Deutschland droht Teuerungswelle

Geld

Rekordanstieg der Großhandelspreise / Experten erwarten Preisschub bei Brot, Brötchen und Bier / Währungsfonds: Internationale Entwicklung so bedrohlich wie Weltfinanzkrise

BERLIN. Die Verbraucher in Deutschland müssen sich auf eine neue Teuerungswelle einstellen: Die deutschen Großhandelspreise sind im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,1 Prozent gestiegen, meldete am Freitag das Statistische Bundesamt. Das war der höchste Zuwachs seit 26 Jahren, also seit Februar 1982. Damals waren die Großhandelspreise um 8,5 Prozent gestiegen. Ein Anstieg dieser Preise schlägt in der Regel mit Verzögerung auf die Verbraucherpreise durch.

Besonders stark stiegen die Preise für Getreide, Saatgut und Futtermittel. Sie erhöhten sich um 52 Prozent. Doch auch die Preise für Energie und Rohstoffe legten kräftig zu. Experten rechnen nun mit eine Anstieg der Kosten für Grundnahrungsmittel. "Wir erwarten insbesondere bei Getreideprodukten wie Brot, Brötchen und Bier einen signifikanten Anstieg", sagte Martin Schraa von der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) der Berliner Zeitung. Grund dafür seien die vor allem in der zweiten Hälfte 2007 kräftig gestiegenen Weizenpreise.

Der Preisanstieg bei Lebensmitteln ist nach Auffassung des Konjunkturchefs des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Christian Dreger, Folge der weltweit - insbesondere in den Schwellenländern - stark gestiegenen Nachfrage sowie des Rückgangs der landwirtschaftlichen Flächen. Zudem führe der Klimawandel zu immer häufigeren Missernten. Hinzu komme die zusätzliche Angebotsverknappung in Europa durch die Quotenregelung für die Landwirte. "Die Quotenregelung ist nicht mehr zeitgemäß, es wäre deshalb sinnvoll, sie allmählich aufzulösen", sagte Dreger dieser Zeitung. Der starke Preisanstieg könne sich auch negativ auf die Konjunktur auswirken, sagte Dreger. "Dadurch wird die Kaufkraft der Verbraucher geschwächt."

Wegen des starken Wettbewerbs geht der Einzelhandelsverband HDE aber nicht davon aus, dass die höheren Preise voll auf die Endverbraucher abgewälzt werden. Der HDE rechnet sogar mit einer etwas günstigeren Entwicklung im Jahresverlauf. Im März waren die Verbraucherpreise in Deutschland auf Jahressicht noch um 3,1 Prozent gestiegen.

Unterdessen hat der Internationale Währungsfonds den weltweiten Anstieg der Lebensmittelpreise als ebenso großes Problem für die Weltwirtschaft wie die globale Finanzkrise bezeichnet. Nach Schätzungen der Weltbank könnte die weltweite Armut wegen der Preissteigerungen der vergangenen drei Jahre um drei bis fünf Prozent zunehmen. Die jüngsten drastischen Preissteigerungen haben in mehreren Entwicklungsländern Unruhen ausgelöst.

Quelle: Berliner Zeitung