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Rechtzeitig an die Altersversorgung denken
27 Jahre lang einen Durchschnittslohn verdienen - das bringt nach heutigem Stand eine Rente gerade einmal auf dem Niveau des Existenzminimums ein. Foto: Stephan Scheuer © dpa

Rente: Private Altersvorsorge lohnt meist nur mit hohen Beiträgen

Selbst mit einem mittleren Einkommen werden viele Bundesbürger gerade mal die Mindestrente erreichen. Doch private Vorsorge können sie sich oft nicht leisten.

Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis: Ein Durchschnittsverdiener von heute muss gut 27 Jahre arbeiten, um wenigstens eine Rente auf Sozialhilfenniveau zu bekommen. Im Jahr 2035 werden es schon 35 Jahre sein. Wer weniger als der Durchschnitt von derzeit etwa 2600 Euro monatlich verdient, wird noch deutlich länger in die Rentenkasse einzahlen müssen, um im Ruhestand allein mit der gesetzlichen Rente auf das Existenzminimum zu kommen.

Auch mittleres Einkommen bringt nur Mindestrente

Millionen Betroffene müssten «mit dem Tag des Renteneintritts den Gang zum Sozialamt antreten» - wenn sie nicht zusätzlich privat fürs Alter vorsorgen, schlug Arbeitsministerin Ursula von der Leyen Anfang September schlagzeilenträchtig Alarm. Mit ihren Zahlen schreckte die CDU-Politikerin die Republik auf: Wer 2700 Euro brutto verdient, bringt es nach 35 Berufsjahren im Jahr 2035 zu heutigen Werten gerade einmal auf 743 Euro Rente, bei einem Monatseinkommen von 2900 Euro sind es auch nur 798 Euro.

Renten steigen seit Jahren langsamer als die Löhne

Dass die Rente am unteren Ende besonders massiv bröckelt, ist der Demografie, den Änderungen am Arbeitsmarkt und vielen Rentenreformen zu verdanken. Viele Menschen haben gebrochene Erwerbsbiografien, sind arbeitslos oder nur befristet beschäftigt, häufig in Leiharbeit oder in Minijobs. Hinzu kommt in Zeiten der Globalisierung der generell zunehmende Druck auf die Löhne. Und: Die Renten steigen seit Jahren langsamer als die Löhne. Die Folge: Wer wenig verdient, zahlt wenig ein, erhält später wenig Rente. Ein Teufelskreis.

Immerhin gelten knapp 8 Millionen Menschen in Deutschland als Niedriglohnbezieher: Sie verdienen weniger als brutto 9,15 Euro in der Stunde oder 1600 Euro im Monat. Ihr Anteil wuchs von 17,7 Prozent der Beschäftigten im Jahr 1995 auf 23,1 Prozent im Jahr 2010. Damit gehört Deutschland zu den OECD-Ländern, in denen in den letzten 15 Jahren Niedriglohnbeschäftigung am stärksten zunahm, so das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen.

Riester-Rente als dritte Säule der Alterssicherung

Nicht erfüllt hat sich bislang die Hoffnung, dass die große Mehrheit der Bundesbürger zusätzlich fürs Alter vorsorgt, um die größer werdende Kluft zwischen Erwerbseinkommen und gesetzlicher Rente zu überbrücken. 19,6 Millionen Bundesbürger haben Anspruch auf eine zusätzliche Betriebsrente. Daneben gibt es noch 16 Millionen Verträge für eine Riester-Rente. Die gilt als dritte Säule der Alterssicherung.

Denn die Menschen, die am stärksten von Altersarmut bedroht sind, sorgen am seltensten vor. So zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, dass nur 17 Prozent der Hartz-IV-Empfänger in eine private Altersvorsorge einzahlen. In der Gesamtbevölkerung lag der Anteil bei 48 Prozent, bei Geringverdienern immerhin bei 35 Prozent. Weil sie nicht genug Geld haben, meinen Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände.

Deutsche glauben nicht mehr an private Rentenvorsorge

Weil die Betroffenen glauben, dass sich Vorsorge für sie nicht lohnt, meint dagegen die Arbeitsministerin. Und sie wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass eine geringverdienende Alleinerziehende mit zwei Kindern schon bei monatlich 5 Euro Eigenbeitrag 63 Euro an staatlicher Förderung erhalten kann - wenn sie will.

Eine neue Studie der Postbank rundet das Bild ab: Danach wollen 42 Prozent der Berufstätigen ihre private Altersvorsorge nicht mehr ausweiten. Sie glauben, dafür schon genug getan zu haben. Investierten sie 2005 noch im Durchschnitt 204 Euro im Monat, waren es zuletzt aber nur noch 185 Euro.

680 Euro pro Monat für die Altersvorsorge

Dabei müssten heute 42-Jährige nach neuen Berechnungen- je nach Einkommen bei Sparbeginn erst jetzt- zwischen 100 und 680 Euro monatlich zurücklegen, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Nur wer von dieser Altersgruppe mit dem Sparen schon bei Berufseintritt begonnen hat, kommt mit monatlich 50 bis 460 Euro aus.

Deutschland ist zwar das Land mit einer der höchsten Sparquoten weltweit. Laut Postbank-Studie betrachten aber nur 24 Prozent der Befragten die Riester-Rente als «ideale Form der Alterssicherung». Fünf Jahre zuvor waren es noch 31 Prozent. Für einen angenehmen Lebensabend setzen dagegen schon 25 Prozent vorzugsweise aufs Erben.

Quelle: dpa
(Bilder: dpa)