Seine teuflische Majestät – ein Bandname, der bei vielen Musikern eher ironisch wirken würde, wird dem düster-mitreißenden Charakter von HIM („His Infernal Majesty“) durchaus gerecht.
Längst haben sich die Finnen im Musikbusiness fest etabliert und ihr genreübergreifender Stil verschafft ihnen einen großen Wiedererkennungseffekt. Von den Fans mittlerweile fanatisch verehrt, handelt die Musikpresse sie gelegentlich schon als die neuen Black Sabbath. Doch Frontman Ville Valo hatte im letzten Jahr keine gute Zeit. Zwar brachte er mit Natalia Avelon das erfolgreiche Duett „Summer Wine“ auf den Markt, musste jedoch privat die Trennung von seiner Verlobten verkraften, diverse Konzerte absagen und eine Nacht hinter Gittern verbringen.
Nun sind HIM gemeinsam zurück - Ihr sechstes Studioalbum „Venus Doom“ ist vor kurzem in Deutschland erschienen. Bereits im Vorfeld wurde klargestellt, dass HIM neue Wege einschlagen werden. Ville Valo sagte wohl in einem Interview, es werden alle, die den Vorgänger „Dark Light“ lieben, das neue Album hassen.
Der Unterschied zwischen beiden Werken wird schnell deutlich - „Venus Doom“ besticht schon nach den ersten Momenten durch Härte. Es beinhaltet neun Tracks, von denen fast jeder eine Spielzeit von 5 Minuten Länge überschreitet. Die Singleauskopplung „Kiss of Dawn“ gehört zweifelsohne zu den stärksten und radiotauglichsten Stücken des Albums. Neben eingängigen Gitarrenriffs bleibt genug Platz für melodiöse Strophen.
Textlich behandeln HIM die gewohnten Themen: Liebe, Schmerz, Wiedergeburt, Jenseits/Diesseits; umschrieben mit den üblich poetischen Metaphern, die Valos ungewöhnliche, gefühlvolle Stimme so perfekt unterstreicht. Schon immer war diese Stimme die große Stärke von HIM, auch diesmal bahnt sie sich ihrem Weg zwischen den harten Gitarrenklängen, klingt dabei so tief wie noch nie, und schafft eine Harmonie innerhalb der einzelnen Stücke.
Besonders "Dead Lover's Lane" passt von vorne bis hinten, die einzelnen Elemente des Songs sind miteinander stimmig. Generell sind die Tracks vielseitiger und komplexer als alles, was man bisher von HIM kennt. Gitarren- und sogar ein Basssolo sind mehrfach zu finden, die früher selbstverständlichen, HIM-typischen Piano Klänge tauchen nicht mehr auf. Balladen gibt es dieses Mal nur zwei, von denen „Song or suicide“ nur gut eine Minute lang ist. „Cyanide sun“ stellt den Abschluss des Albums dar und enthält trotz Baladen-Charakter auch härtere Klänge.
Die Massentauglichkeit des Albums scheint nicht so sicher, wie bei den Vorgängeralben - dafür wirken HIM aber reifer und rockiger, kompromissloser und authentischer auf diesem Album, als es bei „Dark Light“ der Fall war. Dieses bestand hauptsächlich aus bittersüßem, sehnsüchtigen Sound, der Metal-Part kam etwas zu kurz.
HIM schafften bisher mit ihrer Musik stets die Gradwanderung zwischen düsterem Rock und eingängigen Melodien. Valos romantische Stimme im Zusammenspiel mit den Metal-Gitarrenklängen sind ein Rezept, auf das sich HIM auch dieses Mal verlassen können. Nicht nur sind sie der erfolgreichste Finnische Musikexport überhaupt, sondern auch die ersten Finnen, die in Amerika eine goldene Schallplatte bekamen. Mit „Venus Doom“ legen HIM ein Album vor, das eine deutliche Weiterentwicklung der Musiker zeigt. HIM haben experimentiert, und das hat sich gelohnt. Ein durchweg gelungenes Werk, das zu überzeugen weiß.