Mittwoch, 12. September 2012 14:40 Uhr
Wer keinen großen Wert auf Assistenzsysteme, Ausstattung und Interieur legt, findet im Dacia Lodgy Funktionalität und zweckmäßiges Design- zu einem Preis fernab der Konkurrenz.
Im Volumensegment ist die rumänische Renault-Tochter bereits angekommen. Nach dem Geländewagen Duster versucht Dacia sich nun in einer weiteren Nische: mit einem Van. Spartanisch ausgestattet und mager motorisiert, startet der Lodgy bereits für 9990 Euro und ist damit das billigste Großraummodell am Markt. Wenn man die Fenster nicht von Hand kurbeln möchte, eine geteilte Rückbank verlangt und die Sitze sechs und sieben in die dritte Reihe bauen lässt, wird der Van zwar schnell einige Tausend Euro teurer. Doch vornehmere Konkurrenten wie der VW Touran oder der feine Bruder Renault Scénic kosten leicht das Doppelte.
Die Form folgt der Funktion- bei kaum einem anderen Auto wird dieser Designgrundsatz so konsequent eingehalten wie bei dem 4,50 Meter langen und 1,71 Meter hohen Lodgy. Wo die Nobelmarken Sicken ins Blech pressen, Lichtkanten setzen, glänzende Zierleisten montieren und die Scheinwerfer wie Edelsteine glitzern lassen, ist der Dacia eine schlichte, schnörkellose Kiste aus Blech. Glatte Flächen, große Fenster, riesige, weit aufschwingende Türen und eine fast senkrechte Heckklappe: Praktisch, nicht pfiffig war die Devise der Designer. Aber weil man mit einem Dacia ohnehin keinen Staat machen kann, muss er auch nicht wie ein Statussymbol aussehen.
Auch innen ist der Wagen betont nüchtern gehalten. Man blickt auf viel Kunststoff, sieht zwischendurch sogar mal blankes Blech und sucht vergebens nach Ambiente-Beleuchtung, Softtouch-Beschichtungen oder Silikon-Dämpfern. Und wer mehr als ESP und vier Airbags möchte, zahlt extra. Zum Beispiel für elektrische Fensterheber oder Klimaanlage. Trotzdem bietet der Lodgy ein paar Überraschungen.
Die Fensterheber sind gegenüber den anderen Dacia-Modellen endlich aus der Mittelkonsole in die Türen gewandert. Die Materialqualität wirkt besser als in Sandero oder Duster. Und auf Wunsch gibt es sogar ein Navigationssystem. Das ist mit seinem großen Touchscreen leicht zu bedienen und mit 430 Euro Aufpreis unschlagbar günstig- billiger gibt es den Festeinbau sonst nirgends.
Das beste Argument für den Lodgy ist wohl sein Raumangebot. Obwohl er kaum länger ist als ein Opel Astra und der Radstand nur 2,81 Meter misst, bietet er bei voller Bestuhlung Platz für sieben Personen. Dabei sitzt man in der ersten Reihe sehr und in der zweiten ziemlich bequem. Nur wer ganz nach hinten muss, sollte beim Einstiegen gelenkig und auf Reisen bescheiden sein. Denn dort ist es mit Knie- und Kopffreiheit nicht sonderlich weit her.
Aber in einer Familienkutsche wie dieser geht es ja nicht nur um Sitzplätze, sondern auch um Stauraum. Und davon gibt es reichlich: Hinter der riesigen Heckklappe bietet der Lodgy selbst mit voller Bestuhlung noch ein Kofferraumvolumen von 207 Litern. Faltet man die letzte Reihe klein, schluckt das Gepäckabteil 827 Liter. Als Zweisitzer wird der Wagen mit 2617 Litern Ladevolumen zum Konkurrenten für Kleintransporter. Hinzu kommt ein knappes Dutzend Ablagen mit insgesamt noch einmal 30 Litern Fassungsvermögen.
Vernunft statt Vergnügen- das ist die Marschrichtung fürs Motorenprogramm. Zur Wahl stehen je zwei Diesel und Benziner, die eine Leistungsspanne von 61 kW/83 PS bis 85 kW/115 PS abdecken. Damit man halbwegs hurtig unterwegs ist, sollte man schon zum stärkeren Selbstzünder mit 79 kW/107 PS greifen. Der schüttelt sich zwar beim Kaltstart merklich und ist nicht der leiseste seiner Art. Aber solange der Lodgy nicht voll beladen ist, kommt man mit ihm ganz flott vom Fleck: Bis zu 240 Newtonmeter Drehmoment wuchten den Van in 11,6 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 175 km/h.
Zügiges Reisen ist mit dem Lodgy kein Problem: Denn das Fahrwerk ist komfortabel, aber nicht schwammig, und taugt deshalb auch für lange Strecken mit hohem Tempo. Der Verbrauch steigt dabei allerdings schnell über den Normwert von 4,4 Litern (CO2-Ausstoß: 116 g/km). Eine Start-Stopp-Automatik, die innerorts oder im Stopp-and-Go-Verkehr beim Spritsparen helfen könnte, bietet Dacia nicht an.
Er ist nicht schön, nicht schnell und nicht sonderlich luxuriös. Aber mit reichlich Raum, ordentlicher Technik und der nötigsten Sicherheitsausstattung bietet der Dacia Lodgy alles, was eine Familie zum Fahren braucht. Als Lifestyle-Auto hat er keine Chance. Aber fürs Leben in wirtschaftlich nicht immer rosigen Zeiten ist er so genau der Richtige.
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