Mittwoch, 24. März 2010 12:33 Uhr
Zur Sommersaison müssen sich Porsche und Co. warm anziehen - denn das Herzblut der Audi-Tüftler macht den Freiluft-Flitzer zum Überflieger.
So kann der Sommer kommen: Drei Jahre nach dem Start bietet Audi den R8 jetzt auch als Spyder an - und schickt damit den vielleicht schärfsten Feger der Saison ins Rennen.
Zwar ist der vorerst nur als V10 angebotene Zweisitzer der mit Abstand teuerste Audi im Programm. Doch macht kein anderes Modell im Zeichen der Ringe auch nur annähernd so viel Spaß. Und geht es nach Projektleiter Jürgen Wacker, sieht auch kein anderer so gut aus: «Das ist der schönste Audi aller Zeiten.» Das schönste am R8 Spyder ist jedoch nicht das Design mit den riesigen Kiemen in der Flanke oder den beiden gewaltigen Höckern am Heck. Noch viel schöner ist das, was nach dem Druck auf einen der unscheinbare Knopf in der Mittelkonsole folgt. Danach dauert es noch 19 Sekunden, bis die knappe Stoffmütze hinten zwischen Sitze und Motor gefaltet ist, und der R8 bereit ist für einen buchstäblich stürmischen Ritt.
Oben ohne erlebt man den Alurenner als völlig anderen Sportwagen: Wo das Coupé noch klinisch rein wirkt, luxuriös und fast beängstigend perfekt, fühlt man sich im Spyder näher am Geschehen. Zwar ziert auch das offene Auto das noble Audi-Ambiente aus Lack und Leder.
Doch live und ungefiltert erlebt man unter freiem Himmel die gesamte Energie des Kraftpakets. Mensch und Maschine verschmelzen, man riecht nicht nur Oleander und Lavendel, sondern auch Motoröl und Reifengummi. Der Wind reißt an den Haaren und in den Ohren klingt so lustvoll das Zehnmann-Orchester aus dem Motorraum, dass man die Bang & Olufsen-Anlage getrost auslassen kann. Wer braucht schon Van Halen oder Vivaldi, wenn er einen V10 dirigieren kann?
Der 5,2 Liter große Direkteinspritzer spielt den Soundtrack zu einem eindrucksvollen Roadmovie in wechselnden Geschwindigkeiten. Denn auch wenn es eine gewisse Selbstbeherrschung im Umgang mit 525 PS und 530 Nm verlangt, lässt es sich mit dem R8 Spyder auch ganz gemütlich über den Boulevard bummeln. Doch sobald das Ortschild hinter einem liegt, der Verkehr lichter und die Kurven enger werden, drückt der Fuß automatisch stärker aufs Gaspedal. Dann noch die Sporttaste des «Magnetic Ride»-Fahrwerks gedrückt und schon zeigt der R8 Spyder sein zweites Gesicht.
Wie eine Furie schießt er über die Landstraße, beschleunigt in 4,1 Sekunden auf Tempo 100 und giert förmlich nach Kurven. Sollten die einmal knapp werden, kann sich der Fahrer mit dem Rausch der Geschwindigkeit trösten - der R8 schafft auch offen 313 km/h. Mit den angegebenen 14,9 Litern aus dem Normzyklus ist es bei flotter Fahrweise dann allerdings nicht getan.
Weil sich Bayern für den Roadster lange Zeit gelassen haben, sind sie ausgesprochen gründlich zu Werke gegangen. Obwohl nur 100 Kilo schwerer als das Coupé, wirkt der Spyder deshalb genauso steif und solide. Auch auf schlechten Straßen lässt er sich von nichts erschüttern. Außerdem ist das Verdeck anders als bei manchen Sportwagen aus Italien tatsächlich vollgasfest. Es kann bis Tempo 50 auch während der Fahrt geöffnet werden und ist obendrein gut isoliert.
Bei gemäßigter Autobahnfahrt ist der geschlossene Spyder deshalb nicht lauter als das Coupé. Und auch wenn in dieser Liga die Faszination als Kaufgrund reicht, beweisen die Bayern mit ein paar Kleinigkeiten ihre gewohnte Liebe zum Detail. So kann man die Heckscheibe unabhängig vom Dach elektrisch öffnen und schließen, so dass man den Sound noch besser hört. Und wer selbst bei Vollgas noch telefonieren möchte, bekommt im R8 Spyder die erste Freisprechanlage mit Mikrofonen, die im Sicherheitsgurt integriert sind.
Das Vergnügen hat jedoch auch seinen Preis: 156.400 Euro sind eine stolze Summe für eine Sonnenbank - selbst wenn sie zu den schnellsten der Republik zählt und die Zusatzausstattung den Tarif ein wenig relativiert. Denn nicht nur das Navigationssystem und die Musikanlage von B&O sind Standard, sondern auch die LED-Scheinwerfer. Die kann man spätestens auf der Autobahn auch gut gebrauchen: Keine andere Lichthupe ist schneller und heller.
Zwar wird der Spyder - wie auch das Coupé - für die meisten ein Traum bleiben. Doch für die PS-Elite ist er eine attraktive Alternative zu seinem vorlauten Vetter Lamborghini Gallardo, dem Porsche 911 Turbo oder dem Mercedes SL 63 AMG: Präzise, schnell und leidenschaftlich und trotzdem überraschend alltagstauglich macht er Lust auf eine flotte Landpartie - der Sommer kann kommen.
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