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Trend: Öko-Fashion bei Berliner Label
ÖKO-FASHION
Dollyrockers - So schick kann Recycling sein...
Soany Guigand
Schick ohne Skrupel: Die Modebranche entdeckt ihr Gewissen. Biobaumwolle und Recycling stehen hoch im Kurs.
Neben der Tür steht ein Schreibtisch, darauf eine Nähmaschine, gegenüber an der Wand ein Regal, das auch als Computerarbeitsplatz dient. In einer Ecke stapeln sich dicke Ballen mit Baumwolle, grau, blau, khaki, und hinten am Fenster wartet eine kopflose Ankleidepuppe auf die nächste Anprobe.
Bio-Wolle ist ein Muss
Das kleine Zimmer ist Büro und Atelier zugleich. Eine Altbauwohnung in Friedrichshain ist das Hauptquartier von Slowmo, einem Berliner Modelabel, das Felicia und Melchior Moss vor einem guten Jahr gegründet haben. "Wir machen Streetwear", sagt Felicia, die an der Berliner Esmod-Schule Modedesign studiert hat. "Klar und gerade", so beschreibt sie den Stil. Auffällig sind nur die Details, etwa die Tasche auf dem Rücken des hellblauen Sweaters: "Für die Hand des Begleiters", erklärt die Designerin. Oder eine knallgelbe Kordel, die einen ansonsten schlichten Anorak ziert.
Slowmo
Was Slowmo auszeichnet, ist die besondere Qualität des Materials. Biobaumwolle mit kbA-Siegel. Das Kürzel steht für den kontrolliert biologischen Anbau. Die Geschwister Moss haben in Afrika und Australien konventionelle Baumwollplantagen besucht und entschieden, dass für ihr Label nur die Bio-Variante in Frage kommt. "Die konventionelle Produktion ist extrem toxisch", sagt Felicia. So toxisch, dass auf den Plantagen immer wieder Menschen sterben - vergiftet durch die Rückstände von Pestiziden und Düngemitteln. Aber nicht nur beim Material, sondern auch bei der Verarbeitung des Rohstoffs gehen die Slowmo-Macher andere Wege als der Rest der Branche. Sie lassen die Textilien am Bodensee in einem Betrieb färben, der ausschließlich Biofarben verwendet. Danach reist die Baumwolle nach Berlin, wo sie sich in Slowmo-Kleidung verwandelt. Genäht wird in Schöneberg und bedruckt werden die Stücke in Köpenick.
Öko-Sneaker und Bio-Jeans
Ähnlich wie Slowmo verbinden viele junge Modelabels neuerdings gern trendiges Design mit biologischen Rohstoffen, natürlichen Farben und fairen Produktionsbedingungen - nicht nur in Berlin. Die Trendsetter heißen Veja, Jackpot, Nau oder Kuyichi - und stammen aus Frankreich, Dänemark, USA und den Niederlanden. Auch große Firmen wie Nike oder Levi's haben erkannt, dass es den Konsumenten nicht völlig egal ist, unter welchen Bedingungen Schuhe, Hosen und Shirts entstehen. Es muss ja nicht immer eine ganze Kollektion sein, aber wer trendy sein will, der hat zumindest einen Öko-Sneaker oder eine Bio-Jeans im Angebot. Letztere im Laden zu finden, ist allerdings oft schwierig. Entweder ist die Nachfrage einfach zu groß oder der neue Öko-Schick ist bei den Branchenriesen lediglich ein Marketing-Instrument, um das Image in den politisch korrekten Wind zu drehen.
Lisa D. - Tragbare Globalisierungskritik
Lisa D.
Tragbare Globalisierungskritik
Erstaunlich ist am neuen Öko-Schick vor allem, dass die Modebranche nicht schon viel früher darauf gekommen ist. "Jeder in der Branche weiß schließlich, dass die Materialien, mit denen wir arbeiten, unter fragwürdigen Bedingungen produziert werden", sagt Elisabeth Prantner. In ihrem Atelier in den Hackeschen Höfen entwirft und näht sie seit mehr als zehn Jahren eigene Kollektionen. Ihr Label Lisa D. steht für die Lust an der Provokation, denn in ihren Entwürfen reflektiert die Designerin die Schattenseiten der Globalisierung. Für die Kollektion "Global Concern" entwarf sie Cocktailkleider, die mit verstörenden Motiven verziert sind: weinende Kinder, die in einem Steinbruch arbeiten. Und für die Kollektion "Boat People" zerschnitt sie Kindermode von Hennes & Mauritz, um daraus exklusive Abendroben zu schneidern. "Die Kinderkleidung von H&M ist hervorragend verarbeitet und sehr aufwendig produziert", lobt die Designerin. Doch über den Ladentisch gehen die Jäckchen, Strampler und Kleidchen für eine Handvoll Euro. "Sowas funktioniert nur, wenn die Menschen, die an der Produktion beteiligt sind, ausgebeutet werden", meint Prantner. Diese Ausbeutung will sie mit ihrer Recycling-Kollektion anprangern.
Unikat für Individualisten
Andere Designer setzen auf Recycling, ohne sich über die Herkunft des Materials den Kopf zu zerbrechen. Sie begreifen die Wiederverwertung als eine Chance, um die Lebensdauer von Textilien zu verlängern, und zugleich auch als eine kreative Herausforderung. So entstehen beispielsweise Taschen aus alten Schweizer Armeedecken - zu haben im Shop von Esther Thomas am Savignyplatz. Oder Dollyrocker: Im Friedrichshainer Atelier-Shop können die Kunden zuschauen, wie Gabi Hartkopp und Ina Langenbruch an der Nähmaschine stehen und aus alten Pullovern und Hemden kunterbunte Kleidung für Großstadtkids schneidern. Die Kindermode von Dollyrocker ist kaum teurer als die vergleichbaren Kollektionen großer Labels. Der große Unterschied ist die transparente Produktion und die Tatsache, dass jedes Teil bei Dollyrocker ein Unikat ist: für stilbewusste Eltern mit Sinn für Individualität.
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