Montag, 16. Januar 2012 13:35 Uhr
Mit der Bluetooth-Freisprechanlage telefoniert man mit dem Handy im Auto, ohne die Hände vom Steuer zu nehmen- aber die Technik hat ihre Tücken.
Eine Bluetooth-Freisprechanlage im Auto ist eine feine Sache. Zum Telefonieren kann das Handy bei aktiviertem Funkmodus in der Jacke oder im Handschuhfach bleiben, während ein- und ausgehende Gespräche automatisch geschaltet werden. Oft ist das aber nicht möglich, weil die Bluetooth-Profile der Geräte nicht kompatibel sind. Die Freisprechanlage reagiert dann nicht. Auch sind Komfortfeatures wie Sprachwahl und Zugriff aufs Handy-Telefonbuch nicht möglich, wenn es mit dem Datenaustausch nicht klappt.
Bluetooth ist ein Übertragungsstandard für den drahtlosen Datentransfer im Nahbereich, erläutert die Bluetooth Special Interest Group (SIG). Das ist ein Zusammenschluss führender Anbieter von Bluetooth-Technologien. Bluetooth sei eine Spezifikation, «die Hersteller in ihre Produkte integrieren», erklärt der Verband. Wie das im Einzelnen erfolgt, sei den Firmen überlassen.
Häufig treten Probleme beim Datentransfer via Bluetooth auf. Meist liegt es an den Geräten, die in den Fahrzeugen eingebaut sind, weniger an den Handys. Grund für den Ärger sind unterschiedliche Entwicklungs- und Produktionszyklen der Auto- und Handy-Hersteller: Die Autobauer hinken der schnelllebigen Telekommunikations- und IT-Branche hinterher. Immerhin dauert es in der Regel sieben Jahre, bis ein neu auf den Markt gebrachtes Fahrzeugmodell von einem Nachfolger abgelöst wird. In dieser Zeit sind bereits mehrere Handy-Generationen vom Markt verschwunden.
Hinzu kommt, dass die Autobauer sämtliche Elektronikkomponenten aufwendig auf Herz und Nieren testen müssen. Schließlich dürfen diese unter keinen Umständen die Sicherheitstechnik des Autos stören. Die Entwicklung bei Handy-Firmen erfolgt unabhängig davon und ist sehr viel schneller. Wenn bei einer Automarke neue Multimedia-Technik verfügbar ist, ist diese oft schon Jahre alt, während das brandneue Smartphone aktuellste Technik enthält. Das kann auch auf die verwendete Bluetooth-Technologie zutreffen.
Um zwei Geräte miteinander via Bluetooth zu verbinden, müssen beide Geräte dasselbe Profil aufweisen. «Durch Profile werden die möglichen Anwendungsbereiche definiert», erläutert die SIG. Das seien «allgemeine Verhaltensregeln», welche die Kommunikation der Endgeräte ermöglichen. Bei der Kommunikation zwischen Handy und Freisprecheinrichtung müsse zum Beispiel das Freisprech-Profil HFP- das sogenannte Hands-Free-Profile - in beiden Geräten vorhanden sein. Ist das nicht der Fall, schlägt der Verbindungsversuch fehl.
«Es gibt sehr viele Untervarianten der Profile», sagt ADAC-Experte Schmaler. Diese stimmten zwischen Handy und Fahrzeug nicht immer überein, was unterschiedliche Auswirkungen haben kann: So könne zwar durchaus der Verbindungsaufbau über die Freisprecheinrichtung funktionieren, der Zugriff aufs Handy-Telefonbuch aber nicht.
Eine weitere Ursache für Verbindungsprobleme können Fehler beim sogenannten Pairing sein. Denn zwei Bluetooth-Geräte können erst dann drahtlos miteinander kommunizieren, wenn sie gekoppelt wurden. Dabei tauschen sie geschützte Schlüssel aus, damit sich die Daten anschließend verschlüsselt übertragen lassen. Sie gelangen dann nur zu denjenigen Geräten, die beim Pairing benannt wurden.
Dieser einmalige Vorgang muss jedoch fehlerfrei erfolgen. Bei Problemen sollte man das Pairing wiederholen. Mögliche Fehlerquellen sind laut der SIG nicht sichtbar geschaltete Geräte - denn Bluetooth-Mobiltelefone lassen sich «unsichtbar» machen und werden somit von anderen Bluetooth-Geräten nicht gefunden - oder schlichte Tippfehler bei der Passwort- oder PIN-Eingabe.
Nach den Erfahrungen von Oliver Stauch vom Fachmagazin «connect» tauchen Bluetooth-Probleme vor allem dann auf, wenn Autofahrer ein altes Handy in einem neuen Auto oder ein neues Handy in einem alten Auto benutzen wollen. «Mit etwas Glück gibt es ein Software-Update vom Autohersteller», nennt Stauch eine Lösung für Koppelungsprobleme. Oder man besorge sich eine aktualisierte Handysoftware.
Vielleicht hilft es auch, einfach ein anderes Mobiltelefon in seinem Auto auszuprobieren. Zur Not bestückt man für das Telefonieren während der Fahrt eben den alten Handy-Knochen mit einer zweiten SIM-Karte und nimmt es hin, dass das neue Smartphone samt schicker Komfortfeatures unterwegs ausgeschaltet bleiben muss.
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