Knut-Ziehvater Thomas Dörflein ist tot
Deutschlands wohl bekanntester Tierpfleger Thomas Dörflein ist tot. Wie eine Sprecherin der Berliner Polizei am Montag mitteilte, wurde der 44-Jährige am Mittag leblos in einer Wilmersdorfer Wohnung gefunden. Hinweise auf Fremdverschulden oder Suizid gebe es bislang nicht, sagte die Sprecherin. Weitere Details nannte sie nicht. Dörflein war als «Ziehvater» des Eisbären Knut weit über die Grenzen Berlins hinaus bekanntgeworden. Er hatte das Bärenbaby im Berliner Zoo per Hand aufgezogen. Mit dem Eisbären wurde auch Dörflein populär.
Im Zoo wurde die Nachricht von Dörfleins Tod mit Bestürzung aufgenommen. Direktor Bernhard Blaszkiewitz sagte: «Das ist ein schlimmer Verlust für uns.» Sein Mitgefühl gehöre all denen, die um Dörflein trauern, dessen Familie, dessen Kindern, dessen Lebensgefährtin, dessen Freunden, sagte Blaszkiewitz. Bärenkurator Heiner Klös sagte, Dörflein habe ein «wahnsinniges Tiergefühl» gehabt und immer gute Arbeit geleistet.
Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), der eine Patenschaft für Knut übernommen hatte, reagierte betroffen. Er habe Dörflein bewundert, «wie intensiv und ausdauernd er sich um Knut und die anderen ihm anvertrauten Tiere gekümmert hat», sagte Gabriel. Der Berliner Zoo verliere einen sehr sympathischen und engagierten Mitarbeiter.
Knut war am 5. Dezember 2006 als erster Eisbären-Nachwuchs im Zoo seit 33 Jahren zur Welt gekommen. Dörflein, der 20 Jahre lang Chef des Bärengeheges war, wurde zur wichtigsten Bezugperson für das Tier. Der Pfleger mit Zopf und Vollbart schlief in den ersten Wochen im Zoo und versorgte Knut rund um die Uhr mit Futter. Später begleitete er den Bären auch bei dessen Auftritten vor Publikum. Dabei ließ Dörflein ihn an seiner Hand nuckeln und ging mit ihm schwimmen.
Die enge Verbindung von Pfleger und Tier sorgte auch für viel Kritik. Tierschützer beklagten, dass das Tier zu vermenschlicht werde. Knut werde Probleme bekommen, sich an ein Leben mit Artgenossen zu gewöhnen. Im Juli 2007 entschied der Zoo, Mensch und Bär zu trennen. Zuvor hatten sich Berichte gemehrt, wonach die Begegnungen mit Knut für Dörflein immer häufiger mit Schrammen und blauen Flecken endeten.
Für seine Verdienste um die Stadt Berlin wurde Dörflein im Oktober 2007 mit dem Landesverdienstorden geehrt.
Text: © ddp