Mittwoch, 24. November 2010 11:04 Uhr
Der neue VW Passat Variant hat alles, was Familienväter wünschen: Er ist solide, sparsam und überfordert nicht mit extravaganten Innovationen.
Der VW Passat wurde in den letzten 30 Jahren über 15 Millionen mal gebaut. Damit ist der Bestseller aus Wolfsburg zu einer unverrückbaren Größe in der Mittelklasse geworden, die bei Privat- und Geschäftskunden gleichermaßen hoch im Kurs steht- vor allem als praktischer Kombi.
Doch nichts ist so gut, dass man es nicht verbessern könnte, sagen die VW-Entwickler. Deshalb bringen sie Mitte November die siebte Generation des Passat an den Start. Das neue Papa-Mobil ist ein bisschen besser als früher: sparsamer, sicherer, nobler, komfortabler und ein bisschen billiger. Gegenüber dem Vorgänger wurde der Preis um 650 Euro auf 24.425 Euro für die Limousine und exakt 1000 Euro mehr für den Kombi gesenkt.
Biedermann im neuen Blech
Technisch ist der neue Passat ganz der alte. Doch die Entwickler haben nahezu jedes Bauteil optimiert. Die Designer durften tief ins Blech greifen. Dennoch bleiben Limousine und Variant zurückhaltend, bodenständig und bieder. Lust und Leidenschaft sucht man vergebens.
Das gilt auch für den Innenraum, der im Streben nach dem minimalen Spaltmaß vollends zu einem Refugium der Spießer wird. Mutige Formen? Frische Farben? Fehlanzeige. Dafür ist der Passat wohl das einzige Auto, in dem sich selbst Blinde auf Anhieb zurecht finden können. Perfekt durchdacht bis ins Detail, fällt die Hand automatisch auf genau jenen Schalter, den man gerade braucht. Dazu gibt es eine Materialauswahl und eine Verarbeitungsgüte, die man nur von höheren Klassen kennt.
Der Praktiker wird praktischer
Weil der neue Passat auf der alten Plattform steht und sich die Abmessungen nur um Millimeter geändert haben, bleibt das Platzangebot beinahe identisch. Dass es innen trotzdem etwas luftiger zugeht, liegt vor allem an den neuen Sitzen, auf denen man vorne feudal und hinten noch immer sehr ordentlich reisen kann. Auch das Gepäckabteil haben die Niedersachsen nur im Detail optimiert. Deutschlands Lademeister Nummer 1 fasst deshalb bei voller Bestuhlung weiterhin 603 Liter.
Neu ist jedoch der Mechanismus zum Umfalten der Rückbank. Künftig muss man nicht mehr nach vorne laufen, sondern kann mit einer leichten Fingerübung beide Lehnenelemente von der Ladekante aus flachlegen und den Stauraum so auf bis zu 1731 Liter erweitern. Außerdem gibt es ein umfangreiches Programm zur Unterstützung bei der Lade-Logistik vom ausziehbaren Kofferraumboden bis zur elektrischen Heckklappe. Das pfiffigste Extra bleibt aber erst einmal der Limousine vorbehalten. Es heißt «Easy Open» und nutzt einen Sensor im Stoßfänger, der die Klappe wie von Geisterhand öffnet, sobald der Fahrer seinen Fuß in dessen Sichtfeld stößt.
Ein Heer von Helfern
Kräftig aufgerüstet wurde dagegen bei der Elektronik: Knapp zwei Dutzend Assistenzsysteme sind lieferbar. Damit rückt der Bestseller auch technisch näher an das Oberklassemodell Phaeton. Während man den Einpark-Automaten oder das intelligente Fernlicht bereits aus anderen Baureihen kennt, feiern die automatische Notbremse für den Stadtverkehr oder der Müdigkeitswarner im Passat Premiere.
Die Nähe zur Oberklasse sucht der Passat auch beim Fahrkomfort. Deshalb haben die Niedersachsen nicht nur das adaptive Fahrwerk mit variablen Dämpfern ausgestattet. Diese rücken Störgeräusche in weite Ferne. Alles andere als Oberklasse ist allerdings der 1,6-Liter-Diesel, der mit 77 kW/105 PS das untere Ende einer Skala definiert, die mit zehn Motoren bis hinauf zu 220 kW/300 PS reicht.
Basisdiesel als sparsame Spaßbremse
Zwar profitiert auch er von Spritsparlösungen wie Rekuperationsbremse und der Start-Stopp-Automatik, die den Verbrauch um bis zu 20 Prozent drücken. Doch so richtig viel Fahrfreude will bei dem Motor nicht aufkommen. Schließlich braucht er quälend lange 12,5 Sekunden bis Tempo 100 und danach viel Anlauf, wenn er seine Höchstgeschwindigkeit von 193 km/h erreichen soll. Was ihm als Sprinter fehlt, macht er aber als Dauerläufer wieder wett: Mit einem Verbrauch von 4,4 Litern (CO2-Ausstoß: 116 g/km) kommt er auf 1600 Kilometer Reichweite und überholt alle anderen, wenn sie längst an der Tankstelle stehen.
FAZIT: Erfolgsrezept mit Zukunft
Nach der ersten Ausfahrt gibt es am Passat nicht viel zu kritisieren. Die großen Innovationen bleiben aus. Einen Designsprung macht er auch nicht. Doch war der alte Passat einfach so gut, dass es beim Neuen kaum noch Raum für Verbesserungen gab. Deshalb haben sich die Entwickler an ein Gesetz aus dem Sport gehalten: «Never Change A Winning Team» oder frei übersetzt: «Ändere nie ein Erfolgsrezept».
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