Einst von radio eins zur besten Stones Coverband gekürt, tourt die Berliner Band "get stoned" erfolgreich durch Deutschland. Wir haben Frontsänger Chris Adamek gefragt wie man heute noch qualitative Musik macht, wo doch Coverbands nicht immer den besten Ruf genießen.
BerlinOnline: Christian, ich habe schon viel über "get stoned" und eure Shows gehört. Fragt man aber mal im eigenen Freundeskreis nach, so seid ihr anscheinend noch nicht überall bekannt. Kannst du kurz sagen wer ihr seid und was ihr genau macht?
Christian: Aber na klar! GET STONED ist nicht einfach eine weitere Rolling Stones Coverband, sondern die Rolling Stones Show aus Berlin. Gegründet haben wir uns vor vier Jahren und galten damals noch als echter Geheimtipp unter Stones-Fans. Bekannt geworden sind wir als Sieger des großen radioeins Rolling Stones-Contests zur Berlinale 2008, die die Stones mit ihrem Konzertfilm "Shine A Light" eröffnet haben. Nach zahlreichen kleinen Shows in ganz Deutschland sind wir nun seit 2009 auch in großer Besetzung unterwegs: Das bedeutet neben unserer regulären fünfköpfigen Besetzung sind wir mit einem der besten Bläsersätze Deutschlands, The Horny Tones, und der Backgroundsängerin Kristin Green in großer Konzertbesetzung auf Tour. Vom kleinen überfüllten Club bis hin zum großen Open-Air auf Stadtfesten und Festivals haben wir also für alle was zu bieten. Besonders erfrischend ist bei uns der Altersdurchschnitt: Mit zwei alten Musikerhasen an der E-Gitarre und an den Keyboards ist der Rest von uns gerade Mitte/Ende 20. Damit sind wir wohl auch die jüngste professionelle Stones-Show der Welt.
BerlinOnline: Das klingt nach viel Spaß, aber auch nach jeder Menge Arbeit. Seht ihr eure Band noch als Hobby, oder ist das ein Fulltime-Job mit dem ihr euren Lebensunterhalt verdient? Wie viele Tage im Jahr seid ihr denn on Stage?
Christian: Oh ja, vor Arbeit können wir uns kaum retten und mit einem kleinen Wochenendhobby hat diese Band schon lange nichts mehr zu tun. Wir haben gerade erst unsere 5-tägige Showprobe für die anstehenden Konzerte in diesem Jahr hinter uns gebracht und die ersten zwei Gigs gespielt. Besonders aufwändig gestalten sich natürlich die logistischen Vorbereitungen für unsere Shows in großer Besetzung. Wie eben schon angedeutet sind wir allein neun Musiker auf der Bühne, hinzu kommen Tontechniker, Roadies, Fahrer, Garderobe und Roadmanager. Man könnte also von einer Art Neben-Fulltime-Job sprechen, doch die Arbeit zahlt sich wirklich aus, das merken wir insbesondere an den ungemein positiven Reaktionen von Zuschauern und Veranstaltern. Für den Lebensunterhalt allein reichen unsere etwa 20 Shows im Jahr mit GET STONED zwar nicht aus, aber beschweren können wir uns in finanzieller Hinsicht trotzdem nicht.
BerlinOnline: Wir geht ihr mit dem Thema Cover-Bands allgemein um? Das Image ist ja manchmal etwas schwierig, weil sich viele Musiker unter diesem Begriff tummeln, die aber ganz unterschiedliche Qualitäten bieten.
Christian: Im Grunde haben wir es mit einer echten Qualitätskrise in der Branche zu tun. Viele Bands, die uns teilweise mehrere Jahre voraus haben, bestechen durch alles andere als eine einfallsreiche und qualitativ angemessene Show, sondern spulen mittlerweile lustlos ihr alteingesessenes Programm herunter. Da hat man es als Newcomer natürlich schwer, die Messlatte in Sachen Show wieder höher zu hängen, zumal viele Bands im Business die Preise durch regelrechtes Dumping kaputt machen. Heute kann sich ein Veranstalter vor Bands, die bereit sind zum Schnäppchenpreis mehrere Stunden am Stück das Publikum mit einem "Best of Everything"-Programm zu quälen, kaum noch retten.
Das klingt schwierig. Was macht ihr anders um trotzdem vorne mit dabei zu sein? Macht ihr Marketing, lebt ihr von Mundpropaganda? Wie kommt ihr an eure Bookings?
