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Mattlacke bei Autos
Neuer Trend: Matte Autolacke. © dpa

Autolacke: Matt ist wieder modern

Dienstag, 17. Januar 2012 17:49 Uhr

Sie provozieren Streichelszenen und sorgen für Aufmerksamkeit: Noch sind Mattlacke ein teures Extra- und extrem gefragt.

Ob BMW, Mercedes oder Smart - bei immer mehr Modellen setzen Autobauer beim Autolack auf matt statt glänzend.«Matte Lacke sind gerade sehr aktuell», sagt Susanne Spatz, Sprecherin bei BMW. «Die Nachfrage steigt kontinuierlich und wir sehen sie vermehrt im Straßenbild.»

BMW bietet schon seit einem Jahr seine Sportlimousine M3 auf Kundenwunsch auch im matten Kleid an - wahlweise in den Farbtönen «Frozen Black» oder «Frozen Grey». «Die Nachfrage übersteigt im Moment unsere Kapazität», sagt Spatz.

Mercedes setzt auf matt

Auch bei Daimler experimentieren die Designer seit einiger Zeit mit den stumpf anmutenden Lacken. Als erstes verpasste Giorgio Armani 2003 dem Mercedes CLK eine mattgraue Haut. Es folgten Versuche mit der G-Klasse und dem Roadster SLK.

Der Supersportwagen SLS AMG hat bereits zwei silberne Matttöne im Lackfächer. Den kleinen Smart gibt's seit September im matten Hellgrün. Und 2011 bringen die Stuttgarter eine Sonderedition des Coupés CLS auf den Markt - ausschließlich mit Mattlack.

"Etwas Besonderes für expressive Kunden"

«Matte Lacke sind ein ganz spannendes Thema und eröffnen uns neue Horizonte», sagt Martin Bremer, Leiter der Abteilung Farben und Ausstattung bei Mercedes. Viele Autofahrer wollten sich - ähnlich wie mit ihrer Kleidung - mit ihrem Fahrzeug mitteilen.

«Weil aber seit ein paar Jahren bunte Farben nicht mehr en vogue sind, sind auch die Möglichkeiten, aufzufallen, zurückgegangen. Für uns ist es deswegen wichtig, für expressive Kunden noch etwas anderes zu haben, etwas Besonderes.»

Matt galt lange als billig

Das sind Mattlacke allemal. «Sie fallen auf der Straße sofort auf, weil sie noch so selten sind», sagt Helmut Staubach, Professor für Product und Transportation Design an der Weißensee Kunsthochschule Berlin. Das liege vor allem daran, dass die Autobauer davon lange Zeit nichts wissen wollten.

«Matte Lacke sind vom Militär besetzt», sagt Staubach. «Außerdem haftete ihnen das Image billig an. So in der Art: ich hab mein Auto selbst gestrichen.»

Glänzende Lacke standen dagegen für Präzision und Eleganz. «Die Hersteller haben nun erkannt, dass matte Lacke das auch erfüllen können», sagt Staubach. «Weil es bei ihnen keine Reflexe gibt, sich nichts spiegelt, müssen die Formen präziser sein.»

Matte Lacke eignen sich für sportliche Modelle

Alfa Romeo © dpa

Bei Mercedes schätze man vor allem das Kühle und Technische, das matte Lacke ausstrahlen, sagt Lackspezialist Wolf-Dieter Hacker. Deshalb seien sie vor allem für sportliche Modelle geeignet. «Mattlack verführt zum Anfassen», sagt Designer Bremer. «Bei Präsentationen kommt es immer wieder zu Streichelszenen.»

Unempfindlich gegenüber Staub

Angst vor Fingerabdrücken müssen die Besitzer nicht haben. «Matte Autos sind gegenüber Staub und Fingerabdrücken deutlich unempfindlicher als die Hochglanzlackierten», sagt Andrea Rump von BASF Coatings, einem der weltweit größten Autolackehersteller.

Um den Matteffekt zu erzielen, mischt man dort Klarlack, der auch bei glänzenden Autos zum Einsatz kommt, mit einem Mattierungsmittel, das im Rohzustand feinem Mehlstaub gleicht.

Matt-Look nur gegen Aufpreis

Neben der Herstellung gilt auch die Verarbeitung von matten Lacken als aufwendig. Und das hat dann auch seinen Preis: Autos im Matt-Look sind bisher nur gegen Aufpreis erhältlich.

Quelle: dpa

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(Bilder: StVO; Schierenbeck/dpa; Hertha BSC)