Donnerstag, 11. August 2011 15:34 Uhr
Spät aber nicht unbedingt zu spät bringt auch Audi einen Mini-SUV auf den Markt. Der Q3 bietet effiziente Technik, viele Extras und ein Ambiente wie in der Oberklasse.
Geländewagen sind immer noch angesagt: Jede siebte Neuzulassung in Deutschland ist ein so genanntes SUV, und der Anteil wird nach Einschätzung der Marktforscher weiter steigen. Vor allem kleine Kraxler erfreuen sich großer Beliebtheit. Deshalb legt Audi nach und stellt Q7 und Q5 den Q3 zur Seite. Der Dritte im Bunde der Allradler kostet mindestens 29.900 Euro. Damit ist er bei vergleichbarer Antriebstechnik etwa 5000 und absolut sogar 7000 Euro günstiger als der Q5. Allerdings liegt sein Preis etwa 2500 Euro über der günstigsten Version des Hauptkonkurrenten BMW X1.
Der Q3 nutzt die Plattform des Tiguan vom Mutterkonzern VW. Viel mehr als die Bodengruppe hat der 4,39 Meter lange Geländewagen mit dem Vetter aus Wolfsburg aber nicht gemein. So bekommt er ein eigenständiges, sportlicheres Design und wirkt deutlich zierlicher als Q7 und Q5. Der Audi-typische Single-Frame-Grill macht sich kleiner als sonst, die Scheinwerfer sind scharf geschnitten, die Flanke wirkt stark und schlank. Die betont schräg gestellte Heckklappe erinnert gar fast an ein Coupé.
Zumindest in den gehobenen Modellvarianten wirkt der Innenraum des Q3 vornehm und edel wie bei keinem anderen Auto in diesem Segment. Nach dem Motto «klein aber fein» haben die Bayern ihren Benjamin derart mit Lack und Leder ausstaffiert, dass man sich fast schon in der Oberklasse wähnt. Dazu gibt High-Tech-Extras von der Verkehrszeichen-Erkennung über die Assistenten für Spurführung und Spurwechsel bis hin zur Google-Navigation.
Nur bei den klassischen Tugenden haben die Bayern ein wenig gepatzt. Zwar sitzt man vorne sehr bequem und hat eine gute Übersicht. Im Fond gibt es bei 2,60 Metern Radstand und 1,59 Metern Scheitelhöhe noch viel Knie- und ausreichend Kopffreiheit. Und der Kofferraum ist mit 460 Litern allemal alltagstauglich. Aber die von den Kunden auch bei Geländewagen so geschätzte Variabilität kommt beim Q3 zu kurz: Die Rückbank ist nur zwei- und nicht wie beim X1 dreigeteilt, und anders als im VW Tiguan lässt sie sich auch nicht verschieben.
Für den Antrieb bedient sich Audi beim A4. Zum Start gibt es vier Vierzylinder mit je zwei Litern Hubraum - zwei Diesel und zwei Benziner. Allerdings unterscheiden sich die Motoren wenig in ihrer Leistungsfähigkeit und decken nur ein Leistungsspektrum von 103 kW/140 PS bis 150 kW/211 PS ab. Dabei soll es aber nicht bleiben: Immerhin plant der Audi-Werkstuner, die Quattro GmbH, bereits mit einem 2,5 Liter großen Fünfzylinder mit 221 kW/300 PS.
Bis dahin ist der stärkere Diesel wahrscheinlich die beste Wahl: Er kommt auf 130 kW/177 PS und geht mit zu 380 Nm zu Werke. Serienmäßig gekoppelt mit einer siebenstufigen Doppelkupplungsautomatik gibt er den kraftvollen Gleiter für die entspannte Langstrecke. Wer es darauf anlegt, kann auch in 8,2 Sekunden auf Tempo 100 sprinten und mit 212 km/h über die linke Spur bolzen. Allerdings steigt mit dem Tempo nicht nur die Anspannung, sondern auch der Geräuschpegel des ansonsten kultivierten Vierzylinders.
Wie mittlerweile fast jeden Audi gibt es auch den Q3 mit dem Fahrdynamikpaket «Drive Select», über das man auf Knopfdruck den Charakter verstellen kann. Wählt man dort den «Dynamic»-Modus, federt der Wagen etwas härter, die Lenkung ist direkter und das Getriebe schaltet sportlicher. Allerdings ist der Q3 auch dann nicht so sportlich, wie es Audi gerne weis- und die Konkurrenz vormacht. Dafür ist er handlich, übersichtlich und wendig. Wer trotzdem Mühe beim Parken hat, kann sich fast automatisch in die Lücken rangieren lassen.
Weil Geländewagen als Spritfresser verschrien sind, hat Audi den Q3 auf Diät gesetzt. Das Gewicht des Basismodells liegt knapp unter 1,5 Tonnen. Start-Stopp-Automatik, Rekuperation und eine Segelfunktion bis Tempo 60 sind Standard. Und beim Basismodell fehlt sogar der Quattro-Antrieb. So kommt das SUV mit 5,2 Litern aus. Das entspricht einem CO2-Austoß von 138 g/km. Den Verbrauch des stärkeren Diesels beziffert Audi mit 5,9 Liter (CO2-Ausstoß 156 g/km), bei den Benzinern stehen 7,3 bis 7,7 Liter (174 bis 179 g/km) in der Liste.
Der Q3 kommt eine halbe Generation nach dem Tiguan und ein Jahr nach dem X1 - er ist also spät dran. Doch mit dem eleganten Design, der effizienten Technik und dem edlen Ambiente hat er allemal das Zeug, das Feld von hinten aufzurollen. Audi-Chef Rupert Stadler meint es deshalb vollkommen ernst, wenn er sagt: «Der hat uns gerade noch gefehlt.»
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