Per Anders: Von Helden gemacht

Das Album klingt genau so, wie das Bild vermuten lässt

Melancholie pur

Um "Per Anders" vorzustellen, müssen wir einen kleinen Bogen über "Wir sind Helden" machen. Deren Schlagzeuger Pola Roy nämlich ist ein Teil von Per Anders. Komplett wird die kleine Band durch Jörg Holdinghausen, den Bassisten der Band Tele. Zusammen haben die beiden Wahlberliner mit dem gleichnamigen Album zur Band ein melancholisches Debüt hingelegt.

Schon das letzten Album der Helden wirkte deutlich nachdenklicher: weniger Synthesizer, weniger Kitsch, dafür reifere und tiefgründige Texten, gesungen von Judith Holofernes. Das Gemeinschaftsprojekt "Per Anders" bringt nun die volle Packung sanft-düsterer Herbstmusik in die Läden.

Der Sound klingt klar und schön, Judith bringt als Gast immer wieder ihre lebendige Stimme in die eigentlich so dunkle Musik ein. Per Anders klingen abgeschieden und allein, sie nehmen Dich mit in ihre Hütte im Wald und spielen dort ihre Lieder mit Sanftmut und Hingabe. Am Ende des Tages kann man das ganze ruhig als psychedelischen Folk bezeichnen.

Wer ist Per Anders?

Warum sollen wir große Analysen wagen, wenn Judith Holofernes die kleine Band doch so schön beschreibt:

"Per Anders, ich kann es nicht anders sagen, ist ein Waldschrat. Ein schroffer, melancholischer, einsiedlerischer Typ, der große Teile seines Lebens damit zubringt, in den nebelverhangenen Wäldern von, ja wirklich, Köpenick herumzustapfen. Und wenn ich ihm bei aller Schroffheit ein romantisches Herz unterstelle, dann ist das wohl am ehesten meiner eigenen romantischen Veranlagung zu zu schreiben. Ich hab´s ja mit den wortkargen Typen.

Und sooft ich Per Anders am Waldrand besucht habe, kann ich doch nicht behaupten, ihn wirklich kennen gelernt zu haben. Wenn wir zusammen waren, dann haben wir gesungen. Und ich habe ihm nie wirklich viele Fragen gestellt – nach seinen Ausflügen in die Wälder, seinen langen Wanderungen, von denen er oft tagelang nicht zurückkam. Was ich weiß, ist das: wenn er dann wieder aufgetaucht ist, dann hat er sich in seine ofengeheizte kleine 60er Jahre Siedlungs –Wohnung eingeschlossen, und Songs geschrieben. Und diese Songs tragen all den Nebel dieser Wälder in sich, sie haben Raureif im Bart und weite Lichtungen im Herzen. Und manchmal kann man, wenn man genau hinhört, auch eine Wildsau hören, eine gesengte, die durch eben jene Lichtungen prescht, dann kann einem ganz anders werden. Und man fragt sich, was er da wohl gemacht hat, der Herr Per. Schilfhütten gebaut, wahrscheinlich. Elfen getroffen. Vielleicht auch Pilze gesammelt.

Mir ist es am Ende des Tages egal – so lange ich sowohl Mann als auch Freund heil wiederhabe. Und wenn wir – Pola, Jörg und ich – zusammen in Jörgs Küche sitzen, in Köpenick, dann erinnert dort kaum etwas an Per. Außer vielleicht, ab und zu, eine Wildsau. Im Augenwinkel. Und die wunderschöne Platte mit zarten, dunklen, winterigen Liedern, die im Hintergrund läuft."

Peranders Albumcover150

Das Album kommt am 09.11.2010 in die Läden. Wer schon einmal reinhören möchte, wird bei MySpace fündig.

(Bild oben: Frank Eidel, Text: Rico-Thore Kauert)