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Navigon
Wer nur navigieren kann, hat schon verloren. © dpa

Navis der Zukunft entwickeln sich zu Multitalenten

Montag, 16. Januar 2012 15:44 Uhr

Erst das Handy nun das Navi: Fotos, Infos und Reiseführer - hauptsache alles in einem Gerät.

Sie suchen die günstigste Tankstelle, erzählen die Geschichte von Sehenswürdigkeiten und reservieren schon unterwegs ein Hotel am Zielort: Navis werden immer mehr zu Multitalenten.

«Navigationssysteme können heute viel mehr, als nur von Ort A zu Ort B zu lotsen», sagte Sarah Schweiger, Sprecherin des Anbieters TomTom.

Aktualisierung im Drei-Minuten-Takt

Die Techniken hinter den neuen Annehmlichkeiten heißen Live Services oder nüLink!, das Prinzip ist immer dasselbe: Eine SIM-Karte in den Geräten ruft Informationen ab - zum Beispiel die Verkehrslage auf der Strecke. Und das wesentlich öfter, als es die bisherige Technik TMC tat, erklärt Schweiger: «Jetzt werden die Daten alle drei Minuten aktualisiert, bei TMC geschah das alle 20 bis 30 Minuten.»

Die Übertragung funktioniert laut Garmin-Produktmanager Olaf Meng überall dort, wo das Handy minimalen Empfang hat. Außer in Deutschland können Nutzer die Online-Dienste auch in einigen westeuropäischen Ländern abrufen.

Garmin Schlichte Optik und massig Technik: Das nüvi 1690 von Garmin kommt inklusive Online-Telefonbuch. © dpa

Informativer denn je

Immer mehr Informationen können sich Autofahrer so immer schneller in den Wagen holen: Käufer des neuen nüvi 1690 von Garmin können im Online-Telefonbuch zum Beispiel die Adresse von Bekannten suchen, TomTom bietet über seine Live-Services aktuelle Benzinpreise der Tankstellen in der Umgebung an.

Und wer Navigons Premiummodell 8450 Live sein Eigen nennt, kann nachschauen, welches Parkhaus am Zielort freie Stellplätze hat. Auch die Position von Radarmessgeräten lässt sich anzeigen - eine rechtliche Grauzone, wie mehrere Firmensprecher zugeben. Deswegen sei dieses Feature auch nicht vorinstalliert.

Digitaler Reiseführer

Mit den Zugriffen auf Millionen von POIs - «Points of Interest» - in Online-Datenbanken wird das Navigationsgerät zum Reiseführer. Die Nutzer können unterwegs Hotels, Museen, Geschäfte oder Restaurants suchen.

Dafür müssen sie nur über eine Touchpad-Tastatur das Suchwort eingeben, wie sie es von der Internetsuche zu Hause gewohnt sind. Mit den Suchergebnissen werden nicht nur die Adressen und Telefonnummern angezeigt, sondern auch Bewertungen der Google-Nutzer.

Bisher sind die online abrufbaren Daten auf die Datenbank der Google Local Search beschränkt. Über einen echten Internetbrowser verfügen die Geräte nicht, wie Olaf Meng erklärt. Deshalb können Nutzer zum Beispiel zwar sehen, wo in der Nähe sich Kinos befinden - aber nicht, wann dort welche Filme zu sehen sind.

Merian scout Mit dem Navi-Reiseführer von Merian scout gibt es auch Bilder und Infos zu den Sehenswürdigkeiten. © dpa

Fotos und Vorlesefunktionen

Manchem Reisenden reichen aber möglicherweise schon die vorinstallierten Informationen zu den POIs. Denn diese werden immer ausführlicher und multimedialer. Wer zum Beispiel Navi-Reiseführer von Merian scout auf seinem Navi installiert hat, kann Beschreibungen und Fotos zu POIs abrufen.

Auf Geräten von TomTom und Garmin gibt es nach Angaben der Hersteller sogar eine automatische Vorlesefunktion: Fährt der Nutzer auf eine Sehenswürdigkeit zu, beginnt ein Vortrag. Wen die Erklärungen nerven, der könne sie natürlich ausschalten, sagt eine Merian-scout-Sprecherin.

Gebrauch abseits der vier Räder

Auch nach dem Abstellen des Autos sollen die Navis zuverlässig durch die Stadt führen. Dank neuer Energiesparfunktionen könnten sie bis zu vier Stunden lang im Fußgänger- oder Radfahrermodus genutzt werden, sagt Meng.

Dabei werden auch kleine Gassen und Fußwege angezeigt. Manche neuen Navigon-Modelle haben zudem einen elektronischen Kompass, um die Orientierung zu Fuß zu erleichtern.

Navigation mal anders

Damit der Flaneur auf dem Rückweg nicht lange seinen Wagen suchen muss, hat Navigon in seine neuen Modelle außerdem die Funktion «Zielgerade» eingebaut: Das Gerät speichert nach dem Parken automatisch die Position des Wagens. Auf dem Rückweg muss der Fahrer nur das Ziel «Mein Fahrzeug» aufrufen und kann entspannt zum Hotel zurückfahren. Sein Zimmer hat er ja schon unterwegs gebucht.

Quelle: dpa
(Bilder: StVO; Schierenbeck/dpa; Hertha BSC)