Thierse hat über Schwaben in Berlin geschimpft. Foto: Michael Hanschke/Archiv Thierse hat über Schwaben in Berlin geschimpft. Foto: Michael Hanschke/Archiv dpa

Schwaben gegen Thierse: Ländle kontert auf Zugezogenen-Lästerei

 

31.12.2012

Berlin (dpa/bb) - Nach der Schwaben-Schelte des Berliner Bundestagsabgeordneten Wolfgang Thierse (SPD) wettern Baden-Württemberger zurück: Grünen-Chef Cem Özdemir sagte der «Bild»-Zeitung (Montag), viele Schwaben kämen zum Arbeiten nach Berlin. «Die Berliner sollen uns Schwaben dankbar sein und nicht über uns lästern wie Herr Thierse.» EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) erklärte: «Ohne die Schwaben wäre die Lebensqualität in Berlin nur schwer möglich. Denn wir zahlen da ja jedes Jahr viel Geld über den Länderfinanzausgleich ein.»

Der Bundestagsvizepräsident, der seit 40 Jahren in Prenzlauer Berg wohnt, hatte sich in einem Interview mit der «Berliner Morgenpost» (Montag) über die zahlreichen zugezogenen Schwaben in seinem Heimatbezirk ausgelassen. «Ich ärgere mich, wenn ich beim Bäcker erfahre, dass es keine Schrippen gibt, sondern Wecken», sagte er. «In Berlin sagt man Schrippen - daran könnten sich selbst Schwaben gewöhnen.» Ebenso störe es ihn, wenn ihm in Geschäften «Pflaumendatschi» angeboten würden. «Was soll das? In Berlin heißt es Pflaumenkuchen», sagte Thierse der Zeitung

Die baden-württembergische ver.di-Chefin und SPD-Vize Leni Breymaier entgegente ihrem Parteifreund in Stuttgart: «Wir in Baden-Württemberg profitieren sehr von unseren Migranten. Auch beim Essen. Das tut den Berlinern auch gut.» Schriftstellerin Gaby Hauptmann meinte, die Schwaben seien in der Hauptstadt hoch angesehen. «Wenn der Herr Thierse das nicht versteht, macht er was falsch.»

Der SPD-Abgeordnete hatte von den zugezogenen Schwaben ein grundsätzliches Umdenken gefordert: «Ich wünsche mir, dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche», schimpfte Thierse. «Sie kommen hierher, weil alles so bunt und so abenteuerlich und so quirlig ist, aber wenn sie eine gewisse Zeit da waren, dann wollen sie es wieder so haben wie zu Hause - das passt nicht zusammen.»

Schon länger waren in Berlin in aller Öffentlichkeit Proteste gegen Schwaben lauter geworden. Schlagzeilen löste ein Brandstifter aus, dem zunächst vorgeworfen worden war, aus «Schwaben-Hass» einen Kinderwagen angezündet zu haben. Vor Gericht bestritt er dieses Motiv. Aber zu Verstimmungen kam es auch wegen Plakaten und Wand-Schmierereien wie «Schwaben raus».

Thierse wird sich im kommenden September nach 22 Jahren Abgeordnetentätigkeit nicht mehr zur Wahl in den Bundestag stellen.

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH