"DSDS mit Niveau" - Die 11. FritzNacht der Talente

Die Gewinnerband Kellner (Foto: Tamara Skudies)

Gesangskünstler und Wortakrobaten

Es gibt Event-Formate, denen stehen viele Leute erst einmal kritisch gegenüber. Talent-Wettbewerbe sind so ein Fall. Seitdem diverse Casting-Shows im Fernsehen bewiesen haben, dass eine Talentshow nicht zwingend etwas mit Talent zu tun haben muss, ist diese Vorsicht sogar verständlich. Dass es auch anders geht, zeigt regelmäßig die "FritzNacht der Talente". Hier bekommen ausgesuchte Nachwuchstalente eine Chance auf den ganz großen Auftritt. Am Wochenende gab es die elfte Ausgabe der Veranstaltung.

Alle 1700 Plätze im Admiralspalast waren besetzt, als der wohl am schnellsten sprechende Radiomann der Republik, Ken Jebsen, den Startschuss für die zwölf Acts, sieben aus dem Bereich Musik und fünf Wortakrobaten, gab.

Was folgte war gute Unterhaltung, mal durch Bands wie "Goldene Jugend", die versucht haben neue Musik mit klassichem Tanz zu mixen, mal durch Sänger wie "Sebó", der es mit Herzschmerzmusik versuchte. Auch internationale Gäste sind bei der Talent-Nacht willkommen. So hauchte die Kanadierin "Christina Maria" aus Vancouver mit einer kräftigen Countrystimme gute Musik ins Mikro. All dies konnte das Publikum jedoch nicht so überzeugen wie die Band "Kellner". Die Jungs aus Bayern rockten irgendwo zwischen Folk, Blues und lupenreinem Pop und holten (als Bayern in Berlin!) klar den lautesten Applaus und damit den Sieg. Gemessen wurde das ganze amtlich per Dezibelmessgerät - Je lauter das Publikum klatschte, desto mehr Laut-Punkte gab es auf der Skala. "Kellner" bekam Beifall, der einem startenden Düsenjet Konkurrenz machte und gewann.

Eigentliches Highlight sind bei der FritzNacht der Talente aber regelmäßig die sogenannten Wortakrobaten. In kleinen Geschichten, Schüttelreimen und mit einen Funken Schauspielkunst begeisterten auch bei der elften Ausgabe der Show wieder fünf sprachbegabte Freaks. Das Rennen machte hier am Ende mit "Lasse Samström", ein Klaus Kinski Verschnitt erster Güte. Mit intelligenten Verdrehern wie "Schiebe ist Lön, aber Schichten ist Döner" brachte er das Publikum auf seine Seite, ausgenommen derer die diese Kunstform nicht so recht verstehen wollten. Einzelne Buhrufe gab es in beiden Kategorien, insgesamt aber war es ein gelungener Abend, ein faires Publikum und eine große Portion Spaß. Dazu trug nicht zuletzt Ken Jebsen bei, der noch schneller denkt als er spricht und in Sachen Schlagfertigkeit ganz oben mitspielt.

Beendet wurde der Abend mit dem Special Guest "Bosse", in Berlin mit seinem Hit "3 Millionen" bekannt geworden. Den Hit spielte er dann auch, ebenso wie "Liebe ist Leise", "Wartesaal"und als Zugabe "Weit Weg.

Nach über drei Stunden Programm schwankten die Zuschauer zwischen müde und zufrieden, Tim aus Kreuzberg fasst es in knappen Worten zusammen "Es ist wie DSDS, nur mit Niveau". Er will auch im nächsten Jahr wieder dabei sein.

Text: Rico-Thore Kauert