Mittwoch, 14. Oktober 2009 16:32 Uhr
«Für Opel beginnt jetzt eine aufregende, bessere Zukunft.» Daran lässt Carl-Peter Forster keinen Zweifel, und der Aufsichtsratschef meint damit nicht nur die Übernahme durch Magna, sondern vor allem den neuen Astra, der Ende November auf die Straße kommt.
Deutlich gewachsen, mit mehr Leidenschaft gezeichnet, hochwertiger verarbeitet, mit sparsameren Motoren bestückt und moderner ausgestattet, soll er dem VW Golf das Leben wieder schwerer machen und den Opel-Karren aus dem Dreck ziehen. Dabei hilft ihm auch der Preis: Zwar ist der Wagen bei besserer Ausstattung auch etwas teurer geworden. Doch liegt er mit 15 900 Euro rund zehn Prozent unter dem Bestseller aus Wolfsburg.
Den Beginn einer neuen Zeitrechnung merkt man bereits beim Einsteigen: Weil der Astra um 17 Zentimeter in die Länge gegangen ist und nun mit 4,42 Metern schon fast in die Mittelklasse ragt, hat man vorn wie hinten spürbar mehr Platz: In der ersten Reihe reist man dank der optionalen Ergonomie-Sitze bequemer als in mancher Oberklasse-Limousine, und der Rücksitz ist dank größerer Knie- und ausreichender Kopffreiheit auch keine Strafbank. Dazu gibt es mehr als ein Dutzend pfiffiger Ablagen sowie einen Kofferraum mit variablem Ladeboden, der zwischen 370 und 1235 Liter fasst.
Aber nicht nur das neue Format macht den Unterschied. Auch die Form kann sich sehen lassen. Wie die Karosserie ist auch das Interieur mit viel Leidenschaft gezeichnet. Und so, wie Opel außen die Lichthaken und den scharfen Schmiss in der Flanke des Insignia übernommen hat, gibt es innen das bis in die Türen reichende Cockpit, die gemütliche Ambiente-Beleuchtung und die noble Auslegeware des großen Bruders. Allerdings ist da noch ein bisschen Feinschliff nötig: Zumindest in den ersten Testwagen wollen Präzision und Premium-Anspruch bei manchen Zierteilen noch nicht so recht zusammenpassen. Dafür ist die Ergonomie perfekt: Jeder Schalter, Regler oder Hebel sitzt dort, wo man ihn erwartet. Die Kommandozentrale auf der Mittelkonsole gibt auch ohne i-Drive & Co. keine Rätsel auf.
Die Nähe zum Insignia zeigt auch die Optionsliste: Als erstes Auto seiner Klasse bietet der Astra adaptive Scheinwerfer mit neun unterschiedlichen Lichtszenarien, eine Kamera für die Hilfe bei der Spurführung und die Erkennung von Verkehrszeichen oder Kleinigkeiten wie das beheizte Lenkrad. Allerdings treiben solche Extras den Preis kräftig in die Höhe.
Während Opel damit punktet, wirkt die Antriebstechnik weniger aktuell. Zwar wurden alle Motoren - fünf Benziner und vier Diesel mit 64 kW/87 PS bis 132 kW/180 PS - optimiert oder ausgetauscht und sind deshalb im Schnitt zwölf Prozent sparsamer als früher. Und der Astra Ecoflex ist mit einem Verbrauch von 4,2 Litern (CO2-Ausstoß: 109 g/km) sicher nicht schlecht. Doch Wolfsburger Standards wie die Benzin-Direkteinspritzung, eine Start-Stopp-Automatik oder das Doppelkupplungsgetriebe sucht man noch vergebens.
Der ganze Stolz der Hessen ist ein 1,4 Liter-Benziner, der dem Ideal des Downsizing folgt und den kleinen Hubraum mit einem Turbolader kompensiert. So kommt er auf 103 kW/140 PS und 200 Nm, mit denen er den Astra flott in Fahrt bringt. Ist das typische Turboloch erst einmal überwunden, geht es zügig voran. Der Vierzylinder hängt gut am Gas, lässt sich vom ordentlich abgestuften Sechsganggetriebe leicht bei Laune halten, schafft den Sprint in 9,7 Sekunden und erreicht immerhin 205 km/h. Dabei ist er sogar 18 Prozent sparsamer als der Vorgänger und kommt im Mittel mit 5,9 Litern aus (139 g/km).
Für den neuen Astra spricht auch die gelungene Fahrwerksabstimmung: Mit größerem Radstand, breiterer Spur und einer neuen Hinterachse rollt der Wagen sehr viel komfortabler als früher, büßt aber nichts von seiner Dynamik ein. Vor allem, wenn man mit dem optionalen Flex-Ride-System den Charakter auf Knopfdruck ändern kann, taugt der Hoffnungsträger auch als Kurvenflitzer. Und in der Stadt wirkt er trotz des größeren Formats noch immer handlich und wendig.
Nach den ersten Kilometern kann man die Hoffnung der Hessen gut verstehen. Das mit Abstand wichtigste Modell der Marke ist gut gelungen. Zwar wird der Astra weder den Golf vom Thron stoßen noch den Opel-Karren allein aus dem Dreck ziehen. Doch der erste Schritt in eine bessere Zukunft ist damit auf jeden Fall gemacht.
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