Kinder bringen es heutzutage lokcer auf 37-Stunden-Woche. Dadurch geht den Kindern für ihre Entwicklung wichtige Freizeit verloren, so der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, Holger Hofmann, im Interview.
Hofmann: «Ja. Wir erleben durch die verkürzte Gymnasialzeit, dass Schüler das gestrichene Jahr nicht so einfach kompensieren können. Sie werden durch ihre Lehrer angehalten, noch mehr für die Schule zu tun. Trotz Ganztagsunterricht hat die Zeit für Hausaufgaben und das Vorbereiten für Arbeiten nicht abgenommen.»
Hofmann: «Kinder wünschen sich nach wie vor am meisten, ihre Freunde zu treffen und draußen zu spielen. Aber dafür bleiben inzwischen nur noch 15 Stunden in der Woche übrig. Das ist wenig. Und es ist schade, weil Kinder dabei viele soziale Kompetenzen lernen.»
Hofmann: «Kinder erfahren heute ganz ähnliche Dinge wie Erwachsene: Sie bewegen sich in vielen Netzwerken, in realen, aber auch im Internet bei Facebook oder Youtube. Und es fehlt ihnen die Zeit, das alles zu verarbeiten. Also auch mal zu träumen oder Gedanken nachzuhängen. Dadurch entsteht Stress.»
Hofmann: «Jedes vierte Kind berichtet, dass es online Opfer von Cybermobbing geworden ist - also von Hänseleien im Netz oder per Handy. Das macht vielen Kindern Angst, weil sie oft gar nicht wissen, von wem diese Attacke ausgeht. Kinder filmen heute auch Gewalttaten und stellen sie ins Netz. Für die Unterlegenen wird das Erlebte dadurch noch verstärkt.»
Hofmann: «Viele Kinder sind auf der Suche nach Antworten, vor allem bei den Themen Gewalt, Drogen und Sexualität. Unsere Umfragen zeigen, dass sie diese Antworten auch in der Schule haben wollen. Aber die Schulen tun sich schwer. Es fehlt oft an Fortbildungen für Lehrer. Und es fehlt auch die Zeit, Fragen oder Konflikte in der Klassengemeinschaft aufzuarbeiten.»
Hofmann: «Kinder sind Teil unserer Gesellschaft. Wir alle erleben einen wachsenden Druck. Wir fühlen uns oft als Teil eines Räderwerks, in dem wir immer früher dafür verantwortlich sind, was aus uns wird. Das ist neu. Es schafft mehr Verunsicherung - auch bei Kindern.»
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