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Der große Auftritt
Fashion Week Juli 2009
Lutz Wallroth
Frida Weyer kreiert wallende Roben und raffinierte Cocktailkleider für festliche Gelegenheiten und besondere Augenblicke
Die gebürtige Berlinerin hat sich schon als Kind am liebsten mit Kleidern beschäftigt. "Meine beiden Großmütter haben sich alle ihre Kleider selbst genäht, und ich war mittendrin und begeistert", stellt Frida Weyer mit einem Leuchten in den Augen fest. "Außerdem sind Abendkleider einfach wahnsinnig praktisch. Kleid anziehen, Schuhe aussuchen, fertig!" So leitet sie ihr Faible für Abendgarderobe her.
Feminin und detailreich
Die Hauptlinie "Frida Weyer" umfasst neben eleganten Abendroben immer auch Cocktailkleider und Brautmode. Neben dieser Kollektion entwirft sie mit der "Frida Weyer Light Collection", kurz FWLC, Kleidungsstücke in ähnlichem Stil, aber mit zurückgenommener Opulenz und moderaten Preisen. Ähnliche Strategien kennt man von großen Modehäusern wie Chloé mit "See by Chloé" oder Marc Jacobs mit "Marc by Marc Jacobs". Ein weiteres Projekt der engagierten Modemacherin ist das ökologisch nachhaltige Streetwearlabel Marchmellow, das sie mit ihrem Freund Chris Busch gründete und als Beitrag zum Umweltschutz und ein Stück Aufklärung in Sachen nachhaltiger Textilwirtschaft verstanden wissen will.
Typisch für ein Frida-Weyer-Kleid der Hauptlinie sind fließende Stoffe wie Seide und Georgette und organische, runde und feminine Schnitte. Applikationen spielen eine besondere Rolle. Perlen, Pailletten und Steine passen zu festlichen Anlässen und werden subtil, aber gekonnt eingesetzt. Neben weiteren edlen Details wie mit Stoff bezogenen Knöpfen, Knopfleisten und viel Spitze bestechen die Kleider durch die hochwertige Verarbeitung. Die Teile bestehen im Normalfall aus drei bis vier Lagen, sodass sich die Trägerinnen trotz der optischen Leichtigkeit richtig angezogen, nicht nackt aber auch nicht zugeknöpft, fühlen. Und ein gutes Gefühl auf der Haut gibt das auch, findet Weyer: "Wer einmal Seide auf der Haut getragen hat, will nichts anderes mehr."
Das Wechselspiel zwischen Frau und Kleid
Inspirationen und gleichzeitig Musen sind eindrucksvolle Frauenfiguren wie Grace Kelly, Greta Garbo, Marlene Dietrich und die bis heute präsente Sophia Loren. "Das waren und sind richtige Frauen mit Temperament und einer Wahnsinnsausstrahlung. Davon gibt es heute nicht mehr viele. Das sollte es aber." Frida Weyer glaubt an ein Wechselspiel zwischen dem passenden Kleid und der Frau, die es trägt. Beide können im Idealfall nur gewinnen. Ein Frida-Weyer-Kleid soll dementsprechend Weiblichkeit zeigen, ohne aufdringlich zu wirken. Es soll Sexappeal besitzen, ohne übertrieben zu sein. Ihre Kreationen sind dramatisch, aber nicht übertrieben.
Neben den regelmäßig präsentierten Kollektionen bietet die leidenschaftliche Kleidermacherin einen außergewöhnlich individuellen Service. "Ich drücke niemandem mein Design auf. Solange ich es als ein echtes Frida-Weyer-Kleid aus der Tür gehen lassen kann, sind den Ideen meiner Kunden keine Grenzen gesetzt." Alle bisherigen Schnitte können auf Anfrage mit der Designerin zusammen auf den eigenen Leib geschneidert und um Ideen ergänzt werden.
Wallende Roben und knappe Cocktailkleider
Die aktuelle Frühjahr-/Sommer-Kollektion aus ihrem Hause ist verspielter, auch romantischer und leichter als die Winterkollektionen, bei denen es strenger, härter und kraftvoller zugeht. Rüschen, Fransen, Spitze und Schleifen aus hochwertigen Materialien von exzellenten Manufakturen zieren die wallende Roben und knappen Cocktailkleider. Wieder kommen Applikationen ins Spiel und werden zum Erkennungszeichen eines sommerlichen Kleides ihrer Kollektion. Gemeint ist die weiße Äste-Spitze auf schwarzer Seide. Die Farbpalette für diesen Sommer reicht insgesamt von viel Weiß über dezent eingesetztes Schwarz bis zu Nudetönen (Hauttöne) und einem kühlen Türkis.
Die Kollektion wurde im Sommer letzten Jahres im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin im Chamäleon Varieté Theater gezeigt. Die damals 31-jährige Jungdesignerin überzeugte mit ihrer ersten eigenen Couture-Show. "Die Präsentation von Kleidern ist besonders wichtig, weil man die angezogen sehen muss. Von der Stange verkaufen die sich selten", plaudert Weyer aus dem betriebswirtschaftlichen Nähkästchen. Der Zulauf an Einkäufern, Prominenten und Journalisten gab ihr Recht. Die in Eigenregie mit Freunden und der Familie organisierte Show wurde nicht nur durch die Kulisse des Jugendstil-Saales unvergesslich, sondern auch durch akrobatische Einlagen eines Trapezkünstlers und einer stimmungsvollen Lichtshow. "Eine besondere Ehre und ein modetechnischer Ritterschlag war die Anwesenheit der Super-Kritikerin Suzy Menkes von der "New York Times", die zum ersten Mal überhaupt bei einer Berliner Show dabei war und bei mir in der ersten Reihe Platz nahm."
Ein Traum aus Gold
Dies war allerdings nicht das einzige Highlight in Frida Weyers Erfolgsjahr 2009. Nur drei Monate nach der Labelgründung erhielt die Newcomerin im Rahmen der Fashion Week die Möglichkeit, ihre Kollektion von Models der weltweit renommierten Agentur IMG präsentieren zu lassen. Daraufhin folgten Anfragen von Jette Joop und der Schauspielerin Natalia Avelo - Letztere trug das legendäre goldene Federkleid über den Berlinale-Teppich und zog damit die Aufmerksamkeit von Karl Lagerfeld auf sich. "Was für ein Traum aus Gold", soll der Modezar spontan am roten Teppich geäußert haben. "Das ist ein Lob, an dem ich mich noch in 50 Jahren erfreuen kann", kommt Weyer auch heute noch ins Schwärmen. Auch zur diesjährigen Oskar-Verleihung trägt einer der Stars ein Frida-Weyer-Kleid. Wer sie ist und was sie trägt? Die Designerin ist verschwiegen.
Text: Susan Schiedlofsky, Berliner Zeitung
Atelier Luckenwalder Straße 4-6, Kreuzberg; www.fridaweyer.com
Verkauf Wo: Michalsky Gallery, Potsdamer Platz 4
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-18 Uhr
Kontakt: Tel. 26 93 32 80
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