Christian: In erster Linie kümmert sich unser Manager um die Bookings. Er verschickt also Angebote, unser Pressekit und hält Kontakt mit Agenturen. Wir haben sehr auf die Qualität unseres Promomaterials wert gelegt und bei der Erstellung unserer DVD nur mit Profis zusammengearbeitet, weil das bei vielen Bands zu wünschen übrig lässt. Das hat bisher einen sehr guten Eindruck hinterlassen, aber insbesondere ist wohl unsere einmalige Live-Qualität das ausschlaggebende Argument.
Ihr spielt ausschließlich die Stones - Reizt es euch nicht auch eigene Stücke zu schreiben?
Christian: Einige unser Musiker sind neben GET STONED auch in andere Projekte involviert, sodass absolut keine Langeweile aufkommt. Auch ich spiele hin und wieder mal ein paar Gitarrenspuren in den Rechner, aber das wars dann auch schon. Wenn Zeit ist, proben wir aus Gag auch mal einige Stones-Songs im ungewöhnlichen Gewand, zum Beispiel als Heavy- oder Ska-Fassung. Das ist wahrscheinlich eine echte Marktlücke. Aber im Ernst: Wir konzentrieren uns voll und ganz auf unsere professionelle Stones-Show, weil wir die Musik, die Bühne und die Interaktion mit dem Publikum lieben. Und zugegebenermaßen kann bei einem Katalog von etwa 600 Songs bei den Stones nicht die Rede von karger musikalischer Abwechslung sein. Von den über Jahrzehnte unterschiedlichen Live-Fassungen der Songs ganz zu schweigen. Da gerät eine Abba- oder Beatles-Show deutlich schneller an die Grenze der Soundmonotonie.
BerlinOnline: Was würdest du Mick Jagger fragen, wenn du ihn treffen würdest?
Christian: Wahrscheinlich würde ich fragen, ob wir die Stones ablösen können, aber so viel Dreistigkeit muss ich dann wohl doch unterdrücken. Ich habe absolut keine Ahnung, mir fallen da spontan 1000 Sachen ein. Ich werde diese Frage zum Anlass nehmen, mal genauer drüber nachzudenken.
BerlinOnline: Wie sieht es bei euch mit Groupies aus?
Christian: Oh, die Groupies, das ist immer wieder ein hochbrisantes Thema. Die meisten von uns sind ja vergeben und im Kern sind wir alle treue Musiker-Partner. Doch es gibt auch eine gravierende Ausnahme in unserer Band, die die schönsten und manchmal auch die schlimmsten Mädels magisch anzieht - und ich werde jetzt ganz sicher nicht sagen, wer das von uns ist. Ein bisschen Neid kommt da schon mal im Backstagebereich auf.
BerlinOnline: Ihr seid alle noch recht jung - Fühlt ihr euch von den Veranstaltern ernst genommen oder zweifeln die manchmal ob ihr die Stones wirklich rüberbringen könnt?
Christian:: Die Veranstalter sind in dieser Hinsicht wirklich skeptisch und der Gund dafür ist denkbar einfach: Gerade andere Berliner Stones-Coverbands haben uns Jahre voraus und sind heutzutage die alten Hausbands in vielen Clubs. Doch dieser jahrelange Vorsprung spiegelt sich nicht in der Qualität dieser Bands wider, obwohl sie bereits über Jahrzehnte Musik machen. Viele Veranstalter und Zuschauer, die mit uns gearbeitet und uns gesehen haben, mussten letztendlich zugeben, dass die alten Hausbands nur gebucht werden, weil die Leute nichts anderes kennen und nur deswegen die Veranstaltungen gut besucht sind. Die philosophische Altersfrage lebt ja niemand ausdrücklicher vor als die Stones selbst: Der beste Rock'n'Roll hat nichts mit dem Alter zu tun. Das gilt besonders für eine recht junge Band wie GET STONED. Im Gegenteil, gerade wir als junge Band können viele neue Impulse setzen. Dazu muss man sich die Tatsache vor Augen halten, dass seitdem wir uns in Berlin positioniert haben, andere Coverbands plötzlich mit unseren Ideen versuchen, sich selbst neu zu erfinden. Das macht uns schon ein Stück weit Stolz und ist ein klares Zeichen dafür, dass unsere stets disziplinierte Arbeit sehr wohl ernst genommen wird.
BerlinOnline: Wo kann man euch das nächste mal in Aktion sehen?
Christian: Am 09.07. sind wir live in großer Besetzung, also mit unserem Bläsersatz THE HORNY TONES und unserer Background-Sängerin Kristin Green, auf der Bühne der Maiwiese in Woltersdorf zu sehen. Ein Muss für jeden Stones-Fan und Rockliebhaber. Unter www.getstoned.de gibt es mehr Infos dazu!