Viel Wissen hilft viel
Investmentfonds sind für viele deutsche Anleger noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Wie wenig sie über diese Form der Geldanlage mitunter wissen, brachte jüngst eine Studie von TNS Infratest im Auftrag des Finanzkonzerns Axa Investment Managers ans Licht: So glauben 48 Prozent der Deutschen, dass Rentenfonds für die Absicherung der gesetzlichen Renten sorgen und sogar 53 Prozent, dass offene Immobilienfonds baufällige Gebäude kaufen, diese renovieren und dann zu einem höheren Preis weiterverkaufen.
Beides ist natürlich falsch, und vermutlich führen manche der irrigen Vorstellungen dazu, dass lediglich 14 Prozent der Befragten 50.000 Euro in einen Fonds, aber mit 33 Prozent mehr als doppelt so viele ihr Geld lieber auf einem Sparbuch anlegen würden. Dies wäre jedoch ebenso grundverkehrt. Unabhängige Experten raten dazu, Fonds deutlich stärker als bisher zur privaten Vorsorge zu nutzen. Tatsächlich dürften Anleger, die die hinter den Siegeln verborgenen und oft simplen Weisheiten kennen, ihre Renditen mit Fonds erheblich steigern.
Erste Weisheit: Ein Fonds muss zum Anlagehorizont des Anlegers passen. Konkret: Geld, das bereits in wenigen Jahren wieder zur Verfügung stehen soll, hat nichts in stark schwankenden Produkten wie einem Aktienfonds verloren. Umgekehrt verschenken Vorsorgesparer, die 15, 20 oder noch mehr Jahre vom geplanten Ruhestand entfernt sind, mit Geldmarkt-, Renten- und Immobilienfonds unnötig Rendite. Über derart lange Zeiträume haben global investierende Aktienfonds in der Vergangenheit im Durchschnitt immer am besten abgeschnitten – selbst dann, wenn der Kauf zu einem ungünstigen Zeitpunkt erfolgte.
Zweite Weisheit: Je breiter ein Fondsdepot gestreut ist, desto besser. Das gilt sowohl in Verbindung mit Weisheit Nummer eins – für jedes Anlageziel die richtige Fondsart – als auch für das langfristige Vorsorgesparen. Aber nicht alle gängigen Investmentstile funktionieren zum selben Zeitpunkt gleich gut. Wer etablierte und langfristig überdurchschnittlich erfolgreiche Produkte mit unterschiedlicher Strategie (Dividendenfonds, Substanzwertefonds, Wachstumswertefonds etc.) mischt, reduziert automatisch die Schwankungen seines Depots.
Dritte Weisheit: Auch kleine Schritte führen zum Ziel. Vorsorgesparer sollten deshalb per Dauerauftrag jeden Monat einen festen Betrag in globale oder zumindest europäisch ausgerichtete Aktienfonds einzahlen. Zum einen umgehen sie damit die Gefahr, ihr Vorhaben angesichts kurzfristig wichtigerer erscheinender Ausgaben aus den Augen zu verlieren. Zum anderen nutzen sie so automatisch das Auf und Ab der Börse für ihre Zwecke: Bei hohen Kursen kaufen sie weniger, bei niedrigen Kursen mehr Anteile.
Vierte Weisheit: Ein gesundes Misstrauen gegenüber Trendprodukten vermeidet Enttäuschungen. Häufig kommen auf ein bestimmtes Investmentthema wie Technologie, Rohstoffe oder Klimawandel fokussierte Fonds zu einem Zeitpunkt auf den Markt, an dem der Höhepunkt der positiven Entwicklung bereits überschritten ist, und es folgt eine Phase mit eher unterdurchschnittlichen Ergebnissen.
Fünfte Weisheit: Jeder Gebührenposten schmälert die Rendite. Das gilt für den Fondskauf (viele Top-Produkte sind mit bis zu 100 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag erhältlich) und die Verwahrung, aber auch für die internen Kosten. Eine wichtige Kennzahl in diesem Zusammenhang ist die Total Expense Ratio (TER): Sie misst die Gesamtkostenbelastung und sollte bei breit streuenden Aktienfonds Werte von 1,3 bis 1,6 Prozent nicht überschreiten. Wichtig: Für Langfristanleger verzichtbare Leistungen wie eine Kapitalgarantie gehen ebenfalls
zu Lasten der Rendite.
Sechste Weisheit: Steuern zu sparen macht nicht den entscheidenden Reiz der Fondsanlage aus. Investmentprodukte, bei denen dieser Gedanke im Vordergrund steht, sind häufig wenig flexibel und fast immer teurer als vergleichbare Angebote ohne Steuervorteil. Grundsätzliche und unabhängige Informationen dazu gibt es unter anderem von den Verbraucherzentralen, individuellen Rat beim Steuerberater.
Siebte Weisheit: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Mindestens einmal im Jahr sollte jeder Anleger prüfen, wie sich seine Fonds entwickelt haben – ohne danach in übertriebenen Aktivismus zu verfallen. So wäre zwar ein Managerwechsel mit anschließendem Leistungstief ein Verkaufsgrund, eine vorübergehende, dem Investmentstil geschuldete Performanceschwäche jedoch nicht. Ebenfalls regelmäßig auf den Prüfstand – und hier schließt sich der Kreis zu Weisheit Nummer eins – gehören die eigenen Ziele und Horizonte: Je näher zum Beispiel der Ruhestand rückt, desto niedriger sollte der Aktienanteil des Depots ausfallen.