Montag, 22. November 2010 17:14 Uhr
Der neue Sharan ist ein sparsamer Dauerläufer- vor allem in der Dieselvariante.
Der VW T5 genießt Kultstatus, und der Touran ist ein Bestseller. Nur für den Sharan in der Lücke zwischen den beiden Vans mussten sich die Niedersachsen zuletzt fast schämen. Doch jetzt ist damit Schluss.
In den vergangenen rund 15 Jahren ist der Sharan nicht nur zu einem der ältesten Neuwagen der Republik geworden, sondern lag auch technisch weit zurück. Doch wenn zu Preisen ab 28.875 Euro die nächste Generation der Großraumlimousine an den Start geht, will VW mit aller Macht zurück auf den Thron der Familienväter. Vom Vorgänger übernehmen die Entwickler nur den Namen und die Sonnenblenden. Punkten wollen sie bei den Kunden mit mehr Effizienz, Eleganz, neuen Assistenzsystemen - und jeder Menge Platz: Um 22 Zentimeter haben sie den Sharan auf 4,85 Meter gestreckt.
Neue Motoren stehen für Sparsamkeit
Für den Geist der neuen Sparsamkeit stehen vor allem die Motoren: Die Sechszylinder sind ausgemustert, die Sauger ebenso. Stattdessen gibt es je zwei Benziner und Diesel, die allesamt mit Direkteinspritzung und Turbolader bestückt sind und ein Leistungsspektrum von 103 kW/140 PS bis 147 kW/200 PS abdecken. Zudem haben die Ingenieure trotz des größeren Formats rund 30 Kilo eingespart, den Luftwiderstand reduziert und bei drei von vier Motoren eine Start-Stopp-Automatik und eine Bremsenergie-Rückgewinnung eingebaut. Das wirkt: Bestenfalls geht der Verbrauch um 20 Prozent zurück, während die Reichweite auf 1300 Kilometer steigt.
Besonders stolz ist VW auf den Diesel des Basismodells, der in Deutschland wohl den größten Verkaufsanteil erreichen wird. Denn mit einem Verbrauch von 5,5 Litern und einem CO2-Ausstoß von 143 g/km setzt er einen neuen Bestwert in der Klasse. Dabei ist der Sparer keine Spaßbremse.
Zumindest solange der Wagen nicht voll besetzt und beladen ist, kommt man mit dem angenehm leisen und kultivierten Zwei-Liter-Motor flott voran. Geregelt von einem feinfühligen Doppelkupplungsgetriebe (Aufpreis: 2050 Euro) beschleunigt der Selbstzünder binnen 10,9 Sekunden auf Tempo 100 und weiter auf ein Spitzentempo von 191 km/h.
Auch das Fahrverhalten hat VW deutlich verbessert. Ein komplett neues Fahrwerk, der fast acht Zentimeter längere Radstand und die breite Spur lassen den Wagen sicher über die Straße rollen. Wer die adaptive Dämpferregelung bestellt und das Fahrwerk auf Knopfdruck verhärtet, wähnt sich auch am Steuer des Vans in einer Limousine. Handlich, straff und vor allem aufrecht nimmt der Raumkreuzer dann die Kurven.
Einfacher Einstieg durch Schiebetüren
Die Unterschiede zwischen gestern und heute merkt man beim Sharan schon lange vor dem Losfahren. Bereits beim Einsteigen freut man sich über den Wechsel von Klapp- zu Schiebetüren, die den Zustieg vor allem in engen Parklücken erleichtern und sich auf Wunsch auch elektrisch öffnen. Wer in die dritte Reihe möchte, kommt nun leichter an den mittleren Sitzen vorbei. Bei voller Bestuhlung stehen mehr als 700 Liter Stauraum zur Verfügung. Sollte das nicht reichen, kann man die Sitze sechs und sieben nun mit je einem Handgriff im Souterrain versenken und die anderen Sessel flach machen. Früher musste man alle Sitze ausbauen und mühsam in Keller oder Garage schleppen.
Preisliste bietet viel Spielraum
Obwohl VW zumindest den Grundpreis um ein paar hundert Euro gesenkt hat, ist der Sharan ordentlich ausgestattet: Das Interieur wirkt vornehm. Neben ESP und sieben Airbags sind zum Beispiel immer auch die Klimaanlage und die elektrische Handbremse serienmäßig an Bord. Allerdings bietet die Preisliste viel Spielraum nach oben. Schon mit dem stärksten Motor kostet der Van rund 35.000 Euro, für Sechs- und Siebensitzer verlangt VW Aufpreis. Und mit neuer Technik wie dem Xenon-Licht oder dem Einpark-Automaten wird es richtig teuer- vom Preis für einen T5 ist man dann nicht mehr weit entfernt.
Fazit: VW setzt sich wieder an die Spitze
Nachdem der Sharan zuletzt wirklich in die Jahre gekommen war und von Konkurrenten wie dem Opel Zafira oder dem Mazda 5 um Längen abgehängt wurde, hat sich VW jetzt wieder an die Spitze des Segmentes gesetzt: Die Variabilität ist vorbildlich, das Platzangebot ordentlich und die Spartechnologie konkurrenzlos. So ist der Sharan wieder eine attraktive Alternative und bestätigt damit ein altes Sprichwort: Was lange währt, wird endlich gut.
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