So finden Sie den richtigen Anlageberater
In der aktuellen Finanzkrise haben viele Privatanleger Geld verloren, weil ihnen Anlageprodukte nicht selten völlig am persönlichen Bedarf vorbei verkauft wurden. Dafür gibt es eine simple Erklärung: Die Empfehlung der Berater wird in der Regel allein vom Provisionsinteresse bestimmt. Schützen vor solch unliebsamen Erfahrungen kann sich nur, wer seine Anlagegeschäfte selbst in die Hand nimmt. Oder wer Beratern genau auf die Finger schaut.
Ein wichtiger Anhaltspunkt für deren Qualität sind dabei die Fragen, die die Geldexperten dem Kunden im Beratungsgespräch stellen. Um vier Auskünfte kommt dabei kein Berater herum, der es mit der Beratung wirklich ernst meint:
1. Was ist das Anlageziel?
Wer einen Weg weisen will, muss wissen, wo es hingehen soll. Deshalb muss die erste Frage an den Kunden natürlich das Ziel erfassen, das mit einer Anlage verfolgt werden soll. Denn ob kurzfristige Anlage größerer Beträge, langfristiges Sparen für die Altersvorsorge oder der Aufbau von Eigenkapital für die eigenen vier Wände: Unterschiedliche Absichten erfordern unterschiedliche Lösungen.
2. Welche Anlagen und wie viel Erfahrung hat der Kunde?
Anlageberatung sollte Maßarbeit sein. Schließlich zahlt der Kunde dafür versteckt per Abschlussprovision oder offen per Beratungshonorar. Maßnehmen sollte der Berater dadurch, dass er sich ein klares Bild über die Vorerfahrungen des Anlegers, das bereits vorhandene Geldvermögen sowie dessen Struktur verschafft. Hat dieser bisher ausschließlich in absolut sichere Anlagen investiert, wird er kaum plötzlich zum
Börsenzocker. Interessiert sich ein Berater wenig für das Anlegerprofil, besteht die große Gefahr, dass spätere Empfehlungen die falsche „Konfektionsgröße“ haben.
3. Sind noch Schulden zu tilgen?
Auch die Frage nach bestehenden Kreditverpflichtungen gehört zum Standard eines guten Anlageberaters – ist doch die Schuldentilgung die beste Geldanlage. Besteht noch eine Kontoüberziehung oder läuft noch ein Autokredit, macht es in der Regel wenig Sinn, gleichzeitig Geld auf die hohe Kante zu legen. Zumal die Tilgung fast immer die höchsten Anlagerenditen verspricht, nämlich in Höhe des effektiven Kreditzinssatzes – und das sogar noch steuerfrei. Lassen sich die Schulden nicht sofort zurückzahlen, wie etwa bei einer Baufinanzierung mit fester Laufzeit und fehlender Sondertilgungsoption, sollte das Geld immer so angelegt werden, dass es zum nächstmöglichen Tilgungstermin verfügbar ist.
4. Welche Risiken will der Kunde eingehen?
Höhere Ertragschancen gibt es nur gegen ein höheres Anlagerisiko. Die Aufgabe eines guten Beraters muss es daher sein, beim Kunden auszuloten, ob er bei der Anlage ganz auf Nummer sicher gehen will oder er bereit ist, für ein Mehr an Ertrag auch bestimmte Risiken in Kauf zu nehmen. Damit der Kunde weiß, worauf er sich im Ernstfall einlässt, ist die genaue Erläuterung der konkreten Gefahren natürlich unerlässlich. Berater, die hier schludern, verstoßen nicht zuletzt gegen ihre gesetzlichen Beratungspflichten.
Fazit: Anlageberatern, die ihre Empfehlung aus der Schublade ziehen, ohne vorher die Erfahrungen und Wünsche des Kunden detailliert erfragt zu haben, sollten Anleger nicht über den Weg trauen. Aber auch, wenn die Abfrage korrekt läuft, empfiehlt es sich, den Inhalt des Gesprächs und dessen Ergebnis zur Sicherheit festzuhalten. Eine Checkliste mit Beratungsprotokoll bietet das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf seiner Homepage an: www.bmelv.de, Stichwortsuche „Beratungsprotokoll“.
Quelle: DiBa Presseservice