Mittwoch, 12. September 2012 16:34 Uhr
Mit dem GT 86 bringt Toyota einen komplett neuen Sportwagen auf den Markt. Das Fahrverhalten hält, was das Design verspricht- das Interieur allerdings nicht.
Sie bauen pfiffige Kleinwagen, unauffällige Familienkutschen und sparsame Hybridautos. Von Lust und Leidenschaft war bei den Toyota-Ingenieuren allerdings zuletzt nicht viel zu spüren. Doch damit ist es jetzt vorbei: Ab Herbst 2012 gibt es den GT 86.
13 Jahre nach dem Debüt des letzten Celica kehrt Toyota mit einem Sportwagen auf die Überholspur zurück. Die Bodenhaftung verliert der japanische Hersteller dabei nicht: Denn mit einem Preis von 29.990 Euro liegt das Coupé des GT86 bei vergleichbarem Motor auf einem Niveau mit Konkurrenten wie dem VW Scirocco oder dem Peugeot RCZ.
Für das Sportwagen-Comeback hat Toyota nicht einfach eine bestehende Plattform übernommen, sondern ein völlig neues Auto entwickelt. So ist ein für japanische Verhältnisse messerscharfer Zweisitzer entstanden, der sich tief in den Wind duckt. Kurze Überhänge, ein knackiges Heck und eine Silhouette, die flacher ist als bei einem Ferrari- selten haben einem Toyota so viele Passanten hinterher geschaut wie diesem.
Dass sich der Wagen so flach auf die Straße ducken kann, ist ein Verdienst des Boxer-Motors, den Toyota für den GT 86 beim Konzernpartner Subaru einkauft. Zum Dank darf die Schwestermarke den Wagen dafür minimal modifiziert auch als BRZ verkaufen. Der extrem flache Vierzylinder leistet 147 kW/200 PS und bringt den Wagen schnell auf Trab.
Wer am kurz gestuften Getriebe spät schaltet und die Drehzahl hoch hält, erlebt den GT 86 als giftigen Heißsporn: Jede rote Ampel lockt zum Sprintduell, Überholen wird zum Kinderspiel und es gibt nichts Schöneres, als druckvoll aus einer Kurve heraus zu beschleunigen. Allerdings lässt der Spaß mit höherem Tempo schnell nach. Auf der Autobahn klingt der Motor eher rau als kernig, und bei 226 km/h geht dem Sportler die Puste aus.
Auf einer eng gewundenen Landstraße ist die Fahrt aber ein Genuss: Mit knackigem Fahrwerk, direkter Lenkung und natürlich mit seinem Hinterradantrieb schnürt der GT 86 leichtfüßig durch die Kurven. Er lenkt schnell ein, kommt flott um die Ecke. Und wer dabei die Elektronik pausieren lässt, der kann den Wagen sogar ein wenig schwänzeln lassen und mit dem Fuß lenken.
So lustvoll die Japaner Fahrwerk und Lenkung abgestimmt haben und so viel Mühe sie sich bei der Suche nach dem richtigen Motor gemacht haben, so lieblos ist das Interieur. In dem Viersitzer sitzen vier Personen nicht bequem- das hat bei dem gerade mal 4,24 Meter langen und nicht einmal 1,30 Meter hohen Wagen aber keiner ernsthaft erwartet. Deshalb stört sich auch niemand an der Kletterpartie in den Fond und an der klaustrophobischen Enge. Doch Easy-Entry-Sitze könnten die Sache deutlich vereinfachen. Und ein wenig mehr Finesse beim Finish hätte auch nicht geschadet: Ein paar bunte Nähte im Leder und die hohen Seitenwangen der Sitze sind zu wenig, um aus der dunklen Plastikhöhle ein Sportstudio zu zaubern.
Dabei sind die Voraussetzungen sonst nicht schlecht. Man sitzt tief auf der Straße, findet schnell die richtige Sitzposition und hat das Auto perfekt unter Kontrolle. Das Lenkrad liegt gut in der Hand, der kurze Schaltstummel liegt griffgünstig und alle Schalter und Hebel sind schnell erreichbar. Nichts lenkt deshalb von der eigentlichen Aufgabe ab, mit Tempo und maximalem Spaß von A nach B zu kommen. Natürlich liegen Welten zwischen einem GT 86 und den einzigen anderen Boxer-Sportwagen auf dem Markt. Doch zumindest in diesem Punkt sind sich der Toyota und die Porsche Cayman oder 911 verdammt ähnlich- obwohl die Autos aus Stuttgart fast das Doppelte kosten.
Der Preis ist auch das beste Argument, wenn man sich die Abzüge in der B-Note für das lustlose Interieur und den mageren Klang schönrechnen will. Denn für 29.990 Euro gibt es so viel Spaß sonst meist nur mit einem Gebrauchtwagen. Und neben dem Antrieb ist ja auch die Ausstattung nicht schlecht: Tempomat, Multimediasystem und Xenon-Leuchten zum Beispiel sind neben sieben Airbags immer Standard.
Konsequent konstruiert, leicht, flach und stark- der Toyota GT 86 hat eigentlich alles, was ein leidenschaftlicher Sportwagen braucht. Allerdings wirkt er wie ein Athlet am Anfang seiner Karriere, der erst noch ein paar Jahre zum Training muss, bis es zum Meistertitel reicht. Doch wenn Toyota dem Coupé zum Beispiel zur Modellpflege ein bisschen mehr Glanz, vielleicht noch einen Hauch mehr Leistung und einen kerniger klingenden Auspuff spendiert, dann hat er das Zeug zum Champion.
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