Zweimal kamen die Fans in die O2 World und zweimal wurden sie enttäuscht: R&B-Star Usher Raymond versäbelte seine Auftritte in Berlin. BerlinOnline-Mitarbeiterin Mai Ky Tuyet war am Usher-Mittwoch und -Donnerstag dabei.
Ich konnte mein Glück kaum fassen: Einen Tag vor dem Konzert von Usher Raymond gelang es mir, bei Ebay noch eins der heißbegehrten Tickets zu ersteigern: Für satte 38 Euro durfte ich am 12. Januar 2011 in der O2 World dabei sein. An den Vorverkaufsstellen waren die Karten seit langem ausverkauft, die allgemeine Euphorie war riesig, die Erwartungen gigantisch. Offenbar kein Problem für Usher: Auf seiner Homepage, auf Twitter und in Interviews versprach der R&B- Superstar den Berlinern eine „großartige Show“.
Punkt 18 Uhr, zwei Stunden vor Beginn, stand unsere kleine Fangruppe zusammen mit hunderten Usher-Fans vor dem Eingang der O2 World Berlin. Als die Tür endlich aufging, stürmten wir in die Halle, denn wir wollten möglichst direkt vor der Bühne und ganz nah bei Usher stehen. Der Einsatz lohnte sich: Nur wenige Meter von der Bühne entfernt fanden wir unsere Stehplätze, voller Hoffung dort die Show hautnah miterleben zu können.
Im Lauf der nächsten zwei Stunden drängten immer mehr Fans in die Halle, trotzdem schafften wir es noch, uns mit Bier zum sensationellen Preis von sechs Euro pro Becher zu versorgen. Eigentlich konnte nun nichts mehr schief gehen, in bester Stimmung warteten wir auf den Beginn des Konzerts.
Nur beim Veranstalter musste wohl etwas schief gegangen sein, denn statt des im Internet angekündigten US-amerikanischen Sängers Trey Songz bestritt der britische Star Tinie Tempah das Vorprogramm.
Trotz der allgemeinen Skepsis, die ihm aus dem Zuschauerraum entgegen schlug, legte der schwarze Rapper los und heizte uns allen ordentlich ein. Als er nach nur 20 Minuten die Bühne verließ, waren wir bereit für unseren King- aber wo blieb Usher nur? Als eine Weile später die Hallenbeleuchtung wieder an ging, schwante uns, dass es wohl noch etwas dauern würde.
Geschlagene 40 Minuten warteten wir und die anderen 15.000 Fans. An Bier holen war nicht zu denken, die Halle war brechend voll, wir hätten es nie wieder zurück an unseren Superplatz vor der Bühne geschafft. Noch dazu hatten wir das Gefühl, das Konzert könnte jede Minute losgehen: Ständig passierte etwas auf der Bühne, mal bewegte sich der Vorhang, dann gingen Scheinwerfer an und aus. Irgendwann begannen wir Fans uns selbst zu unterhalten: "Cause you are amazing just the way you are" sangen hunderte Stimmen mit, als der Bruno Mars-Song aus den Lautsprechern erschallte. Von Usher war weiterhin nichts zu sehen.
Endlich bewegte sich der Vorhang, aber statt des ersehnten Usher trat ein unbekannter Mann im weißen Anzug auf die Bühne und machte ein sehr bekümmertes Gesicht. "I got bad news for you" begann er- und die Halle stöhnte genervt auf. Usher ginge es nicht gut, sagte der Mann, Ärzte seien bei ihm und das Konzert werde auf Donnerstag verlegt. Wüste Beschimpfungen gingen los, "Fuck you" riefen viele, selbst die Security-Leute wurden angemacht. Manche beschwerten sich lauthals darüber, dass sie extra angereist waren und dies eben nicht am nächsten Tag wieder tun könnten. Wir waren ebenso wütend und überlegten, ob wir die Tickets zurückgeben sollten. Doch wir wollten uns einen der wenigen Auftritte von Usher in Deutschland nicht entgehen lassen und trösteten uns mit der Aussicht auf den nächsten Abend.