15.02.2012, 10:50 Uhr
Die Station hatte 1998 ihre Arbeit aufgenommen und kümmert sich seitdem um eine stetig wachsende Zahl von hilfsbedürftigen Vögeln und ratsuchenden Bürgern. Nirgendwo in der Hauptstadt gibt es eine vergleichbare Einrichtung, die mit einer solch hervorragenden Erfolgsquote bei der Wiederauswilderung der Findlinge aufwarten kann. Doch nach Ablauf des Geschäftsjahres 2011 und dem ersten Informationsrücklauf der fördernden Institutionen und der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gestaltet sich die Situation für die Wildtierpflegestation immer prekärer.
Die Station hatte in den zurückliegenden Jahren mit mehr als 1500 Pfleglingen und zwischen 2000 bis 3000 Anrufern pro Jahr umzugehen: die Kapazitäten wurden laufend überschritten, sodass zunehmend Bürger mit Fragen und hilfsbedürftigen Tieren immer wieder abgewiesen werden mussten. Seit 2010 weist der NABU Berlin immer wieder sehr deutlich auf diese untragbare Situation bei der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hin. Doch bis auf Absichtserklärungen, denen nun seit zwei Jahren immer noch keine weiteren Taten gefolgt sind, gab es von dieser Seite bislang keine Unterstützung.
Rainer Altenkamp, stellvertretender Vorsitzender des NABU Berlin ist fassungslos: "Obwohl es sich ausnahmslos um geschützte Vogelarten handelt und der NABU vielfach Amtshilfe für Polizei und Feuerwehr leistet, haben wir bis heute kein Bekenntnis der Senatsverwaltung, ihren gesetzlichen Aufgaben des Artenschutzes hier gerecht zu werden. Auf Dauer wird sich der Senat nun selbst um die Pflege der Tiere kümmern müssen, denn unsere finanziellen und personellen Kapazitäten sind erschöpft."
Seit dem Weggang eines Sponsors in 2010, der die Station zuvor jährlich mit rund 50.000 Euro unterstützte, ist es dem NABU Berlin nicht gelungen dieses Defizit wieder auszugleichen. Zwar gab es immer mal wieder eine Förderung, aber die hat nicht verhindern können, dass bereits 2010 erste Kündigungen ausgesprochen werden mussten. Ohne weitere finanzielle Unterstützung ist das Ende in diesem Jahr absehbar. "Die Station benötigt jährlich je nach Auslastung zwischen 70 000 bis 100.000 Euro für ihre Arbeit", erläutert Altenkamp. Eine Arbeit, die weder Tierheim, Polizei, Feuerwehr oder Zoo machen können oder wollen. "Wir bieten kompetente Hilfe für einen vergleichsweise minimalen finanziellen Aufwand." Und wenn die Station schließen muss? "Dann müssen sich die Bürger mit ihren Findlingen eben an die Senatsverwaltung wenden und um Unterstützung bitten, denn ohne zusätzliche finanzielle Mittel ist spätestens Juni dieses Jahres für uns Schluss", macht Altenkamp deutlich.
Während die Senatsverwaltung die Dringlichkeit des Problems noch nicht zu sehen scheint, versuchen die Ehrenamtlichen und unermüdliche Spender dem NABU Berlin zu helfen. Doch angesichts der bereits genannten Zahlen ist das immer wieder nur der berühmte Tropfen auf den heiße Stein. Der NABU war immer ein zuverlässiger Partner für die Senatsverwaltung und möchte das gerne auch weiterhin sein. Doch es ist unverantwortlich seitens des Senats, dieses Problem ausschließlich bei gutwilligen Bürgern und engagierten Ehrenamtlern abzuladen. Ein Gespräch mit Senator Müller stand zum Zeitpunkt dieser Mitteilung immer noch aus.
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