Fitness, Botox, Beauty-Ops: Immer mehr Frauen und Männer laufen verzweifelt einem Schönheitsideal hinterher. Doch schöne Menschen sind gar nicht so beliebt.
Es hört sich gut an: «Ich mache mich für mich schön!» Dummerweise stimmt das häufig nicht. Denn tatsächlich hecheln die meisten Frauen und auch immer mehr Männer einem klar definierten Schönheitsideal hinterher. Das Versprechen dahinter: Wer mitmacht, wird geliebt, ist erfolgreich und glücklich. Dabei mögen wir die Superschönen eigentlich gar nicht.
Attraktivität gilt als Grundvoraussetzung für gesellschaftlichen Aufstieg
Schön sein zu wollen, ist ein Urbedürfnis des Menschen, das sich evolutionsbiologisch erklären lässt. Heute laufen die meisten aber einem Schönheitsideal hinterher, dem sie niemals entsprechen können. Jeder sieht in den Medien Modelkörper - der eigene Körper erscheint dagegen als Mängelwesen, das dringend bearbeitet werden muss. Heute geht es beim Sich-schön-machen gar nicht mehr um Schönheit. Eigentlich möchten sich die Menschen eine Identität erschaffen und in der Gesellschaft positionieren. Wer sich Falten wegspritzen lässt, will damit auch zeigen, dass er im Kopf nicht von gestern ist. Körperliche Attraktivität gilt heute als eine Grundvoraussetzung eines am gesellschaftlichen Aufstieg orientierten Lebens. Wer jung und schlank ist, gelte eher als flexibel, wer natürlich aussieht, eher als glaubwürdig.
Zusätzlich wird in der modernen Gesellschaft davon ausgegangen, dass jeder für das, was er tut, selbst verantwortlich ist. Da es zahlreiche Wege gibt, den Körper zu formen - Fitness-Studios, Kosmetik, Schönheitsoperationen -, hat es jeder selbst in der Hand, sich zu optimieren. Doch was gilt als schön? Es gibt nicht viele verschiedene Schönheitsideale, sondern im Großen und Ganzen eines. Und das laute: schlank, jugendlich, fit und authentisch. Das Schönheitsideal ist gegenwärtig sehr starr. Ein Bundeskanzler wie Helmut Kohl wäre heute kaum mehr vermittelbar.
Zwang zum Make-up
So wird aus der freien Entscheidung, sich schön zu machen, ein Zwang. Trotzdem erklären Frauen in Umfragen immer wieder, dass sie sich für sich zurechtmachen, weil sie sich dann wohler fühlen. Doch woher rührt diese Unehrlichkeit? Das Eingeständnis, sich für andere schön zu machen, kommt für viele einer Bankrotterklärung gleich. Eine weitere Vermutung ist, dass viele das gesellschaftliche Schönheitsbild so verinnerlicht haben, dass sie selbst glauben, ihm aus freien Stücken zu folgen.
Aber stimmt der Zusammenhang zwischen Schönheit, Erfolg und Glück überhaupt? Es gibt Studien, nach denen schöne Menschen mehr Erfolg in der Liebe und im Beruf haben. Dagegen steht, was die Frage des Glücks angeht. Untersuchungen haben gezeigt, dass besonders gut aussehenden Menschen eher negative Charaktereigenschaften zugeschrieben werden. Und etwas schöner als der Durchschnitt zu sein, macht zwar glücklicher, viel schöner zu sein aber offensichtlich nicht.
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