Möglicherweise schädigt der neue Biokraftstoff E10 mehr Motoren als bisher angenommen.
Die Unsicherheit der Verbraucher, ob ihr Auto den neuen Biokraftstoff E10 verträgt, macht sich an den Zapfsäulen bemerkbar. Wegen der geringen Nachfrage wurde die Produktion des neuen Kraftstoffs bereits vorläufig gestoppt. Über die Zukunft des Biosprits soll auf einem "Benzin-Gipfel" am 08.03.2011 diskutiert werden.
Die Befürchtungen der Verbraucher bekommen durch ein Interview des Leiters der BMW-Mechanikentwicklung zur Verträglichkeit des neuen Sprits neue Nahrung. Wie er der "Welt am Sonntag" am 06.03. mitteilte, nehme durch den erhöhten Ethanolanteil auch die Wassermenge im Motor zu. Bei der Verbrennung gelange das Wasser ins Motoröl, das dadurch verdünnt werde und schneller altere. Deshalb könnten sich Ölwechselintervalle verkürzen.
Der bayrische Autobauer stellte daraufhin klar: «BMW unterstützt die Einführung von E10-Superkraftstoff in Deutschland.» An den technischen Bewertungen, die während des Gesetzgebungsverfahren für Europa und Deutschland getroffen wurden, habe sich nichts geändert, teilte BMW-Sprecher Bernhard Ederer mit.
«Die Aussagen von Herrn Brüner zum Thema E10-Verwendung für BMW-Fahrzeuge bezogen sich ausdrücklich nicht auf Länder mit Kraftstoffqualitäten wie die in der EU verwendeten, sondern auf Länder mit deutlich minderwertigen Kraftstoffqualitäten», zitierte Ederer Klaus Draeger, Entwicklungsvorstand der BMW Group.
Draeger betonte, «dass grundsätzlich in allen BMW-Pkw-Modellen sämtlicher Baujahre der unbedenkliche Einsatz von E10 Kraftstoffen möglich ist». Einige wenige ältere BMW-Fahrzeuge benötigten aus Gründen der Klopffestigkeit den Kraftstoff Super Plus ROZ 98. Diese eigneten sich daher unabhängig vom Ethanolgehalt nicht für Superkraftstoff.
Dennoch bleibt bei vielen Verbrauchern die Sorge vor möglichen Motorschäden, zumal die Hersteller keine Haftung dafür übernehmen, wenn der Motor am Super-Benzin mit zehn Prozent Ethanol langfristig Schaden nimmt. Bei Autos, die den neuen Kraftstoff nicht vetragen, können Korrosionen an Dichtungen und Motorteilen auftreten.
Der Automobilclub ADAC fordert daher eine zentrale Anschreibaktion über das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg. Der ADAC werde sich beim "Benzin-Gipfel" des Bundeswirtschaftsministeriums dafür stark machen und forderte auch die Automobilindustrie dazu auf. Der Verbraucher solle schriftlich und verbindlich informiert werden, ob sein Auto mit E 10 betankt werden kann oder nicht. Das sagte der Leiter des ADAC-Technikzentrums, Reinhard Kolke, im ZDF-«Morgenmagazin».
Angesichts der Verwirrung um die Verträglichkeit des neuen Bio-Kraftstoffs E10 fordert die Mineralölwirtschaft die Abschaffung der Strafzahlung bei Nichterfüllung der Bio-Quote. «Niemand darf dafür bestraft werden, dass Autos kein E10 vertragen und deshalb die Bio-Quote einfach nicht erfüllt werden kann», sagte Klaus Picard, Chef des Mineralölwirtschaftsverbandes, der «Bild»-Zeitung.
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