Donnerstag, 3. September 2009 11:44 Uhr
Er war von Anfang an spektakulär: Der legendäre Mercedes 300 SL erfüllt bis heute Träume vieler Autofans - und soll nun einen Nachfolger bekommen.
Der 300 SL von Mercedes ist eine wahre Auto-Ikone: Der berühmte Flügeltürer ist heute mindestens so begehrt wie in den 1950er Jahren - und soll jetzt sogar so etwas wie einen Nachfolger bekommen.
Bei Mercedes zehrt man noch heute vom einzigartigen Image des alten Sportlers. So sehr, dass es sich der Autobauer nicht nehmen lässt, auf der Automesse IAA in Frankfurt/Main (17. bis 27. September) einen modernen Sportwagen zu präsentieren, der nicht nur mit der Bezeichnung SLS an den Urahn erinnert. Er bekommt außerdem die charakteristischen Flügeltüren und übernimmt Design-Details.
Siege in Le Mans und Amerika
Dass der 300 SL zu einer automobilen Ikone werden konnte, ist vor allem dem Zufall zu verdanken. Denn als Mercedes in den 1950er Jahren anfing, einen Sportwagen zu planen, ging es in erster Linie um Erfolge auf den Rennstrecken.
Als Basis diente am Ende die Weiterentwicklung jener Sportwagen-Technik, mit der Mercedes 1952 gleich beide vorderen Plätze bei dem Klassiker «24 Stunden von Le Mans» eingefahren hatte. Noch eindrucksvoller war - vor allem für Amerika - der Sieg des schon 300 SL getauften Rennsportwagens bei der materialmordenden Carrera Panamericana im selben Jahr.
Zwar wiesen diese Rennwagen grundsätzliche Konstruktionsdetails des späteren Traumwagens auf. Allerdings dachte zu dem Zeitpunkt noch niemand an eine Serienfertigung. Derjenige, der seinerzeit solche Gedanken hatte, hieß Maximilian Hoffman und war der Mann, der die Mercedes-Modelle in die USA importierte. Mehrmals soll sich Hoffman einen echten Sportwagen gewünscht haben. Er soll es auch gewesen sein, der den Panamericana-Sieger als Basis ins Gespräch brachte.
Bis zur Premiere des nunmehr mit dem Baureihen-Kürzel W198 versehenen Autos ging es überraschend schnell. Bereits im Februar 1954 stand der 300 SL auf der «Motor Sports Show» in New York. Nicht nur wegen seiner aufregenden Karosserieform war er etwas Besonderes - auch wegen vieler Details, die sich unterm Blech verbargen und die «Schuld» daran waren, dass der SL überhaupt Flügeltüren trug. Denn dort saß ein aufwendiger Gitterrohrrahmen - also ein Geflecht aus verbundenen Rohren, das dem Fahrzeug die nötige Steifigkeit verlieh.
Hätte man normale Türen eingebaut, wäre die Einstiegsluke etwa bis zur Hälfte von diversen Rohren versperrt gewesen. Daher bekam der 300 SL quasi als Notlösung das, was ihm seine einmalige Erscheinung verlieh: Die im Dach angeschlagenen und beim Öffnen nach oben schwenkenden Türen. Der Anblick der geöffneten Türen führte im englischsprachigen Raum zur Bezeichnung Gullwing (Möwenflügel), im Deutschen beließ man es bei dem Begriff Flügeltüren.
Auf der Motorenseite brachte der 300 SL ebenfalls Neues - wenn auch auf bekannter Basis. Denn der Sechszylinder mit seinen drei Litern Hubraum stammte zwar aus dem Modellprogramm. Im SL aber wurde er mit einer ungewöhnlichen Neigung von 45 Grad montiert. Er bekam zudem eine einzigartige Benzin-Direkteinspritzung. Das Ergebnis war eine Leistung von immerhin 215 PS, was den Zweisitzer je nach Übersetzung bis zu 260 km/h schnell machte.
Der Wagen übte auf die Menschen schon damals große Faszination aus - leisten konnten sich den 29.000 Mark teuren Sportwagen allerdings nur wirklich Wohlhabende.
Trotz aller Begeisterung war die Karriere des Flügeltürers als Neuwagen recht kurz. Gebaut wurde die geschlossene Version nur bis 1957. Danach gab es den 300 SL noch als Roadster. In Zahlen ausgedrückt war diese bis 1963 gebaute Version sogar erfolgreicher: Vom Flügeltürer entstanden 1400 Exemplare, der Roadster fand 1858 Kunden.
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