Farbe für den Mann

Nagellack Fuer Maenner Bunte Nägel auch für Männer: Feride Uslu und Jan Mihm, der schon mal mit gutem Beispiel vorangeht. Julia Jungfer

Uslu Airlines ist keine Fluggesellschaft. Die Kosmetikfirma will Männer für Nagellack begeistern

Nach dem Sitz einer Fluggesellschaft sieht es in dem Dachgeschossloft an der Torstraße nicht aus. An der Wand hängt ein Gemälde im Street-Art-Stil, gegenüber das Foto einer Frau mit Kopftuch und bunt geschminkten Augen, auf dem Tisch liegen Schablonen mit Farbspritzern und Tücher mit Häkelborte. Uslu Airlines hat hier Büros, Produkte heißen Destination THF, JFK und FRA, es gibt Pilotenbrillen und einen Gürtel, der dem Gurt im Flugzeug nachempfunden ist. Hinter THF verbirgt sich aber nicht der Flughafen Tempelhof, sondern ein silbrig glänzender Nagellack, den der Berliner DJ Fetisch entworfen hat. JFK ist farblose Mascara, FRA ein lila Lippenstift.

Uslu Airlines ist keine Fluggesellschaft, sondern der Name des Kosmetikunternehmens, das die Visagistin Feride Uslu mit ihrem Partner Jan Mihm, einem Kommunikationswissenschaftler, vor neun Jahren gegründet hat. Zuerst waren die beiden in New York, seit 2004 sitzen sie in Berlin, wo Mihm studiert hat.

Make-up wie beim Autolackierer

Uslu schminkte Björk, Claudia Schiffer, Heidi Klum, Marilyn Manson, Nadja Auermann, Naomi Campbell und Paris Hilton, dabei experimentierte die 40-Jährige mit Airbrush-Pistolen wie sie Autolackierer verwenden. Anfangs war das schwierig - es gab kein geeignetes Make-up, Uslu verdünnte herkömmliches mit destilliertem Wasser. Für die Profis funktionierte das, nicht aber für private Anwender.

Da ihre Kunden von dem Sprüh-Make-up so begeistert waren, wollten Uslu und Mihm die Technologie allen zugänglich machen. Sie entwickelten eine handliche Spritzpistole und fanden ein Labor, das das Make-up so hinkriegte, dass man es damit versprühen kann. Jetzt musste noch ein Namen für das junge Unternehmen her. Beim Brainstorming sagte eine Freundin, das Unternehmen könnte so groß werden wie eine Airline - der Begriff blieb hängen, die Firma wurde Uslu Airlines genannt. "Wenn der Begriff Airline fällt, haben Lieferanten sofort Dollar-Zeichen im Ohr", sagt Mihm. Außerdem wolle man den Kosmetikmarkt so verändern wie Fluggesellschaften das Reisen verändert hätten.

Nagellack für Heteros

Uslu Airlines ist zwar immer noch sehr klein - Feride Uslu und Jan Mihm machen fast alles allein -, die Chefs sind aber sehr geschickt darin, sich immer wieder ins Gespräch zu bringen. Das geht so weit, dass alle Produkte Flughafenkürzel als Namen tragen. Weil das Airbrush-Gerät mit 533 Euro ziemlich teuer ist, wurden auch Lippenstifte und Nagellacke ins Programm aufgenommen, "damit auch Leute, die sich das nicht leisten können, an der Marke teilhaben können", wie Mihm sagt. Uslu und Mihm machen auch immer wieder Kooperationen mit anderen Kreativen.

Mit der Berliner Brillenfirma Mykita entwickelten sie eine Pilotenbrille. Für Nike haben sie einen Turnschuh gestaltet, gerade arbeiten sie an Schuhen für Reebok. Für die Bread & Butter wurde ein Nagellack entwickelt, den jeder Einzelhändler verkaufen darf - die anderen Produkte bekommen weltweit nur ausgesuchte Läden wie etwa das Quartier 206. Auch mit Modemacher Bernhard Wilhelm und mit DJs hat Uslu Airlines zusammen gearbeitet: Aus der DJ-Kooperation entstand ein fluoreszierender Nagellack. "Tagsüber sieht das aus wie verschimmelte Wasserleiche, aber im Dunkeln leuchtet es", sagt Mihm, der eine Mission hat: Er will heterosexuellen Männern Nagellack näher bringen.

Er trägt ihn normalerweise an vier Fingern, wenn er nicht gerade zu einem 70. Geburtstag geht. Dann muss ein graulackierter Nagel am kleinen Finger reichen. Man werde mit Nagellack häufiger von Frauen angesprochen, das sei wie eine Art Schmuckstück, sagt der 41-Jährige. Uslu Airlines arbeitet an Lacken mit wertvollen Inhaltsstoffen wie Diamantstaub und Gold. "Nagellack statt Rolex", das ist Mihms Fernziel.

Text: Eva Dorothée Schmid, Berliner Zeitung