Dienstag, 21. September 2010 12:43 Uhr
Der kleinste Roadster der Republik ist ein echtes Spaßauto. Nur an seine Proportionen muss man sich erst gewöhnen.
Renault bringt buchstäblich frischen Wind in das Segment der offenen Sportwagen für jedermann. Denn Wind heißt der kleinste Roadster der Republik, den die Franzosen zu Preisen ab 16.900 Euro anbieten. Zur Grundausstattung gehören ESP und vier Airbags, Zentralverriegelung, Sportsitze und das elektrische Verdeck.
Weil man in Cabrios wie dem offenen Mini, dem Fiat 500 oder dem Peugeot 207 CC ohnehin niemanden guten Gewissens nach hinten setzen kann, haben sich die Wind-Entwickler auf zwei Plätze beschränkt. Auf Basis von Twingo und Clio ist so ein nur 3,82 Meter langer Sportwagen entstanden, der Spaß macht wie ein großer.
Viel Spaß trotz kleinem Motor
Dafür reicht auch der Einstiegsmotor: Der 1,2-Liter-Turbobenziner leistet 74 kW/101 PS. In der Theorie klingt das zwar vergleichsweise mager, doch Praxiswerte zeigen: Tempo 100 ist in 10,5 Sekunden erreicht.
Maximal sind 190 km/h möglich. Wer es ruhiger angehen lässt, bleibt nah am Normverbrauch von 6,3 Litern. So kommt der Roadster auf einen CO2-Ausstoß von 145 g/km. Seinen sportlichen Anspruch unterstreicht der Wind durch sein straffes Fahrwerk und die direkte Lenkung.
Kein Erbe des Sport Spiders
Wer mehr Leistung wünscht, bekommt für mindestens 18.300 Euro einen kaum dynamischeren 1,6-Liter-Motor mit 98 kW/133 PS. Er schafft den Sprint in 9,2 Sekunden und kommt in der Spitze knapp über Tempo 200. Weitere Motoren wird es trotz stärkerer Konkurrenten nicht geben, stellen die Franzosen klar. Zum Erben des legendären Sport Spider taugt der windige Geselle deshalb nicht.
Überhaupt will Renault nicht allein mit den Fahrleistungen punkten. Das wichtigste Argument für den Wind ist sein Verdeck. Statt einer Stoffhaube trägt er einen Deckel aus Stahl und Kunststoff, der mit einem konstruktiven Trick schneller verschwindet als bei jedem anderen Klappdach-Cabrio: Nur zwölf Sekunden reichen dem Wind für die Verwandlung vom Coupé zum Roadster.
Dafür muss man manuell eine Verriegelung am Scheibenrahmen lösen, danach reicht ein Knopfdruck. Allerdings funktioniert diese Technik nur, wenn das Auto abgestellt ist.
Kofferrraum mit 270 Liter Volumen
Das Dach ist auch aus einem anderen Grund praktisch: Der Kofferraum wird davon nicht beeinträchtigt und bietet in beiden Varianten stattliche 270 Liter Volumen. In der Theorie reicht das auch für einen Großeinkauf oder einen Kurzurlaub. Nur dürfen Ladung und Beifahrer zusammen nicht mehr als 135 Kilogramm wiegen. Deshalb ist Zurückhaltung angesagt.
Pech mit den Proportionen
Schwierig ist das Design des Wind: Während innen ein paar pfiffige Details wie die kunterbunte Abdeckung des Cockpits und die sportlichen Halteschlaufen in den Türen gefallen, legt sich beim Blick auf die Karosse die Stirn in Falten: Die Proportionen wollen einfach nicht passen. Die Flanke ist für einen offenen Sportwagen viel zu hoch und das Heck nicht nur zu wuchtig, sondern auch völlig überladen: Spoiler, Finnen und Hutzen sind des Guten einfach zu viel. Außerdem behindern sie die Sicht nach hinten.
Der Wind vermittelt viel Fahrfreude - zumal man ihn von Außen ja nicht mehr anschauen muss, wenn man drinnen erst einmal Platz genommen hat. Bei gutem Wetter garantiert der Roadster gute Laune. Als Alltagsauto taugt er allerdings kaum.
Deshalb will bei Renault auch niemand eine Prognose für Stückzahlen und Laufzeit abgeben. Denn Vorgänger wie der Opel Tigra oder Fiats Barchetta sind sicher nicht wegen ihres überragenden Erfolgs eingestellt worden.
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