Autogramme für die Ewigkeit

Sido Christian Schulz

Der Rapper Sido singt nicht nur, er sticht jetzt auch - in seinem eigenen Tätowierstudio in Mitte

Sido geht unter die Haut. Nein, der Bad Boy der deutschen Poplandschaft singt jetzt nicht etwa Balladen: Er hat am Sonnabend sein eigenes Tätowierstudio eröffnet, in der Ruppiner Straße in Mitte, unweit des Mauerparks.

Dass Musiker sich tätowieren lassen, gehört zum guten Ton. Mit dem Erfolg kommt unweigerlich der erste Schriftzug auf den Körper, wenn er nicht schon lange davor da war. Von Rock bis Rap: Tattoos sorgen für Glaubwürdigkeit in der Szene. Dass die Stars selbst zur Nadel greifen, ist bisher aber noch eher selten. Rihanna zum Beispiel wurde schon dabei beobachtet, selbst tätowiert zu haben: kleine Regenschirme mit einem "R" daneben.

Wenn der Schmerz nachlässt ...

Jetzt ist also auch Sido unter die Tätowierer gegangen. "Tattoos faszinieren mich", sagt er. Sein erstes ließ er sich stechen, als er mit 20 erstmals einen dicken Scheck bekam: "S-I-D-O" in fetten, schwarzen Buchstaben auf den linken Arm. "Es bleibt nie bei einem Tattoo. Dieses gute Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt, und der Gedanke, etwas für die Ewigkeit geschaffen zu haben, das macht dich süchtig."

Die meisten Tattoos ließ sich Sido im Ausland stechen. Einmal hatte er sogar einen Termin bei Mister Cartoon, der bereits Rapgrößen wie 50 Cent, Eminem und Dr. Dre tätowierte. "Aber Cartoon wollte 5 000 Dollar für das Tattoo haben, das war mir zu teuer", sagt Sido.

Ein Körper wie ein Koffer

Heute, fast zehn Jahre und 35 Tattoo-Sitzungen später, sagt der Berliner, dass sein Körper wie ein Koffer sei, mit dem er um die Welt gereist ist. "Die Tätowierungen sind wie Aufkleber, die man von überall als Andenken mitgenommen hat."

Vor einem Jahr dann kaufte Sido eine Tätowiermaschine, auf Tour tätowierten er und seine Freunde sich damit gegenseitig zum Zeitvertreib. Sido zeigt die krakeligen Stechversuche auf seiner Hand. Sie sehen aus wie Kritzeleien in Schulheften. "Am Anfang war ich ziemlich aufgeregt, wenn ich jemanden stechen sollte. Ich wollte den Leuten nicht weh tun." Darüber kann er mittlerweile hinwegsehen, Angst, dass den Leuten nicht gefallen könnte, was er ihnen auf die Haut zeichnet, hat er nicht. "Ich habe nicht den Anspruch, dass es gut wird", sagt Sido.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

Viele Fans werden nun in das Studio pilgern, zwischen den grau und lila gestrichenen Wänden auf Ledersofas darauf warten, dass ihr Idol ihnen ein ewiges Autogramm auf den Körper malt. Aber eigentlich soll der Laden ein anerkanntes Studio werden. Deswegen hat sich Sido die Tätowiererin Katze ins Boot geholt und den Laden dann auch "Ich und meine Katze" getauft. Katze sieht ein bisschen aus wie eine Punkversion von Betty Boop aus den 30er-Jahre-Comics von Max Fleischer. Sie heißt eigentlich Katharina, ist 26 Jahre alt und hat vor zwei Jahren das Tätowieren gelernt. Für Sido ist sie das perfekte Aushängeschild für seinen Laden. Katzes Tattoos passen zu den aktuellen Trends: statt Arschgeweihen knallbunte Motive, die zu den Ursprüngen dieser Kunst zurückgehen, nackte Frauen, Herzen, Blumen und Flammen, dazu verschnörkelte Schriftzüge anstelle nichtssagender Tribals. Wie Katze Sidos Tätowiererkünste bisher einschätzt? Sie lacht: "Nicht gut", sagt sie, "aber wir sind ja gerade dabei, das zu ändern."

Nun macht der Rapper erst einmal Urlaub. "Sido wird abgeschaltet", sagt er. Danach soll es eine neue Fernsehshow geben. Auf RTL 2 wird Sido Menschen auf die Beine helfen, indem er mit ihnen eine Band gründet. "Das wird ein sozialpädagogisches Projekt." So viel verrät Sido jetzt schon.

Text: Anne Lena Mösken, Berliner Zeitung