Donnerstag, 13. September 2012 12:50 Uhr
Der Mercedes GL vereint mehrere Fahrzeugtypen: Die Optik eines Geländewagens, das Interieur einer Luxuslimousine und den Antritt eines Sportwagens.
Downsizing und Leichtbau? Für andere Mercedes-Baureihen mögen das die wichtigsten Entwicklungsziele sein. Nicht aber für den GL. Denn der große Bruder der M-Klasse ist vor allem für Länder wie Amerika gemacht, wo «big» noch immer «beautiful» ist. Groß, schwer und stark setzt der Geländegänger auf Übermaß und Überfluss. Obwohl er komplett auf die USA zugeschnitten ist, wird er auch bei uns angeboten. Im November 2012 kommt die zweite Generation des Giganten in den Handel.
Mit 5,12 Meter Länge und 2,5 Tonnen Gewicht bietet der GL fast so viel Platz wie eine Großraumlimousine. Und weil Mercedes weder an Lack und Leder noch an Assistenzsystemen und elektrischen Helfern spart, wird man an Bord umsorgt wie in einer Luxuslimousine. Das hat seinen Preis: Mit mindestens 72.471 Euro ist der GL rund 13.000 Euro teurer als die M-Klasse, bis auf wenige Tausender kommt er sogar an die S-Klasse heran. Und die wichtigsten Extras sind noch nicht einmal dabei. Weil Finessen wie Wankausgleich, Offroad-Paket, Nachtsichtsystem oder Online-Navigation extra kosten, sind die Preise selbst beim Basismodell schnell sechsstellig.
Die einzige ökologisch halbwegs vernünftige Motorvariante für die EU-Version ist der V6-Diesel im GL 350 Bluetec. Immerhin braucht er nur 7,4 Liter (CO2-Ausstoß: 192 g/km) und kommt mit einer Tankfüllung rund 1300 Kilometer weit. Aber weil dieser Selbstzünder mit seinen 190 kW/258 PS an dem Koloss aus Glas und Stahl schwer zu schleppen hat, ist der V8-Benziner die angemessenere Motor-Alternative.
Der 4,7 Liter große Doppelturbo aus dem 94.605 Euro teuren GL 500 ist keine schlechte Wahl. Mit 320 kW/435 PS und 700 Newtonmetern ist er so antrittsstark, dass selbst das große Gewicht des GL den Vortrieb kaum bremst. Immerhin wuchtet er den Wagen in 5,4 Sekunden auf Tempo 100 und schafft sogar 250 km/h. Dass er dabei 11,3 Liter (CO2-Ausstoß: 262 g/km) verbraucht, verbucht Mercedes als Fortschritt: Das Auto ist nun um bis zu 20 Prozent sparsamer. Denn der GL hat beim Generationswechsel 90 Kilo abgespeckt und ist mit einer elektrischen Servolenkung ausgerüstet. Zudem fährt die optimierte Siebengang-Automatik immer mit Start-Stopp. Wer wohl jetzt noch die erstmals angebotene AMG-Version mit 410 kW/557 PS braucht, die sich Mercedes mit 130.305 Euro bezahlen lässt?
Zwar hat schon der GL 500 tatsächlich den Antritt eines Sportwagens. Aber er fährt so komfortabel wie eine Luxuslimousine. Dank Luftfederung und perfekter Dämmung erahnt man Straßenbeschaffenheit und Akustik draußen eher, als dass man sie wirklich wahrnehmen könnte. So kann man über den Highway cruisen- oder eben die Autobahn.
Aber der GL macht nicht nur auf langen Geraden eine gute Figur. Für sein Format schneidet er sogar halbwegs sportlich und überraschend aufrecht durch die Kurven. Im Stadtverkehr und in engen Parkhäusern hilft eine neue 360-Grad-Kamera. Und mit dem optionalen Offroad-Paket geht es jenseits der Straße voran. Trotzdem sieht der GL innen weniger nach Abenteuer-Camp als nach Grand Hotel aus.
Allerdings ist da nicht alles Gold, was glänzt. Weil in der serienmäßigen dritten Reihe noch jemand sitzen muss, geht es auf der Rückbank nicht ganz so opulent zu, wie man es bei über drei Metern Radstand erwarten darf. Dafür ist der Stauraum groß: Schon die 680 Liter bei normaler Bestuhlung sind nicht schlecht. Und als Zweisitzer sticht der GL mit 2300 Litern sogar den Kombi der E-Klasse aus.
Natürlich gibt es gute Gründe für den Mercedes GL- wenn man in den Bergen hinter Los Angeles oder der Wüste vor Las Vegas wohnt, jede Woche eine halbe Football-Mannschaft zum Training fährt und nur einmal im Monat zum Einkaufen fährt. In unseren Breiten dagegen ist der GL so unvernünftig und überflüssig wie ein Supersportwagen- dafür aber genauso faszinierend und zudem viel bequemer.
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