Portishead: "Third"

Ein großartiges Album von einer Band, die schon fast in Vergessenheit geraten war

Bis auf Massive Attack oder Kruder & Dorfmeister sorgte bisher keine Trip Hop Band für so viel Euphorie wie Portishead. 10 Jahre nach ihrem Debut liegt das famose dritte Studioalbum der Band aus Brisol vor. Dabei begeht das englische Trio nicht den Fehler, überambitioniert zu klingen. Angekündigt wird das neue Album durch die Single "Machine Gun", die erste Single-Auskopplung aus dem Album. Diese macht schnell klar: Portishead sind ihrem Sound treu geblieben, Gibbons klagt und fleht wie eh und je...

Der Arbeitsanteil der Band scheint auf den ersten blick relativ gering. Antrieb der Single "Machine Gun" ist ein immer und immer wieder widerholtes Drumcomputer-Muster, das wie eine Maschinenpistole klingt: Kalt, hart und brutal. Mit dem, was man damals als Britpop bezeichnete, hat das nicht mehr viel zu tun, der Sound erinnert eher an den Industrial-Rock der Nine Inch Nails. Auch "We Carry On" zeigt die Band als verstörte Rhythmusmaschine, die hier allerdings von ungeschliffenen Gitarren vorangetrieben wird.

Video: Portishead - "Third"


Die Dynamik der Songs ist indes großartig, wie eine schützende Hand lieget sie über den Liedern, in denen alte Portishead-Tugenden ausgelotet werden.

"Third" ist letztendlich ein sehr extremes Album. Wo "Dummy" und der Nachfolger "Portishead" (1997) noch recht geschlossen wirken, wandelt diese Platte zwischen den Extremen. Die verhuschten Traumwelten werden dabei immer wieder recht unvermittelt zertrümmert. Trotzdem: Portishead verzetteln sich nicht, bleiben authentisch. Manchmal lohnt das lange Warten eben doch.

Ein großartiges Album von einer Band, die schon fast in Vergessenheit geraten war.

Quelle: BO