Donnerstag, 3. September 2009 12:23 Uhr
Vom Serien-Roadster zum Rennwagen für die Straße: Haustuner AMG macht aus dem SL 65 Zweisitzer eine adrenalingeladene Flunder.
Außerhalb der Rennstrecke gab es wohl schon lange keinen Mercedes mehr, der so aggressiv, ambitioniert und adrenalingeladen daherkam wie der getunte SL 65 aus dem Perfomance Studio des Haustuners AMG.
Davon zeugt schon die wie in einem Rausch von Testosteron gezeichnete Karosserie des Zweisitzers, der vom Serienmodell soweit abgerückt ist wie Lewis Hamiltons Dienstwagen vom SLR.
Nicht nur, dass die Krafttrainer zugunsten des Gewichts das versenkbare Stahlverdeck ausgebaut und stattdessen eine flachere Karbonkappe über die Schalensitze gespannt haben. Auch jedes andere Blechteil haben die AMG-Ingenieure angefasst: Die Frontschürze ist jetzt so weit aufgerissen wie ein Scheunentor zur Erntezeit, in der Motorhaube klaffen zwei gewaltige Löcher für die Motorkühlung.
Kotflügel 14 Zentimeter breiter
Aus dem Heckdeckel surrt auf Knopfdruck ein Spoiler von der Größe eines Bügelbretts. Am schärfsten allerdings wirkt die Flanke der Flunder, weil die Kotflügel um beeindruckende 14 Zentimeter verbreitert wurden und so Platz machen für die endlos breiten Gummiwalzen und Lüftungs-Kiemen von der Tiefe einer Gletscherspalte.
Während der Black Series von außen aussieht wie ein waschechter Rennwagen, gibt er sich innen so komfortabel, wie es verwöhnte Sehr-Viel-Besserverdiener bei einem fast schon absurden Preis von 327.250 Euro erwarten.
Natürlich sind die neuen Schalensitze etwas stärker konturiert, das unten flache Lenkrad ist griffiger und im neuen Kombiinstrument gibt es Lichtblitze zur Schaltempfehlung sowie einen Racetimer für die persönlichen Bestzeit.
Doch weil man mit dem Wagen nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch auf dem Weg dorthin Spaß haben soll, sind eben auch Navigation, alle elektrische Helfer, viel Leder und die Klimaautomatik an Bord. Leistungssport ist schön und gut, aber Schwitzen muss man deshalb ja noch lange nicht.
Diesen Spagat macht der Spitzensportler auch beim Fahren: Auf der Rennstrecke gibt sich der Dampfhammer mit seinem neuen Gewindefahrwerk nicht hart wie ein Brett, sondern gar wie eine Granitplatte. Die Bremsen beißen so kompromisslos wie der Weiße Hai und die Automatik wechselt im schnellsten der vier Schaltprogramme ihre fünf Gänge so schnell und mit so viel Zwischengas, dass einem Hören und Sehen vergehen.
Doch sobald man über die Zielgerade in die Boxengasse kommt, der Wagen und das eigene Gemüt ein wenig heruntergekühlt sind und man statt der Ideal- etwa der Küstenlinie folgt, wird der Fighter zum Gleiter und bollert mit gar nicht so stillen Reserven entspannt im gehobenen Bummeltempo nach Hause.
Allerdings erfordert das schon einen feinfühligen Gasfuß. Schließlich steckt unter der Haube der stärkste Motor, den AMG je in ein Serienfahrzeug eingebaut hat: Zwei neue Turbolader und eine überarbeitete Auspuffanlage lassen die Leistung des sechs Liter großen Zwölfzylinders auf 493 KW/670 PS steigen. Auch das Drehmoment würde mit 1200 Nm schwindelnde Höhen erreichen, wird aber mit Rücksicht auf das Getriebe auf 1000 Nm begrenzt.
Schon dieses Motortuning wäre genug, um die Fahrleistungen spürbar zu steigern. Doch weil die Schwaben mit dem vielen Karbon und dem festen Dach obendrein noch 250 Kilogramm gespart haben, fährt der Schwarze Ritter in einer ganz eigenen Kategorie: Puristische Rennwagen mögen schneller sein, aber 3,8 Sekunden für den Sprint von Null auf 100, 11,0 Sekunden bis 200 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit, die mit einem Rest von Vernunft und Verantwortung auf 320 km/h limitiert ist, sind für einen alltagstauglichen Spitzensportler mehr als respektabel.
Und dabei muss man nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben. Denn zumindest gegenüber dem Serienmodell wurde der Verbrauch um 0,7 Liter gedrückt. Relativ ist das viel. Absolut betrachtet bleibt der SL mit 14,4 Litern im Normzyklus und dem doppelten im artgerechten Umgang jedoch ein Glücksfall für jeden Tankwart.
Potenzielle Kunden wird das allerdings ebenso wenig stören wie der exorbitante Preisaufschlag von mehr als 100.000 Euro. Stattdessen erliegen sie offenbar reihenweise der Faszination von Design, Fahrleistungen und der kleinen Stückzahl. Das Gros der nur 350 Exemplare ist jedenfalls bereits verkauft.
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