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Duftprobe
Das richtige Näschen für den Autoduft: Mercedes ließ für den Maybach einen eigenen Duft kreieren. © dpa

Auto-Hersteller feilen am perfekten Ambiente

Montag, 16. Januar 2012 15:45 Uhr

Duftspender, Lichtorgeln und Lufterfrischer: Hersteller schicken Autofahrer zukünftig auf eine Reise für die Sinne.

Man lässt sich fallen in weiche Sessel, die Landschaft zieht vorbei wie im Film. Dazu trägt eine leichte Wolke süßen Dufts aus einer Glaskugel die Insassen in eine Traumwelt aus 1001 Nacht.

Maybach Zeppelin: Wunderbaum auf vier Rädern

Solchen Komfort werden nur jene 100 Kunden erleben, die den Maybach Zeppelin ordern und zum Kaufpreis ab 483.000 Euro noch einmal rund 5000 Euro für den teuersten Wunderbaum der Welt samt eigener Duftwässer investieren. Doch das ist nur der Gipfel einer Reihe von Genüssen, mit denen die Autohersteller ihre Kunden auch in bodenständigeren Autos besser entspannen wollen.

Perfektes Ambiente und maximaler Komfort

Denn auf der Suche nach neuen Ideen für den Innenraum rückt zusehends das perfekte Ambiente in den Mittelpunkt. Ging es den Entwicklern bislang vor allem um Ergonomie und Komfort, wollen sie nun mit Licht, Luft und Duft Einfluss auf das Befinden der Insassen nehmen und so deren Wohlgefühl steigern.

Parfümspender: Aspirin für Autofahrer

Parfümspendern komme dabei eine besondere Bedeutung zu, sagt Isabelle Burdel. Sie ist Parfümeurin in der französischen Duftmetropole Grasse und lobt den Geruch als schärfsten Sinn des Menschen: «Wenn wir ihn beeinflussen, beeinflussen wir auch die Stimmung und das Unterbewusstsein.»

Mit dem richtigen Parfüm könne man zum Beispiel Geborgenheit und ein Gefühl der Ruhe erzeugen. «Aber man kann einen Autofahrer auch anregen wie mit einem Energydrink oder ihn von der Hektik Manhattans zurück in den Provence-Urlaub zaubern.»

Licht, Luft und Duft bei BMW Tür auf, Spot an: BMW experimentiert mit unterschiedlichen Licht-Szenarien. © dpa

Beduftungsanlagen und Verdampfer auf Erfolgskurs

Vor diesem Hintergrund steht Autofahrern eine zunehmende Anzahl von Beduftungsanlagen zur Verfügung - von der Luxus-Variante im Maybach über den bodenständigen Verdampfer im Fiat 500, Peugeot 207 oder Citroën C4 bis zum Wunderbaum von der Tankstelle.

Opel-Entwickler Frank Leopold kann sich den Einsatz von Duftstoffen «für mehr Wellness im Wagen» vorstellen. Auch Maybach-Produktmanager Patrick Marinoff gibt sich zuversichtlich: «Nicht ganz so aufwendig präsentiert und wahrscheinlich auch nicht ganz so teuer, werden wir solche Lösungen demnächst auch in Mercedes-Modellen sehen.»

Nissans Wald-Klimaanlage mit Luftströmung

Die Entwickler von Nissan sind auf diesen Zug bereits aufgesprungen. In ihrem japanischen Topmodell Fuga, das 2010 als Infiniti M-Serie auch nach Europa kommt, haben sie die «Wald-Klimaanlage» eingeführt. «Im Wald fühlt sich der Mensch in der Regel am wohlsten», sagt Entwickler Yuzuru Yoshinami und präsentiert zwei Duftspender, aus denen es nach Holz und Laub riecht.

Sie werden in die Klimaanlage integriert und sollen den Innenraum in eine Lichtung verwandeln. Um diesen Eindruck zu stützen, arbeiten die Ingenieure zudem mit der Luftströmung: «Ein Zufallsgenerator erzeugt eine feine Briese, die ständig variiert wird. So wähnt man sich immer draußen, ohne sich an die frische Luft zu gewöhnen.»

Wohlfühl-Atmosphäre: Beleuchtung im und am Auto

Neben Luft und Duft nutzen die Entwickler zunehmend auch das Licht, um bestimmte Stimmungen an Bord zu erzeugen. Schon jetzt schaltet etwa beim Opel Insignia OPC die Instrumentenbeleuchtung von Weiß auf Rot, wenn der Fahrer den Sportmodus wählt.

Beim Mini kann er die Farbe stufenlos von Blau in Rot dimmen, bei Luxuslinern wie dem 5er GT von BMW oder der S-Klasse von Mercedes sorgen Lichtleiter nachts für eine kuschelige Atmosphäre. Und für das Coupé des Rolls-Royce Phantom bietet die britische Nobelmarke für den Preis eines Kleinwagens sogar einen Sternenhimmel mit 1600 LEDs im Dach an.

Licht, Luft und Duft bei BMW Auswahl neuer Materialproben: Entwickler achten dabei auch darauf, wie die Stoffe bei Lichteinfall wirken. © dpa

Mit dem richtigen Licht in die richtige Stimmung

«Der Beleuchtung im und am Fahrzeug kommen in Zukunft deutlich mehr Aufgaben zu, als nur die der erhellenden Funktion», sagt Hans-Peter Bailer, der bei BMW an neuen Lichtwelten forscht. Er will den Fahrer mit speziellen Inszenierungen willkommen heißen, ihm mit einer punktuellen Beleuchtung seinen Platz zuweisen und ihn mit dem richtigen Licht zur richtigen Zeit in die richtige Stimmung bringen. «Das Automobil ist ein Lebensraum. Und den möchten wir mittels Licht so gestalten, dass man sich darin wohl fühlen kann.»

Die Zukunft der Farbtemperatur

Dafür wird der Fahrer womöglich in künftigen Modellen zwischen verschiedenen Farbtemperaturen in einem Auto auswählen - je nach Stimmung und Ausstattung. Oder die Beleuchtung könnte von selbst auf die Fahrsituation reagieren und sich ändern - je nachdem, ob der Wagen auf der Autobahn, der Landstraße oder in der Stadt fährt. «Und warum sollte sich in ferner Zukunft das Licht im Wagen nicht tages- und jahreszeitabhängig in Temperatur und Helligkeit dem Biorhythmus des Fahrers anpassen?», spinnt Bailer den Faden weiter.

Mit der Innenbeleuchtung zu weniger Verbrauch

Selbst sparsamer fahren wird man mit der richtigen Beleuchtung bald können. Das erforschen Peugeot-Entwickler bei der Studie BB1, deren Innenbeleuchtung laut Sprecher Bernhard Voss je nach Fahrstil und Verbrauch variiert: Fährt das Auto zu schnell und zu ineffizient, glüht der Innenraum rot. Rollt man langsam und gelassen, ist alles «im grünen Bereich». Ganz sicher sind sich die Entwickler aber wohl noch nicht. Zumindest bei den Serienmodellen genügt ein Knopfdruck - und Duftspender, Lichtorgeln oder Lufterfrischer geben Ruhe.

Quelle: dpa
(Bilder: StVO; Schierenbeck/dpa; Hertha BSC)