Beim Kauf und Verkauf von Aktien stehen Börsianern unterschiedliche Wege offen.
Mit der Wahl des sogenannten Handelsplatzes entscheidet der Anleger, ob seine Order über die elektronische Xetra-Börse, einen Börsenmakler im Parketthandel oder im Direkthandel abgewickelt werden soll. Welche Variante im Einzelfall am günstigsten ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Denn die aktuellen Kurse einzelner Wertpapiere können an unterschiedlichen Handelsplätzen voneinander abweichen.
Die Spanne ist abhängig vom Handelsvolumen und reicht von null Cent Unterschied pro Aktie bei Dax-Werten bis zu rund 20 Cent bei ausländischen Aktien oder Anteilscheinen von kleineren Unternehmen. Neben Kursdifferenzen spielen aber auch Unterschiede bei der Abwicklung und den Kosten eine Rolle bei der Wahl des Handelsplatzes. Und die sollten Aktienanleger in jedem Fall kennen.
Xetra-Handel. Der elektronische Xetra-Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse ist die volumenstärkste Handelsplattform in Deutschland und wird vor allem von institutionellen Anlegern wie Banken, Versicherungen oder Pensionsfonds genutzt. Vorteilhaft für den privaten Anleger ist, dass aufgrund der elektronischen Abwicklung keine zusätzliche Courtage anfällt. Allerdings verlangen die meisten Anbieter eine zusätzliche Xetra-Gebühr von etwa 1 bis 1,50 Euro.
Die Handelszeiten sind an Börsentagen von 9 bis 17:30 Uhr. Nachteil ist, dass im Xetra-Handel häufig Teilausführungen vorkommen. Je nach Angebot und Nachfrage werden die Aufträge so lange gestückelt, bis sie vollständig abgewickelt sind. Ein Kaufauftrag über 4.000 Euro kann dann beispielsweise in zwei Einzelpakete mit jeweils 2.000 Euro Kaufvolumen aufgeteilt werden. Die Bank berechnet in der Regel nur einmal die Mindestgebühr für die erste Teilausführung und danach nur noch die variable Gebühr von beispielsweise 0,25 Prozent des Kurswertes.
Parketthandel. Der Parketthandel findet unter Einbeziehung von Kursmaklern an den Börsen in Frankfurt, Stuttgart, München, Düsseldorf, Berlin und Hamburg/Hannover statt. Einige Börsenplätze, wie die Börse München, garantieren, dass der Kurs des jeweiligen Wertpapiers mindestens so gut ist wie an der Börse mit dem höchsten Handelsvolumen. Teilausführungen werden nach Möglichkeit vermieden und an der Börse der bayerischen Landeshauptstadt sogar explizit ausgeschlossen.
Zusätzlich zu den Ordergebühren der Bank werden meist Parkettgebühren von 2,50 bis 3 Euro berechnet. Manche Discount-Broker arbeiten nicht mit einer fixen Parkettgebühr, sondern leiten die Gebühren der Handelsplätze direkt an die Kunden durch. Hier sollten Anleger aufpassen, da bei diesen Brokern zum Beispiel bei einer Aktienorder im Wert von 30.000 Euro an der Frankfurter Parkettbörse Zusatzkosten von 13,50 Euro berechnet werden. Zusätzlich verlangen praktisch alle Anbieter eine umsatzabhängige Courtage. Diese liegt jedoch nur bei rund 0,1 Prozent des Umsatzes. Handeln können Anleger an den inländischen Parkettbörsen bis 20 Uhr.
Direkthandel. Die meisten der am häufigsten gehandelten Aktien können auch unter Umgehung der Börse im sogenannten Direkthandel gekauft und verkauft werden. Privat organisierte Handelsplattformen, die zumeist im Besitz von Banken sind, gestalten die Abläufe und stellen die Technik zur Verfügung. Bei Direktbanken wie Comdirect und ING-DiBa ist der Direkthandel mittlerweile die umsatzstärkste Plattform. Im Vergleich zum Xetra- und Parketthandel entfallen hier Xetra- und Parkettgebühr sowie Courtage; Teilausführungen werden weitestgehend vermieden. Mit der Öffnung von 8 bis 22 Uhr bietet der Direkthandel überdies die längste Handelszeit. Nachteilig kann in Einzelfällen die eingeschränkte Aktienauswahl sein, die exotische Titel vermissen lässt.
Fazit: Welche der drei Handelsplattformen für einen geplante Aktienkauf oder -verkauf am günstigsten ist, muss im Einzelfall entschieden werden. Anleger sollten daher stets sowohl die aktuellen Kurse wie auch die Zusatzgebühren der einzelnen Handelsplätze vergleichen. Bei der Orderaufgabe übers Internet wird üblicherweise in der Eingabemaske gleich angezeigt, wie viele Aktien auf den einzelnen Plattformen zum Kauf oder Verkauf angeboten werden. Auf diese Weise lässt sich bereits vor der Ordererteilung feststellen, ob das angebotene Kontingent für die sofortige Erfüllung des Auftrags ausreicht.