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Unter einen Hut bringen
Hutdesignerin Fiona Bennet
Joachim Gern
Und plötzlich trägt man wieder Hut. Dass es gerade die Männer sind, die einen alten Klassiker offensiv nach vorne bringen? Mode ist unberechenbar.
Zurzeit sind Fedora und Trilby die angesagten Modelle, als leichter Panamahut für den Sommer, als grauer oder brauner Filzhut für die kältere Jahreszeit. Roger Cicero zieht ihn sich ins Gesicht, die Rapper von Culcha Candela tragen sie und auch die hüftschwingenden Mädels im Videoclip von "Hamma" haben sie für sich entdeckt. Die Berliner Musikszene trägt Hut. Fiona Bennett, eine der Ersten der neuen Generation von Berliner Hutmacherinnen, kann das nur bestätigen. Mieze von Mia. trägt auf der Bühne Sterne auf oder eher am Kopf - von Fiona Bennett.
Fionas Hüte sind zudem telegen. Auch Enie van de Meiklokjes trägt zum Beispiel eine Art Erdbeere, während sie Wohnungen renoviert ("Wohnen nach Wunsch" bei Vox). Der zeitgemäße Hut kann durchaus auffällig sein, muss sich aber auch im Alltag bewähren. "Ich kreiere neue Formen für die neue Frau." Hüte müssen sich dem Leben anpassen und nicht umgekehrt. Große Ornamentik und Ascothüte werden zwar nach Wunsch hergestellt, sind aber offensichtlich wenig alltagstauglich. Fiona Bennett trägt zurzeit Kopftuch, ein spezielles selbstverständlich, mit einer kleinen Sonnenkrempe.
Die Berliner Hutmacherin hat das Handwerk von der Pieke auf gelernt. In Kreuzberg, in einer alten Hutmacherei, im Winter mit Ölofen und Linsensuppe, in der Produktion verstaubt und nicht mehr zeitgemäß. Das Geschäft gibt es nicht mehr. Denn die Damen, die noch klassische, alte Hutmodelle bestellten, kamen gar nicht mehr dazu, diese auch zu tragen. Fiona Bennett erinnert sich gut an den traurigen Untergang dieses alten Handwerks, vor allen Dingen an den speziellen Geruch in ihrem Lehrbetrieb.
Die Hutgalerie Fiona Bennet in der Großen Hamburger Straße
Joachim Gern
Das Hutmachen wurde entstaubt
Heute ist das Hutmachen komplett durchlüftet und entstaubt. "Die ewige Pionierin" arbeitet mit ihren Mitarbeiterinnen in einem zeitgemäß eingerichteten Laden. Ein Raum in Pastellviolett, der andere in hellem Minzgrün und die Verkäuferinnen in gestreiften Arbeitskostümen eingekleidet. Der Hut als Kunstform - ausgestellt in kleinen runden Nischen oder auf Köpfen. Fiona Bennett hat neben einigen Restbeständen von Sommerhüten bereits die Herbstkollektion in Arbeit - und zum ersten Mal gibt es eine Kollektion für Männer in ihrem Repertoire. "Ich habe auf Wunsch für Ben Becker auch schon mal einen Hut angefertigt", doch jetzt stehen die Zeichen der Zeit eindeutig für männliche Kopfbedeckung.
Rike Feurstein sieht das ähnlich. Sie ist der Shootingstar in der Berliner Hutmacherszene. Seit rund anderthalb Jahren entwirft und produziert sie in Berlin. Vorher war sie bei einer New Yorker Designerin, die Hüte der Haute Couture und für Kunden von der Upper Eastside produziert. "Ich habe schon immer nebenbei genäht und mich mit Hüten beschäftigt." Auch bei ihr findet man Klassiker für den casual Auftritt. Doch hat sie auch schlichte, fast organisch anmutende Filzhüte, die in ihrer abstrahierten Form an Basecaps erinnern. Sie spielt auch bei einem grauen Panama-Trilby mit den Falten und fügt eine schwungvolle Falte dazu, sodass er eine selbstverständliche Eleganz bekommt. Es sind Frauenhüte, die Rike Feurstein herstellt, es ist kein Mädchen- oder Girlieschick.
Behütete Stars
So hat auch Susan Sarandon, die gerade in Babelsberg "Speed Racer" dreht, eine Mütze aus Feursteins Herbst-Winter-Kollektion erstanden. Das ist verständlich. Denn wer einmal den Fuß in den Atelier-Laden in der Rosa-Luxemburg-Straße gesetzt hat, kommt nur mit großen Anstrengungen unbehütet wieder heraus. Auch die dicken Wollmützen sind in dieser heißen Jahreszeit eine geradezu unverschämt reizvolle Komposition aus Pragmatismus, effektvoller Struktur und lässiger Schönheit. Nur zur Erinnerung: Ein Hut oder eine Mütze kann schon mal so teuer sein wie ein Kleid, ein paar teure Schuhe oder ein günstig erstandener Hosenanzug.
Auch bei Stefan Lochner in Kreuzberg kostet zum Beispiel ein original Panamahut fast 200 Euro. "Fühl mal, wie fein die Struktur ist!" Die geflochtene Faser der Toquilla-Palme schmeichelt den Fingern. Um gleich mit einem Irrtum aufzuräumen: Dieser helle Hut mit breiter Krempe kommt aus Ecuador und wurde von den Panama-Kanalarbeitern als Sonnenschutz getragen. Ein Franzose, der in Panama lebte, erkannte die modische Qualität und präsentierte den Hut 1855 zur Weltausstellung in Paris. So hielt der Panamahut Einzug in Europa.
Stefan Lochner reist aber nicht nur nach Südamerika, um an gute Hüte zu kommen. Im nahen Allgäu findet er bei Günther Faustmann Cowboyhüte à la Madonna, klassische Filzhüte oder Schiebermützen. In Italien besorgt er Hanfhüte. In seinem kleinen Keller stapeln sich alle erdenklichen Hutvarianten. Für den kleineren Geldbeutel ist immer etwas von der US-Firma Kangol dabei, Theaterleute finden endlich ihre vielgesuchten Zylinder und auch Zehlendorfer machen sich auf den Weg nach Kreuzberg. Denn dort hat einer der letzten alleingesessenen Hutladen kürzlich dicht gemacht. Jetzt macht sich eine neue Generation von Hutmachern daran, zeitgemäße Kopfbedeckungen an die Frau oder an den Mann zu bringen.
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