Mittwoch, 1. August 2012 17:34 Uhr
Ein Auto, das maßloser nicht sein kann: der Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse ist der schnellste Roadster der Welt- und wohl auch der teuerste.
Er ist die Trumpfkarte in jedem Autoquartett: Wer den Bugatti Veyron auf der Hand hält, der macht jeden Stich. Erst recht, wenn es die neueste Variante des Überfliegers ist.
Nichts Geringeres als der stärkste und schnellste Roadster der Welt verbirgt sich hinter dem sperrigen Namen: Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse. Von Null auf 100 beschleunigt er in nur 2,6 Sekunden, 200 km/h stehen nach 7,1 Sekunden auf dem Tacho. Und wo für andere Sportwagen die Luft spätestens jenseits von 300 Sachen langsam dünn wird, stürmt der Zweisitzer aus Molsheim munter weiter. Erst bei 410 km/h ist wirklich Schluss.
Möglich macht das ein Motor, wie in die Autowelt in den letzten 50 Jahren zumindest auf der Straße nicht gesehen hat: 16 Zylinder, 8,0 Liter Hubraum und Turbolader, die in einer Stunde mehr Luft ziehen als ein Mensch im Monat atmet, stehen für 882 kW/1200 PS und 1500 Newtonmeter Drehmoment, die sich auch von zwei Tonnen Leergewicht nicht einbremsen lassen.
Diese Daten kennen viele schon vom geschlossenen Veyron Super Sport- aber fahren werden diesen Wagen nur die wenigsten. Denn insgesamt baut die luxuriöse VW-Tochter nur 300 Coupés und 150 Roadster. Und weil davon schon mehr als zwei Drittel verkauft sind, wird es den Vitesse höchstens 100 Mal geben. Dabei könnte das Auto eigentlich jeder bewegen- zumindest, so lange er ein halbwegs gesittetes Gemüt hat. Denn mit einem schlanken Gasfuß und einer strengen Moral rollt man im Bugatti entspannter und gelassener dahin als in einem Porsche Boxster. Aus dem Heck hört man nur ein leichtes Säuseln, schon bei 60, 70 Sachen legt die Doppelkupplungsautomatik kaum fühlbar den siebten Gang ein, das Lenkrad führt man mit dem kleinen Finger, und das elektronisch justierte Fahrwerk bügelt jede Bodenwelle glatt.
Doch wehe, man senkt den Fuß auch nur um ein halbes Grad zu weit: Leichtfüßig und überraschend handlich ist der immerhin zwei Meter breite Tiefflieger dann immer noch, und selbst ein ziemlich großer Rest von Fahrkomfort bleibt erhalten. Doch dann wird der Veyron zur Furie, die kein Halten mehr kennt. Mit einem infernalischen Getöse brüllt der Motor los und übertönt jedes Wort. Der Kopf knallt beim Kickdown förmlich gegen die nicht umsonst so weich gepolsterte Karbonschale der Sportsitze und die Landschaft fliegt vorbei, als hätte jemand den Zeitraffer aktiviert.
Zum Überholen braucht man kaum mehr als einen Wimpernschlag und sieht die Autos danach im Spiegel rückwärts fahren. Jede Gerade wird zu einer Versuchung für die Verkehrsmoral und eine leere Autobahn zur Rennstrecke, auf der man sogar mit dem ICE oder einem Flugzeug konkurrieren kann. Zumindest theoretisch schafft der Veyron die Strecke München-Berlin in weniger als zwei Stunden. Den ultimativen Reiz des Rasens kann man allerdings selbst in einem Bugatti nicht immer genießen: Normalerweise beschränkt die Elektronik den Irrsinn auf 375 km/h. Wer seinen Wagen voll ausfahren will, muss ihn erst mit einem zweiten Schlüssel freischalten und braucht danach eine verdammt lange Gerade oder ein Highspeed-Oval mit Steilkurven. Denn sobald man das Lenkrad einschlägt oder die Bremse touchiert, ist das Limit wieder aktiviert.
Normale Maßstäbe zählen nicht bei einem Auto dieses Kalibers. Klar würde man bei einem Supersportwagen mittlerweile ein Navigationssystem erwarten. Die manuelle Sitzverstellung wirkt antiquiert. Selbst Millionäre brauchen mehr Stauraum als das Fach für Brieftasche und Kreditkarte. Und dass die Karbonhaube des Roadsters zu Hause bleiben muss und das wie ein Regenschirm aufgespanntes Notverdeck nur bis 160 km/h dicht ist, könnte man kritisieren. Aber welchen Kunden interessiert das schon, wenn er für ernsthafte Fahrten im Schnitt noch 32 andere Autos in der Garage hat. Deshalb sind auch der Verbrauch von 23,1 Litern und der CO2-Ausstoß von 539 g/km kaum mehr als eine Fußnote wert: Schließlich fährt ein Veyron im Jahr im Mittel nur 1820 Kilometer.
Irrsinnig schnell und trotzdem so einfach zu fahren wie ein Kleinwagen, kompromisslos sportlich und dabei so luxuriös wie eine große Limousine- der Bugatti ist einzigartig und in jeder Hinsicht unerreicht. Das gilt leider auch für den Preis: Weil der Veyron Vitesse mit seinen 2.011.100 Euro mehr kostet als 250 VW Polo, wird der Traumwagen für die allermeisten Menschen auf ewig ein Traum bleiben. Außer vielleicht im Autoquartett.
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