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Konzentriert falten
Japan ist ihre Leidenschaft: Claudia Speer faltet Papier, seit sie ein Kind ist - inzwischen lehrt sie auch Origami.
Aus einem Stück Papier zaubert Origami-Meisterin Claudia Speer Kraniche und Frösche
Nur noch drei Wochen und Claudia Speer wird zum ersten Mal das Land betreten, das schon so lange im Zentrum ihres Lebens steht. Ende März wird die 34-jährige Künstlerin endlich nach Japan reisen. Pünktlich zum Höhepunkt des traditionellen Lebens, dem Kirschblütenfest. "Damit geht für mich ein Lebenstraum in Erfüllung" sagt sie und lacht mit dem kirschrot geschminkten Mund.
Osaka, Kyoto oder Tokio, das waren für die geborene Görlitzerin in der Kindheit unerreichbare Sehnsuchtsorte. Umso intensiver befasste sich Claudia Speer mit der Sprache und der Kultur des Kaiserreichs. "Zu DDR-Zeiten konnte man natürlich nicht nach Japan reisen und es gab auch kaum Informationen über das Land. Genau diese Fremdheit hat mich wohl gereizt", sagt sie heute rückblickend. Nur manchmal kam ein Hauch von Asien in das Haus ihrer Eltern, dann nämlich, wenn die japanische Brieffreundin ihres Vaters ein Paket schickte. "Ich hatte schon damals dieses knallig pinke Hello-Kitty-Spielzeug. Das war im Osten absolut exotisch." Fasziniert versuchte sich Claudia Speer schon in der Grundschule an japanischen Schriftzeichen und der traditionellen asiatischen Papierfaltkunst Origami. Für diese kleinen Ausflüge nach Japan brauchte sie schließlich nur einen Stift oder ein quadratisches Blatt Papier. Origami heißt aus dem Japanischen übersetzt schlicht "Papierfalten" und die Grundregeln der Kunst sind einfach: Ohne Hilfe von Schere oder Kleber entstehen aus einem Papierquadrat mit 15 Zentimetern Seitenlänge eine Vielzahl von Formen und Gegenständen: Tiere, Blüten und Gefäße zählen zu den Klassikern des Faltens. Die Handgriffe für den "Kranich" oder den "Frosch" beherrscht Claudia Speer längst auswendig. Neue Herausforderungen findet sie im Experimentieren mit Materialien und Größen: "Reispapier, Geschenkpapier und Tapeten eignen sich wunderbar zum Falten und sind oft viel billiger als das echte Origami-Papier. Mit stabilerem Papier kann man auch extrem große Figuren bauen. Mein größter Kranich hat eine Flügelspanne von fast einem Meter."
Workshops mit vielseitigen Japan-Infos
Ihren Papiervorrat und die schönsten Faltkunstwerke lagert Claudia Speer in ihrem Kelleratelier in Lichterfelde. Ganz anders als die typischen Künstlerateliers strahlt der Raum Ruhe und Ordnung aus. Hinter einem Paravent klingt leise Flötenmusik. In der anderen Ecke plätschert ein Springbrunnen. Hier gibt Speer auch Workshops, die ihre vielseitigen Japan-Kenntnisse verbinden. "In meinen Kursen kombiniere ich zum Beispiel die Räucherzeremonie Koh-Do mit Origami, Sushizubereitung und einer Teezeremonie. So bekommen die Teilnehmer an einem Tag einen guten Einblick in die japanische Kultur."
Diese Kombination macht Sinn, denn die traditionellen japanischen Künste haben im Grunde viel gemeinsam. Sie alle erfordern viel Konzentration und wenn man sie konzentriert ausübt, gerät man in einen fast meditativen Zustand. Bergfalte, Talfalte, Wenden - komplizierte Origami-Figuren gelingen nicht einfach so nebenher, sagt Speer: "Wenn ich mit Kindern arbeite, merke ich, dass selbst die größten Schreihälse plötzlich ganz leise werden, wenn sie eine Figur falten." In Japan ist Origami sogar Pflichtfach an der Grundschule, damit schon die Kleinen Konzentration üben und ein Verständnis für geometrische Grundformen bekommen.
Neben dem meditativen Aspekt hat Origami auch einen ganz konkreten Nutzen. Claudia Speer nutzt ihre Werke privat vor allem als Geschenkanhänger oder Grußkartenmotive. Ihr Geheimtipp: ein kleiner zweidimensionaler Weihnachtsmann, der mit ein paar Handgriffen gefaltet ist und jede Weihnachtsbotschaft schmückt. Ihre Arbeiten verkauft sie auch auf Messen und in Japanläden. Zusammen mit den Kursgebühren kann die Diplomdesignerin inzwischen von den Einkünften aus ihrer Japan-Leidenschaft leben. Aber auch wenn das Hobby inzwischen zum Beruf geworden ist, soll der Aufenthalt in Japan keine Geschäftsreise werden. Ihre Arbeitsproben lässt sie zu Hause, wenn sie zum ersten Mal die japanische Kirschblüte besucht.
Weitere Informationen
Kimonos, Hello-Kitty-Accessoires und japanische Lebensmittel gibt es im JapanShopBerlin (Hubertusstr. 8a, Steglitz) und bei Double Happiness (Augsburger Str. 37, Charlottenburg).
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