher seien die Nährstoff-Angaben auf Verpackungen größtenteils freiwillig. Künftig werde die Kennzeichnung für alle Lebensmittel aber Pflicht. Dann müssen neben den Kalorien auch der Fettanteil, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker und Salz in absoluten Grammangaben angegeben werden.
Dagegen haben sich inzwischen auch die nationalen Sozialversicherungsorganisationen aus 15 EU-Ländern in den letzten Tagen unter ihrem gemeinsamen Forum ESIP (European Social Insurance Platform) mit einer Stellungnahme für die Ampelkennzeichnung ausgesprochen. Sie vertreten ca. 340 Millionen Versicherte in Europa.
BerlinOnline Stadtportal Gmbh & Co KG
Karl-Liebknecht-Straße 29
D-10178 Berlin
Tel.: 01805 / 80 77 37
Fax.: 01805 / 00 28 97
(Festnetzpreis 14 ct/min; Mobilfunkpreise maximal 42 ct/min)
info@berlinonline.de
Mehr zum Thema